19. April 2022 | NEWS

DOK.fest Preis der SOS-Kinderdörfer weltweit für CHILDREN OF THE MIST

Beim DOK.fest München 2022 wird zum neunten Mal der mit 3.000 Euro dotierte DOK.fest Preis der SOS-Kinderdörfer weltweit verliehen: Ausgezeichnet wird CHILDREN OF THE MIST, der Debütfilm der Vietnamesin Diem Ha Le.

Sie erzählt darin von der 13-jährigen Di, der Tochter einer Hmong-Familie in Nordvietnam: Diese wächst heran mit Lippenstift, Selfies, Social Media – und der archaischen Tradition, dass Mädchen beim Neujahrsfest von Jungen geraubt werden. Auch wenn Kinderhochzeiten gesetzlich inzwischen verboten sind: Nach einem kurzen Flirt wird Di tatsächlich von einem Jungen gekidnappt. Keinesfalls will sie ihn heiraten, sie will weiter zur Schule gehen und wehrt sich buchstäblich mit Händen und Füßen – während die Familien der Kinder über die Hochzeit verhandeln.

Filmemacherin überzeugt durch Nähe zu Protagonistinnen

Filmemacherin Diem Ha Le stammt aus einer ethnischen Minderheit in Thailand und ging nach Hanoi, um Journalismus zu studieren. 2013 machte sie ihr Diplom. CHILDREN OF THE MIST ist ihr erster Dokumentarfilm. Er wurde mit einem Stipendium des Sundance Institute Documentary Film Program unterstützt. 2021 wurde Diem Ha Le dafür als Best Director Award auf der IDFA ausgezeichnet. Der Film ist beim DOK.fest München 2022 sowohl in den Kinos (4. bis 15. Mai) als auch auf der digitalen Leinwand (9. bis 22. Mai) zu sehen.

Die 13-jährige Di wächst in Vietnam auf - und wehrt sich dagegen, als ihre Familie sie gegen ihren Willen verheiraten will. Foto: Diem Ha Le

Die Jury schreibt in ihrer Begründung: "Mit großer Nähe zu den Protagonistinnen, viel Raum für erzählerische Zwischentöne und in jeder Hinsicht künstlerisch überzeugend gelingt der Regisseurin Diem Ha Le ein wichtiger Film mit hoher gesellschaftlicher Relevanz. Auch die Mädchen und Frauen in dieser entlegenen Region der Welt kämpfen für ihre Rechte und sind zerrissen zwischen Tradition und Selbstbestimmung. Die Regisseurin lebte einen längeren Zeitraum bei der Familie von Di und schafft eine seltene Intimität, dort, zwischen den Nebelwolken."

Zur Jury gehörten in diesem Jahr Sophie von Uslar (Produzentin, Geschäftsführerin von Hager Moss Film), Udo Bremer (Redakteur bei ZDF/3sat), Jutta Krug (Redakteurin beim WDR), Prof. Dr. Dr. h.c. Heribert Prantl (Journalist, Publizist, Buchautor und politischer Kommentator), Wolfram Kons (Journalist und Fernsehmoderator), Prof. Dr. Michaela Braun (Stellvertretende Vorsitzende des Aufsichtsrats und des Personalausschusses der SOS-Kinderdörfer weltweit) und Christine Kehrer (Leiterin TV/Video SOS-Kinderdörfer weltweit).

Radio-Interview mit Heribert Prantl - jetzt anhören:

Der DOK.fest Preis der SOS-Kinderdörfer weltweit wird gestiftet von B.O.A. Videofilmkunst und ist mit 3.000 Euro dotiert. Er schafft Aufmerksamkeit für Filme, die in besonderer Weise die Perspektive von Kindern und Jugendlichen sichtbar machen.

"Mit großer Nähe zu den Protagonistinnen, viel Raum für erzählerische Zwischentöne und in jeder Hinsicht künstlerisch überzeugend gelingt der Regisseurin Diem Ha Le ein wichtiger Film mit hoher gesellschaftlicher Relevanz." Foto: Diem Ha Le

"Mädchen sind besonders verletztlich und werden oft benachteiligt"

Di ist nur eines von vielen Mädchen, die weltweit benachteiligt werden. Dagegen setzen sich die SOS-Kinderdörfer ein. Foto: Diem Ha Le

Petra Horn, Vorstand der SOS-Kinderdörfer weltweit: "Mädchen sind besonders verletzlich und gelten oft nicht viel. Oft sind die Gründe dafür Armut und archaische Traditionen. In vielen Ländern auf dieser Erde werden Mädchen systematisch benachteiligt – sie dürfen zum Beispiel die Schule nicht besuchen, stattdessen müssen sie im Haushalt arbeiten. Und, obwohl ihn vielen Ländern verboten, werden sie häufig gegen ihren Willen verheiratet. Den SOS-Kinderdörfern sind seit jeher der Schutz und die Förderung von Mädchen eine Herzensangelegenheit. Wir unterstützen Mädchen wie die Protagonistin Di dabei, trotz widrigsten Bedingungen ihren eigenen, selbstbestimmten Weg zu gehen. Deshalb passt der Gewinnerfilm 2022 so wunderbar zu den SOS-Kinderdörfern!"

Daniel Sponsel, Leiter DOK.fest München: "Der DOK.fest Preis der SOS-Kinderdörfer weltweit lenkt seit vielen Jahren durch herausragende Filme Aufmerksamkeit auf Kinder, die unter schwierigen Bedingungen aufwachsen. So wie die Protagonistin Di, die mit 13 Jahren von einem Moment auf den anderen nicht mehr Kind sein darf, sondern als Frau um ihr Recht auf Selbstbestimmung kämpfen muss. Filmemacherin Diem Ha Le begleitet das Mädchen extrem nah, macht seine traumatische Erfahrung spürbar – und lässt im entscheidenden Moment die Distanz fallen, um Di in dem existenziellen Kampf um ihre Zukunft zu unterstützen. Dieser zutiefst menschliche Film bringt uns eine fremde Gesellschaft näher, in der noch mehr als in der unsrigen gilt: Kinder haben zu wenig Rechte."

Der Preis der SOS-Kinderdörfer weltweit wird bei der Preisverleihung des DOK.fest München am 14. Mai, 20 Uhr, im Deutschen Theater verliehen. Am 15. Mai um 18 Uhr lädt SOS-Kinderdörfer weltweit anlässlich der Preisstiftung zu einem Film-Screening ins Deutsche Theater ein.

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