14. September 2021 | PRESSEMITTEILUNG

Wie lernt mein Kind, mit Geld umzugehen?

Ein Ratgeber der SOS-Kinderdörfer für Eltern

"Kann ich das haben??? … Alle anderen haben das auch!" Die Wünsche von Kindern und Jugendlichen sind oft größer als der Geldbeutel. "Dass Geld nicht unbegrenzt zur Verfügung steht, müssen Kinder erst lernen", sagt Birgit Satke, Leiterin der Beratungsstelle "Rat auf Draht" der SOS-Kinderdörfer in Österreich. Je früher Kinder die Bedeutung und den Mechanismus von Geld begreifen, desto leichter fällt es ihnen später, reflektiert mit Geld umzugehen. So können Eltern ihre Kinder dabei unterstützen:

1. Vorbild sein

Lange bevor Kinder den Wert einzelner Münzen und Scheine einschätzen können, bekommen sie schon mit, wie die Eltern damit umgehen. Lassen Sie Ihr Kind teilhaben und zum Beispiel wissen, dass auch Sie Wünsche haben, für die Sie sparen müssen. Auf die Erfüllung von Wünschen warten zu können ist wichtig, um sich später in unserer Konsumwelt gut zurecht zu finden.

2. Bedeutung von Geld erläutern

Sprechen Sie mit Ihren Kindern darüber, was Geld bedeutet und woher es kommt. Denn Plastikkarten und Bankautomaten spiegeln eine falsche Realität wider. Kinder verstehen den Geldfluss nur, wenn man ihnen erklärt, dass Geld mit Arbeit verbunden und beschränkt vorhanden ist.

3. Umgang mit Taschengeld

Um einen maßvollen Umgang zu lernen, brauchen Kinder eigenes Geld, über dessen Verwendung sie selbst entscheiden dürfen. Regelmäßiges Taschengeld ist ab dem Schuleintritt sinnvoll, wenn Kinder schon kleinere Beträge nachrechnen und den Dingen einen Wert zuordnen können. Zahlen Sie das Taschengeld regelmäßig, unaufgefordert und in fester Höhe aus. Dann ist es für Kinder eine verlässliche und planbare Größe. Die Auszahlung sollte zunächst wöchentlich erfolgen, da unter Zehnährige noch nicht so lange planen können, später dann monatlich. Wenn der Nachwuchs vor der nächsten Rate schon pleite ist, besprechen Sie, wie es dazu kam, und wie man es das nächste Mal besser machen kann.

4. Geld nicht als Druckmittel nutzen

Knüpfen Sie an das Taschengeld keine Bedingungen. Zahlen Sie es nicht für braves Verhalten aus, und bestrafen Sie die Kinder nicht mit dem Entzug von Taschengeld, zum Beispiel bei schlechten Noten.

5. Freie Verfügung des Taschengelds

Das Taschengeld sollte nicht für notwendige Anschaffungen wie Schulsachen, Kleidung oder das Mittagessen verwendet werden müssen. Es ist für Dinge da, die Ihr Kind gerne zusätzlich hätte. Bewerten Sie die Ausgaben nicht mit Kommentaren wie "sinnvoll" oder "überflüssig". Machen Sie das Taschengeld aber auch nicht überflüssig, indem Sie selbst fast alle Wünsche Ihrer Kinder erfüllen.

6. Geld macht nicht glücklich

Zeigen Sie Ihrem Kind, welche kostenfreien Möglichkeiten es gibt, Spaß zu haben. Nicht jeder Ausflug muss Geld kosten und nicht jede Minute Freizeit mit Konsum gefüllt sein. Gehen Sie zum Beispiel gemeinsam Kastanien und bunte Blätter sammeln oder suchen Sie Second-Hand-Läden in Ihrer Nähe. Gebrauchte Bücher und Spielsachen machen genauso viel Spaß, schonen Geldbeutel und Umwelt und Kinder lernen, dass diese Gegenstände noch immer einen Wert haben.

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