Familien zum Handeln befähigen

Die Corona-Krise trifft viele Familien in Südasien hart. Mit Soforthilfe, aber auch langfristiger Unterstützung, helfen die SOS-Kinderdörfer dort Kindern in Not und ihren Eltern.

Große Solidarität: Zu Beginn des Lockdowns begannen Mütter im SOS-Kinderdorf Rajshai in Bangladesch sofort damit, Lebensmittel an Familien in der Nachbarschaft zu verteilen. Foto: Pearl Sandhu
Moushami und ihre Familie sind von den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie stark betroffen. Foto: Pearl Sandhu

Covid wirft die Familien zurück

Moushami (14) aus Bangladesch berichtet: “Wir waren immer arm im Vergleich zu anderen im Dorf. Aber wir mussten uns nie wirklich Sorgen ums Essen machen. Wegen Covid musste mein Vater seinen kleinen Straßenimbiss schließen - nun verdient er als Tagelöhner weniger als 20 Dollar pro Woche und wir sind fünf Leute in der Familie, die etwas zu essen brauchen”, berichtet das Mädchen. ​​Doch neben den Sorgen ums Überleben fürchten die Kinder auch um ihre Schulbildung: "Unsere Schule wurde geschlossen. Wie soll ich all das aufholen, wenn der Unterricht weitergeht?", fragt sie. 

Soforthilfe, die das Überleben sichert

Moushami und ihre Geschwister werden durch die Familienhilfe der SOS-Kinderdörfer unterstützt. An sechs Standorten in Bangladesch erhalten rund 3.000 Familien regelmäßig Pakete mit Grundnahrungsmitteln wie Reis, Linsen, Öl, Zwiebeln, Kartoffeln oder Zucker sowie Eier und hochkalorische Nahrung speziell für Kinder, um Mangelernährung vorzubeugen. Zusätzlich bekommen die Eltern finanzielle Unterstützung für die Schulgebühren ihrer Kinder. Rund 360 Kinder und Jugendliche erhalten zusätzlich Geräte, damit sie an digitalen Lernangeboten teilnehmen können.

Wirtschaftliches Standbein aufbauen: Beispiel Indien

In Indien unterstützt die SOS-Familienhilfe an 39 Standorten rund 35.000 Menschen. Neben Soforthilfe durch Lebensmittel oder Hygieneartikel führen die Mitarbeiter der SOS-Kinderdörfer auch ihre langfristig angelegte Hilfe weiter, auch wenn das durch die Kontaktbeschränkungen erschwert ist. Wie zum Beispiel im indischen Faridabad, wo rund 500 Familien begleitet werden, die in den Slums der Millionenstadt leben. Die Auswirkungen der Corona-Pandemie treffen auch hier die Familien mit voller Wucht. Durch den Lockdown verloren viele Väter ihre Arbeit: Fabriken wurden geschlossen, kleine Läden mussten dichtmachen, Dienstleistungen sind untersagt. Ohne Absicherung oder staatliche Unterstützung stehen unzählige Familien plötzlich ohne Einkommen da.

Familien zum Handeln befähigen

In der Gemeinschaft der SOS-Familienhilfe unterstützen sich Mütter gegenseitig und sind "gemeinsam stark".

"Alle Familien, denen wir helfen, sich ein Einkommen aufzubauen, z.B. durch den Aufbau eines kleinen Ladens,  durch Tierhaltung oder durch Arbeitsmittel wie Werkzeug, sind in kleinen Selbsthilfegruppen zusammengeschlossen", berichtet Rajesh Singh, Leiter der SOS-Familienhilfe in Anangpur (Faridabad). "In diesen Gruppen entwickeln die Frauen ungeahnte Stärken. So haben sie beispielweise geschafft, gemeinschaftlich für jede Familie einen öffentlichen Unterstützungskredit zu bekommen, der ihnen bei der Überbrückung der Krise hilft. Andere haben sich um einen Nachhilfelehrer gekümmert, der die Familien im Lockdown zu Hause besucht damit die Kinder den Anschluss nicht verpassen. Der Lehrer wird von uns finanziert, aber den Rest nehmen die Mütter selbst in die Hand. Unser Ziel für das kommende Jahr ist es, die Frauen noch stärker dabei zu unterstützen, sich ein berufliches Standbein in Krisenzeiten aufzubauen."

Gemeinsam die Krise bewältigen

Suman (28) aus Faridabad baute sich mit Unterstützung der SOS-Familienhilfe einen kleinen Gewürzhandel auf, mit dem sie zum Familienunterhalt beiträgt. Als ihr Mann wegen der Corona-Krise monatelang kein Gehalt mehr bekommt, hilft Sumans Einkommen – und die Gemeinschaft der SOS-Familienhilfe. Die junge Frau lernt zusätzlich Nähen und produziert Masken. "Im Moment hat mein Mann wieder einen Job, er arbeitet viel, um die Verluste auszugleichen. In unserer SOS-Selbsthilfegruppe wollen wir nun gemeinsam Spargeldreserven aufstocken, um in Krisenzeiten besser gewappnet zu sein."

 

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