Kunst, die verbindet
Wie Hassan Kinder im Flüchtlingslager Gaga im Tschad stärkt
Als Hassan 2023 vor dem Krieg aus dem Sudan floh, verlor er vieles – aber nicht seine Hoffnung. Im Flüchtlingslager Gaga im Tschad gibt er geflüchteten Kindern mit Pinsel und Farbe neuen Mut. Im Kinderschutzzentrum schafft er einen sicheren Raum, in dem die Kinder ihre Sorgen loslassen können. Die Kunst hilft ihnen, das Erlebte zu verarbeiten.
Vom Sudan in den Tschad: Flucht und Neubeginn
Hassan stammt aus Umm Ruwaba im Norden des Sudan. Als 2023 der Krieg ausbrach, floh er zunächst nach Darfur und von dort, ohne es bewusst zu merken, weiter in den Tschad. Dort wurde er von einer Hilfsorganisation aufgenommen, erhielt Unterkunft und Unterstützung. Im Flüchtlingslager Gaga hörte Hassan von den SOS-Kinderdörfern, bewarb sich und arbeitet dort inzwischen im dritten Jahr mit Kindern und Jugendlichen.
Vor seiner Flucht war Hassan Fahrer und Händler. Im Lager wurde das Schicksal der geflüchteten Kinder zu seiner Herzensangelegenheit. Viele haben durch den Krieg ihre Familien, ihr Zuhause und jede Sicherheit verloren. Hassan absolvierte Schulungen und Workshops bei den SOS-Kinderdörfern, um Kinder gezielt schützen und sie beim Verarbeiten von Gewalterfahrungen und Traumata unterstützen zu können.
Gemeinschaft und Zusammenhalt im Lager
Hassan berichtet, dass die SOS-Kinderdörfer weit mehr leisten als materielle Hilfe. Im Mittelpunkt steht ein Netzwerk aus Solidarität und gegenseitiger Unterstützung, dass auch die Verbindung zwischen Geflüchteten und Einheimischen stärkt. Hassan und seine Kolleg:innen von den SOS-Kinderdörfern führen Familien zusammen, betreuen Kriegswaisen und begleiten durch regelmäßige Familienbesuche das Wohl der Kinder. “Wir sind wie eine Familie geworden“, sagt Hassan stolz.
Kunst als Weg zur Verarbeitung und Verständigung
Zentraler Bestandteil von Hassans Alltag ist die kreative Arbeit mit den Kindern im Kinderschutzzentrum der SOS-Kinderdörfer. Das Zeichnen lernte er erst im Tschad, mit Unterstützung der Mitarbeitenden der SOS-Kinderdörfer, die Farben und Pinsel bereitstellten. Heute organisiert er Ausstellungen und hilft den Kindern, auf Papier und Wänden ihre Gedanken und Gefühle auszudrücken. So wird Kunst zur gemeinsamen Sprache – gerade dort, wo unterschiedliche Dialekte, Französisch und Arabisch gesprochen werden.
Durch Bilder können Themen wie Gewalt, Schutz und Hoffnung vermittelt werden – ganz ohne Sprachbarrieren. Besonders bewegend sind die Zeichnungen der Kinder: Sie zeigen ihre Herkunft, ihre Träume und ihre Erinnerungen an den Sudan.
Zukunft: Zwischen Herausforderung und Hoffnung
Der Alltag im Flüchtlingslager ist nach wie vor herausfordernd. Das Gehalt reicht kaum für seine eigene Familie im Lager und trotzdem unterstützt Hassan auch seine Verwandten im Sudan, so gut er kann. Trotz aller Schwierigkeiten empfindet er große Dankbarkeit für seine neue Aufgabe – die für ihn längst mehr Berufung als Beruf ist. Denn seine Arbeit mit Kindern hat ihm gezeigt: Auch im Flüchtlingslager kann Hoffnung wachsen.
„Die Liebe der Kinder, die Gemeinschaft und das ständige Lernen sind das Schönste.“