„Wir können wieder träumen“

Am staubigen Rand von Baidoa holen sich Kinder still und leise zurück, was ihnen die Krise genommen hat: die Chance zu lernen, zu wachsen und wieder zu hoffen.

„Vor diesem Projekt hatte ich die Schule aufgegeben“, erinnert sich Abdifatah. „Meine Familie konnte sie sich nicht leisten.“ Während er erzählt, wischt er selbstbewusst mit dem Finger über den Tablet-Bildschirm, um die nächste Seite aufzurufen. Der 14-Jährige sitzt in einem Klassenzimmer der Wadajir-Schule in Baidoa im Südwesten Somalias und darf lernen. Zum ersten Mal in seinem Leben hat er Zugang zu Tablets, Internet und strukturiertem digitalen Unterricht.

Auf der anderen Seite der Stadt sitzt ein Mädchen ebenfalls vor einem Tablet. Hawo, 12, geht in die sechste Klasse und lernt mit einer App Englisch und Arabisch. „Ich bin im Lesen, Hören und Sprechen viel besser geworden“, erzählt sie, „und ich fühle mich selbstbewusster und motivierter im Unterricht. Früher wusste ich nicht mal, wie man ein Tablet anschaltet. Nachdem ich dem Akelius-Programm beigetreten bin, hat sich alles verändert.“

Gemeinsam mit der Akelius-Stiftung schaffen die SOS-Kinderdörfer in Somalia Räume, um zu lernen und zu wachsen. Kinder erhalten eine Perspektive, um sich ein besseres Leben aufbauen zu können – denn diese fehlte bisher.

Da Spielen und Bildung immer mehr digital stattfinden, unterstützen wir Bildungsprojekte für Kinder und Jugendliche wie Abdifatah, um ihnen den Zugang zur digitalen Welt zu ermöglichen. Foto: SOS-Kinderdörfer Somalia

Hawo und Abdifatah kommen aus unterschiedlichen Regionen, aber teilen ein ähnliches Schicksal. Ihre Familien lebten in ländlichen Regionen Somalias von Landwirtschaft und Viehzucht. Die anhaltende Dürre zwang ihre wie auch viele andere Familien zur Flucht. „Wir haben unser Ackerland und alle unsere Tiere verloren, unsere einzige Einnahmequelle“, erinnert sich Abdifatah. „Als sie weg waren, mussten wir alles zurücklassen.“ Aufgrund der maroden Infrastruktur des Staats, militärischer Konflikte und Dürrekatastrophen ist ein Großteil der Somalier:innen auf humanitäre Hilfe angewiesen. Es gibt mehr als eine Million intern vertriebene Menschen, und über die Hälfte der Bevölkerung lebt in Armut.

So leben auch Hawo und Abdifatah mit ihren Familien in Siedlungen für Binnenflüchtlinge am Rand von Baidoa. In die provisorischen Unterkünfte aus Plastikplanen und Holzstangen dringen Regen und Kälte ein. Während verschiedene Programme zwar sauberes Wasser und medizinische Versorgung stellten, blieben Bildung und digitale Hilfsmittel in weiter Ferne – bis die Kinder an den Lernkursen eingeschrieben wurden.

„Ich glaube, dass Bildung mir eine bessere Zukunft ermöglichen kann.“

Hawo (12)

„Ich möchte den SOS-Kinderdörfern und der Akelius-Stiftung danken“, sagt Abdifatah. „Ihr habt mir eine Chance gegeben, die ich in einem Flüchtlingslager nie für möglich gehalten hätte.“ Er möchte Lehrer werden, Hawo Ärztin – und ein Vorbild für Mädchen in ihrer Gemeinde. „Ihre Unterstützung hat uns selbstbewusster gemacht“, sagt sie. „Sie haben uns unsere Hoffnung zurückgegeben. Ich möchte das Gelernte nutzen, um anderen zu helfen.“

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