Ambias Snackshop
Wie eine Mutter aus Bangladesch ihre Familie stärkt
Tee, Kekse, Chips, Linsen und mehr: In ihrem kleinen Laden mitten in einem Dorf in Bangladesch verkauft Ambia alles, was die Menschen im Alltag brauchen. Für die Dorfgemeinde ist ihr Snackshop ein beliebter Treffpunkt – für Ambia bedeutet er Sicherheit und Zukunft für ihre Familie.
Allein gelassen – und trotzdem nie den Mut verloren
Als ihr Mann die Familie verließ und neu heiratete, stand Ambia plötzlich alleine da – mit zwei kleinen Söhnen, ohne Einkommen. Sie lebte in einem Haus aus Bambus, oft fehlte das Geld für Essen und Kleidung, die Sorge um die Zukunft ihrer Kinder war groß.
“Bevor wir Unterstützung von den SOS-Kinderdörfern erhielten, mussten wir betteln. Es war hart. Wir hatten nicht einmal das Geld, die Kinder zur Schule zu schicken”, erinnert sich Ambia.
Doch aufgeben war für die alleinerziehende Mutter keine Option.
Ein Laden, der die ganze Familie stärkt
Anfangs war ihr Verkaufsstand winzig. Dann erhielt sie im Rahmen des Familienstärkungsprogramms der SOS-Kinderdörfer Unterstützung: Waren, Teekannen, Tassen, Thermoskannen und Trainings. Der Shop wuchs, das Sortiment ebenso.
Heute ist Ambias Snackshop der einzige in der ländlichen Umgebung. Menschen kommen von nah und fern, trinken Tee, kaufen Kekse oder Chips und spielen Carrom, ein Brettspiel. Der Laden ist inzwischen ein beliebter Treffpunkt im Dorf – und Ambias wichtigste Einkommensquelle.
"Vom Laden kommen täglich 400-500 Taka* Umsatz. Der kleine Gewinn reicht, um meine Söhne zu versorgen."
Schritt für Schritt in die Selbstständigkeit
Ambia erhielt auch eine Kuh von den SOS-Kinderdörfern, die später ein Kalb bekam. Den Erlös vom Verkauf der Mutterkuh investierte sie in ein kleines Stückchen Land neben ihrem Haus. Sie baut nun Auberginen, Chilis, Bittergurken und Kürbisse an – alles organisch, gedüngt mit Kuhdung.
“Wenn es schwierig wird, kann ich einfach etwas ernten und kochen. Ich muss niemanden mehr um Essen bitten.”
Zusätzlich hält sie Hühner, spart kleine Beträge – ein Sicherheitspolster für die Zukunft. “Ich spare etwas. Vielleicht hilft es mir, falls mich meine Söhne später nicht unterstützen können.”
Eine Zukunft – mit Vision
Ambias Söhne gehen inzwischen zur Schule und zum College, helfen nach dem Unterricht im Laden und übernehmen Verantwortung. Einer von ihnen will Elektriker werden, die SOS-Kinderdörfer ermöglichen ihm diese Ausbildung.
Die SOS-Kinderdörfer geben Ambia und anderen Müttern Vertrauen in sich selbst, Wissen und Halt. „Diese Stärke hatte ich früher nicht. Die SOS-Kinderdörfer haben mir den Mut gegeben, für meine Kinder zu kämpfen, ihnen Bildung und Perspektiven zu ermöglichen.“
In Trainings lernt sie alles über die Themen Sparen, Hygiene, nachhaltige Landwirtschaft und Kindererziehung – und gibt ihre Erfahrungen an andere Mütter im Dorf weiter.
Ambias Laden ist klein, doch das, was sie sich aufgebaut hat, hat große Wirkung – für ihre Familie und als Vorbild für andere Mütter im Dorf. Und ihre Geschichte zeigt: Auch wer im Kleinen anfängt, kann Eigenständigkeit gewinnen und die Zukunft selbst gestalten.
* Umgerechnet sind 300-400 Taka rund 2-3 Euro.