Malele spielt wieder
Für Lakow und seinen Sohn ging es um Leben und Tod, als sie sich auf den langen Wüstenmarsch zur Klinik der SOS-Kinderdörfer in Mogadischu aufgemacht haben: Dort werden akut unterernährte Kinder behandelt und auch erschöpfte Eltern unterstützt – kostenlos.
Die Sonne über Banyalla kennt kein Erbarmen. Jeden Tag brennt sie auf das staubige Dorf, in dem Lakow Adan lebt – ein Mann mittleren Alters, Vater von acht Kindern. Das Leben in Banyalla ist für Lakow schon schwer genug. Nach einer Bombenexplosion ist er fast bewegungsunfähig. Trotzdem sammelt er mit seiner Eselskarre Brennholz und verkauft es, oft fern von zuhause. Zehn Dollar bringt eine Fuhre. Viel ist das nicht, oft hungert die Familie.
Auch sonst ist das Leben von Lakows Familie nicht leicht: Kein Gesundheitszentrum, keine Schule, knappe Wasservorräte: Brunnen versiegen in langen Dürreperioden, und wer noch Wasser hat, kann kaum das Überleben der anderen sichern. Dann erkrankt Lakows vierjähriger Sohn Malele*.
Der Kampf eines Vaters
Dreißig Tage leidet der Junge: Fieber, Schwellungen, kein Appetit. Lakow greift zu traditionellen Mitteln, doch Malele wird schwächer. Am Ende bleibt nur ein Ausweg: der lange Marsch nach Baidoa, zur Klinik der SOS-Kinderdörfer. Als die Eselskarre versagt, trägt Lakow sein Kind vier Stunden durch die sengende Hitze. Die hochschwangere Mutter bleibt zurück.
"Jeder Schritt erschien mir wie eine Ewigkeit. Ich konnte nur an mein Kind denken."
Es ist eine Odyssee – er kennt den Weg zum Krankenhaus nicht, fragt sich durch, den immer schwächer werdenden Malele auf dem Rücken. Dann kommt er endlich an.
Die Ärzte handeln rasch. Malele kommt in die Notaufnahme, ins Stabilisierungszentrum. Dort werden Kinder mit akuter Unterernährung medizinisch betreut. Die Pfleger:innen kümmern sich auch um den erschöpften Lakow, geben ihm Wasser, machen ihm Mut.
Nach einigen Stunden bessert sich Maleles Zustand. "Er schlug die Augen auf und lächelte", erinnert sich Lakow. Ein paar Tage später wird Malele in das ambulante Ernährungsprogramm aufgenommen. Er erhält Spezialnahrung, die ihn weiter stabilisiert.
Freude im harten Alltag
Auf dem Rückweg ins Dorf sind beide gestärkt. Als Malele sein Zuhause sieht, rennt er los – so kräftig sind seine Beine geworden. Seine Mutter nimmt ihn in die Arme und lässt ihn lange nicht mehr los. Es ist einer der seltenen Augenblicke in Banyalla, in denen Freude den harten Alltag verdrängt.
„Ohne die SOS-Kinderdörfer wäre mein Sohn nicht hier“, sagt Lakow. „Ich habe viele Kinder in der Klinik gesehen, die schwer krank waren. Jetzt spielen sie wieder.“
Maleles Geschichte ist kein Einzelfall: Laut Schätzungen sind im Jahr 2025 rund 1,85 Millionen Kinder in Somalia von Unterernährung bedroht.
In dieser anhaltenden Krise bieten die SOS‑Kinderdörfer kostenlose medizinische Versorgung – und sorgen dafür, dass Kinder wie Malele rechtzeitig behandelt werden.
*Name zum Schutz des Kindes geändert.