27. Dezember 2018 | NEWS

Acht von zehn Kindern in Waisenheimen sind nicht elternlos

SOS warnt vor Gefahren für das Kindswohl von Heimkindern

80 Prozent der Jungen und Mädchen, die weltweit in Waisenheimen leben, sind gar keine Waisen. Betroffen sind nach Angaben der SOS-Kinderdörfer etwa 6,4 Millionen Kinder.

"Acht von zehn Kindern in Waisenheimen sind nicht elternlos", warnen die SOS-Kinderdörfer Foto: Christian Lesske

"Diese Kinder wachsen in Institutionen auf, die häufig sehr mangelhaft sind", kritisiert Louay Yassin, Pressesprecher der SOS-Kinderdörfer weltweit. Das Leben in solchen Einrichtungen schade der körperlichen und seelischen Entwicklung der Kinder und setze sie vielen Gefahren aus.

"Oft haben die Kinder noch Eltern, die sie aber ins Heim geben, weil sie arm sind oder überfordert und auf ein besseres Leben für die Kinder hoffen. So werden diese Kinder ihres Rechts beraubt, bei ihren Eltern aufzuwachsen. Dabei könnten sie mit professioneller Unterstützung bei ihren Familien oder in Pflegefamilien aufwachsen", so Yassin weiter.

Waisenhäuser als Einnahmequelle

Vor allem in armen Ländern gäbe es private Waisenhäuser oft nur deshalb, weil sich mit Spendeneinnahmen gutes Geld verdienen lasse. So sei nach dem Erdbeben in Haiti die Zahl der Waisenhäuser um 150 Prozent gestiegen. Die Einnahmen schätzen die SOS-Kinderdörfer auf rund 90 Millionen Euro. Teilweise würden Kinder regelrecht angeworben. "Die Eltern schicken ihre Kinder in dem Glauben ins Heim, dass es ihre einzige Chance auf Nahrung und Bildung sei", sagt Yassin. "Dabei hat das Leben dort katastrophale Folgen für die körperliche und seelische Gesundheit der Kinder."

Kinder, die in Institutionen aufwüchsen, seien vielfältig benachteiligt, ihre körperliche, soziale und kognitive Entwicklung verzögert. Zudem lebten sie mit einem mehr als vierfach höheren Missbrauchs-Risiko als Kinder, die in Familien groß werden.

Wenn Familien Unterstützung bekommen, können Kinder häufig auch in scheinbar ausweglosen Situationen bei ihren Eltern bleiben. Diese Mutter wird durch die SOS-Familienhilfe in Guinea-Bissau unterstützt. Foto: Claire Ladavicius

Alternative: so familiennah wie möglich!

"Statt Waisenheime zu unterstützen, müssen wir dafür Sorge tragen, dass Familien erst gar nicht auseinanderbrechen. Parallel dazu braucht es ein stabiles Netzwerk aus Pflegefamilien und kleinere Einrichtungen für Jungen und Mädchen, die eine besondere Betreuung brauchen. Der Anspruch muss sein: so familiennah wie möglich!"

Die SOS-Kinderdörfer setzten sich seit 70 Jahren dafür ein, dass Kinder in Familien aufwachsen und ihre individuellen Bedürfnisse berücksichtigt werden.

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