Estellas Weg: Mut, Kunst und Selbstfindung
Eine Dragqueen aus Nordmazedonien kämpft für Sichtbarkeit und Akzeptanz
Estella ist Dragqueen, Trans und eine Frau voller Mut, die sich auf eine außergewöhnliche Reise zu sich selbst begeben hat. Aufgewachsen in Nordmazedonien, hat Estella es geschafft, sich als Kunstschaffende und Aktivistin einen Platz in ihrer Community zu erkämpfen – auch wenn die Gesellschaft noch nicht überall bereit ist, Vielfalt zu zelebrieren.
Lena Rauch
Redakteurin
schreibt über die weltweite Arbeit der SOS-Kinderdörfer und bewegende Schicksale.
SOS-Kinderdorf: Ein neues Zuhause, ein neues Selbst
Estellas Geschichte beginnt mit einem Schicksalsschlag: mit 11 Jahren verliert sie ihre Mutter, danach folgte eine dunkle Zeit. So dunkel, dass Estella sich selbst an die Behörden wendete, um ein neues Zuhause zu finden. Mit 16 Jahren kam sie in eine Jugend-WG der SOS-Kinderdörfer in Skopje. Die Unterstützung der Betreuer:innen und das Gefühl, endlich gesehen und akzeptiert zu werden, waren essenziell für ihren weiteren Weg und ihr Outing: „Ich habe sehr wenig erwartet, aber ich habe sehr viel bekommen. Beziehungen, Vertrauen, Unterstützung.“
Estellas Leben war und ist jedoch weiterhin geprägt von Marginalisierung – als Kind ohne Eltern und als queere Person. „In beiden Fällen stehst du am Rand der Gesellschaft“, erzählt sie. „Die Rechte zu erkämpfen, um normal leben zu können, ist auf beiden Ebenen identisch.“
Ihr Appell an Pflegeeltern und Unterstützende: „Akzeptiert das Kind, gebt ihm Liebe und lasst es sich selbst sein – das ist das Wichtigste.“
Kunst als Statement
Schon als Estella zum ersten Mal eine Drag-Show besuchte, war sie hypnotisiert von der Kraft und dem Mut, mit dem die Darstellenden auftraten.
Schauspiel, Moderation und Gesang sind für sie Ausdrucksformen:
"Drag ist für mich Aktivismus. Es gibt so viele queere Menschen, die nicht offen und laut sein können – ich nutze meine Bühne, um zu zeigen: Ich existiere, und das ist okay."
Estella fand ihre eigene Stimme und trat bald selbst als Dragqueen auf. Schnell wurde sie zu einer Inspiration für andere: „Ich habe gehört, dass Menschen wegen mir den Mut gefunden haben“, sagt sie stolz. Dennoch gibt es viele Hürden: „Ich kann nicht täglich als Frau leben, es besteht das Risiko, meinen Job zu verlieren oder auf der Straße attackiert zu werden. Es ist nicht sicher für queere Menschen.“
Estella möchte weiterhin auf der Bühne stehen, das Publikum begeistern, eine freie trans Frau sein – aber nicht in Nordmazedonien. Sie hat Angst, dass die Gesellschaft ihrer Transition zu konservativ gegenübersteht und sie alles verlieren könnte, was sie sich aufgebaut hat.

Gemeinschaft und Empowerment
Die größte Unterstützung findet Estella in ihrer queeren Community. Vorurteile versucht sie nicht an sich heranzulassen: „Wenn wir als Drag Artists und queere Personen jetzt still werden, geben wir den Konservativen mehr Raum. Deswegen sind wir laut und klar. Ich betrachte das als meine Berufung.“
Mit heute 30 Jahren blickt sie auf ihre vergangenen Entscheidungen voller Bewunderung zurück: „Ich war sehr mutig. Ich wünsche mir, dass ich freier gewesen wäre, aber ich danke meinem vergangenen Ich für ihre Stärke.“
Estella ist heute ein Vorbild für andere queere Jugendliche, die in schwierigen Verhältnissen aufwachsen. Ihre Botschaft:
"Ich existiere, ich bin genauso viel wert wie du. Ich bezahle Rechnungen, ich arbeite - ich sehe nur weniger traditionell aus. Und das ist dein Problem, nicht meins."
Mit ihrer Kunst kämpft Estella für ein Stück Normalität in einer Gesellschaft, die noch lernen muss, Vielfalt zu akzeptieren. Ihr Weg zeigt: Mit Unterstützung ist es möglich, sich selbst treu zu bleiben – trotz aller Widrigkeiten.
LGBTQIA+: Alle sollen sie selbst sein dürfen!
Unsere Programme setzen sich für Toleranz und gegen Diskriminierung ein: Denn immer noch leiden Kinder und Jugendliche aus der LGBTQIA+-Community darunter.
SOS-Kinderdörfer in Nordmazedonien
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Redakteurin
schreibt über die weltweite Arbeit der SOS-Kinderdörfer und bewegende Schicksale.