07. September 2022 | NEWS

Vergessene Krise im Kongo

Schwere Kinderrechtsverletzungen sind in der Demokratische Republik Kongo keine Ausnahme, sondern der Alltag

Krieg, Korruption und Misswirtschaft beherrschen das Leben der Zivilbevölkerung in der Demokratischen Republik Kongo. Kinder sind dabei die größten Opfer: Schwere Kinderrechtsverletzungen sind keine Ausnahme, sondern der Alltag. Das Land verzeichnet die höchste Zahl von Kindersoldat:innen in ganz Afrika. "Kinder werden systematisch und in großem Ausmaß zum Töten und Foltern gezwungen", sagt der nationale Advocacy-Beauftragte der SOS-Kinderdörfer, Innocent Itegwa.

Gewalt gegen Minderjährige ist generell groß. Besonders Waisen, die unbegleitet und ohne Schutz auf der Straße leben, sind in Gefahr, Zwangs- und Sexarbeit verrichten zu müssen. Es gibt sehr viel sexualisierter Gewalt, die sich überwiegend gegen Frauen und Mädchen richtet.

DRK: Verfolgung, Vertreibung, Flucht

"Wir mussten unsere SOS-Kinderdörfer mit Zäunen und Wachhäusern umgeben, um den Schutz der Kinder zu gewährleisten", berichtet Itegwa. Bereits mehrere Male kamen die Kämpfe dem SOS-Kinderdorf in Uvira gefährlich nah, als Kreuzfeuer ausbrachen zwischen Regierungstruppen und Rebellen, die sich in den Hügeln oberhalb des Dorfes verschanzt hatten. Besonders im Norden und Osten des Landes leben die Menschen in ständiger Angst, von Rebellengruppen entführt, gefoltert, vergewaltigt oder getötet zu werden. Viele Familien werden von den Milizen vertrieben. Kinder machen laut Angaben des UNHCR fast 55 Prozent der Vertriebenen aus.

Hilfe der SOS-Kinderdörfer im Kongo

Seit über 30 Jahren bieten vier SOS-Kinderdörfer im Kongo Kindern in Not ein Zuhause, Stabilität und Zukunftschancen wie zum Beispiel Schulbildung. "Mit unseren Familienstärkungsprogramme helfen wir zudem Familien, die als Gemeinschaften noch existieren, aber deren Existenz bedroht wird", erklärt Itegwa. SOS-Mitarbeiter helfen diesen Familien, sich in Kooperativen oder Haushaltszusammenschlüssen zusammenzufinden. Anschließend wird für jede Familie einen Entwicklungsplan erstellt, der sie in die Selbstständigkeit führen soll. Auf dem Weg dahin werden die Familien materiell und finanziell unterstützt. Allein an diesem Programm haben bislang 987 Familien und 2.700 Kinder teilgenommen. Die insgesamt 21 SOS-Programme im Kongo erreichen über 6.400 Kinder, Jugendliche und bedürftige Familien.

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