04. Mai 2022 | PRESSEMITTEILUNG

Zehntausende Kinder in Ostukraine in Lebensgefahr

SOS-Kinderdörfer: Lage verschlimmert sich mit jedem Kriegstag

Iwano-Frankiwsk - Zehntausende Kinder in der Ostukraine sind nach Einschätzung der SOS-Kinderdörfer in akuter Lebensgefahr. Serhii Lukashov, Leiter der Hilfsorganisation in der Ukraine, sagt: "Die Kinder sind vielfach bedroht: Zum einen durch direkte Beschüsse und Minen, zum anderen haben wir große Sorge, dass sie Opfer von Missbrauch, Entführung und Tötung werden können. Und bereits jetzt leiden sie massiv unter Hunger und Wassermangel."

Gezielte Angriffe auf die Wasser- und Stromversorgungsnetze haben laut Lukashov dazu geführt, dass 1,4 Millionen Menschen in der Ostukraine keinen Zugang zu sauberem Wasser mehr hätten. Gerade für kleine Kinder sei dies höchst bedrohlich und könne zu Durchfall und anderen Krankheiten führen, die unbehandelt schnell den Tod bedeuten können.

Wie viele Kinder sich noch in den umkämpften Gebieten in der Ostukraine befänden, könne man nicht genau sagen. "Wir haben keine verlässlichen Zahlen, die Situation ist chaotisch. Aber sicher ist, dass sich die Situation mit jedem Kriegstag verschlimmert. Und wir müssen damit rechnen, dass sich die Kämpfe in der Region weiter zuspitzen", sagt Lukashov.

Es seien vor allem die sehr armen Familien, die jetzt noch in der Ostukraine leben, sowie Familien, die sich um Kinder mit Behinderung oder betagte Angehörige kümmern. Dazu kämen Angehörige der Mittelschicht, die von der Dynamik der Angriffe überrascht worden seien. Lukashov sagt: "Die Wahl, die sie haben: zu bleiben und ihr Leben zu riskieren oder zu fliehen und ihr Leben zu riskieren."

Die SOS-Kinderdörfer unterstützen Kinder und Familien in der Ostukraine seit Jahrzehnten und setzen ihre Hilfe auch unter Kriegsbedingungen fort. Gemeinsam mit fünf Partnerorganisationen organisieren sie Rettungsketten, angefangen mit der Evakuierung der Menschen aus den umkämpften Gebieten über die Unterbringung in Notunterkünften bis hin zur Unterstützung der Binnenvertriebenen im Westen des Landes sowie Geflüchtete in den Nachbarländern. Dabei leistet die Hilfsorganisation vielfach auch psychologische Hilfe.

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