Tschad: Kinder im Flüchtlingslager

Bericht einer Sozialarbeiterin aus dem Kinderschutzzentrum

Jeden Morgen warten viele Kindern auf Ange, Sozialarbeiterin bei den SOS-Kinderdörfern, und möchten spielen. Und das inmitten einer der schlimmsten humanitären Krisen unserer Zeit: Im Flüchtlingslager Arkoum im Tschad.

Die junge Sozialarbeiterin beginnt ihren Arbeitstag mit einem Spiel: Die Kinder bilden einen Kreis. "Wer gewinnt?", fragt Ange und die Kinder rufen, lachen, rennen. Doch hier geht niemand als Verlierer nach Hause. Im Kreis gewinnen die Kinder Zusammenhalt, Vertrauen und das Gefühl, dazu zu gehören. 

Der Kreis ist mehr als ein Spiel: Hier im Kinderschutzzentrum begegnen sich Kinder, die auf der Flucht vor dem blutigen Krieg im Sudan Eltern verloren und Gewalt erlebt haben. In Anges Kreis der Geschwisterlichkeit dürfen die Kinder wieder Kinder sein, vergessen für ein paar Stunden den harten Alltag im Flüchtlingslager.  Kleine Rituale, Spitznamen oder ein gemeinsames Lied schaffen Bindung – und legen die Basis für Heilung.

Was Kinder im Flüchtlingslager erleben

Der Alltag in Arkoum ist erschütternd. Viele Kinder haben Gewalterfahrungen und Traumata hinter sich, einige leben ohne Familie. Trinkwasser ist knapp, Krankheiten breiten sich aus. Viele Kinder leben in provisorischen Unterkünften, manche ganz allein, weil ihre Familien getrennt oder ausgelöscht wurden. Es gibt schwangere Minderjährige. Diese Lebensumstände bedrohen die elementaren Rechte der Kinder auf Schutz, Nahrung, Gesundheit und Bildung. 

„Was mich am meisten freut, ist die Arbeit mit den Kindern, das Lächeln, wenn Hilfe ankommt, das Gefühl, etwas zu bewirken.“

Ange, Sozialarbeiterin der SOS-Kinderdörfer

Sozialarbeiterin Ange im Gespräch mit Eltern im Flüchtlingslager im Tschad. Foto: Jakob Fuhrmann

 

Die Kinder aus Arkoum haben viel durchgemacht und brauchen mehr als kurzfristige Hilfe. Sie brauchen sichere Orte, stabile Bezugspersonen und professionelle Unterstützung, damit aus Überlebenden wieder Kinder werden können, die spielen, lernen und träumen dürfen. 

Wie wir handeln – konkret und nah

Im Kinderschutzzentrum Arkoum sorgt ein interdisziplinäres Team dafür, dass Kinder im Alltag Sicherheit und Nähe erfahren. Die Einrichtung für 5.000 Kinder versteht sich als Ort, an dem niemand allein bleibt. Unsere Maßnahmen sind ganzheitlich und aufeinander abgestimmt: 

  • Schutz und Sicherheit: Begehbare Spielbereiche ohne Gefahrenquellen, saubere Sanitäranlagen, feste Abläufe, damit Kinder Stabilität spüren. 

  • Psychosoziale Betreuung: Gruppenangebote, Kreativ- Workshops, Kommunikationsspiele und individuelle Gespräche mit Fachkräften helfen, Traumata zu verarbeiten. 

  • Bildung und Freizeit: Frühförderung, schulische Angebote und Freizeitprogramme, damit Lernen und Kindsein wieder möglich werden. 

Vor, während und nach jeder Aktivität reflektiert das Team, was gut lief und was verbessert werden muss. Sicherheitschecks, Hygienestandards und partizipative Methoden sind fest verankert – weil jeder Schritt über Wohl und Schutz eines Kindes entscheiden kann. 

„Wenn ich mit den Kindern spiele, versetze ich mich in ihre Lage. Ich bin dann genau wie diese Kinder. Und wenn sie glücklich sind, bin ich auch glücklich.“

Ange, Sozialarbeiterin

Ausblick: Was wir in Tschad weiter vorhaben 

Wir bleiben dran – im Team, mit der Community und unseren Partner:innen vor Ort. Unsere nächsten Schritte in Tschad konzentrieren sich auf: 

  • Ausbau frühkindlicher Betreuungsangebote, 

  • verstärkte psychologische Erstversorgung und langfristige Traumatherapie, 

  • Unterstützung von Pflegefamilien durch gezielte Material- und Einkommenshilfen, 

  • Stärkung lokaler Schutznetzwerke und Präventionsarbeit. 

 

Wirkung vor Ort: Beispiele, die Mut machen

Kleine Gesten haben große Wirkung: Ein dreijähriges Kind, das morgens lächelnd zur Gruppe kommt und sich mit seinem Namen vorstellt, zeigt, dass Vertrauen wächst. Kinder, die anfangs still waren, singen wieder; Mädchen, die zurückgezogen waren, trauen sich, an Workshops teilzunehmen. Es sind kleine Veränderungen, die bewirken, dass die Kinder weniger Angst haben, mehr Teilhabe erleben und Lebensfreude. 

Ange wünscht sich für die Kinder im Flüchtlingslager: „Kinder sollen nicht nur überleben, sie sollen wachsen können – sicher, geborgen und mit Perspektive.“

 

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