"Wer pilgert, reist auch zu sich selbst!"

Ralf und Katharina Marpert gehen auf dem Schweizer Jakobsweg und unterstützen dabei ukrainische Kinder und Familien

Los geht's! Ein Rucksack, gute Schuhe und ganz viel gute Laune. Dazu eine 13-jährige Tochter, die bereit ist, die Strapazen von 375 km Fußweg auf sich zu nehmen. So startete die Pilgertour von Ralf und Katharina Marpert im März dieses Jahres von Konstanz nach Lausanne. Auf ihrem Weg sammelten sie nicht nur viele neue Erfahrungen, sondern auch knapp 7.500 Euro Spenden für die Kinder und Familien im Krisengebiet der Ukraine, die von der Familie Marpert auf fast 15.000 Euro verdoppelt wurden.

Am Etappenziel Benediktinerkloster Fischingen in der Schweiz. Foto: Privat

Vier Wochen Sonderurlaub waren der Auslöser für diese wunderbare Reise. Ralf Marpert hätte sie auch anders nutzen können, schließlich hat er vier eigene Kinder und Ehefrau. Auf einer Hängematte im Süden oder bei einem All-inklusive-Urlaub wäre die Zeit sicherlich wie im Fluge vergangen. Aber das passt nicht zu Ralf Marpert. Er möchte seine Zeit sinnvoll nutzen. Wenn dabei anderen geholfen werden kann, insbesondere Kindern, dann ist es für ihn genau richtig.

Gut gegangen sei es ihm während seiner Pilgerreise, sehr gut sogar.  Ein Abenteuer, welches Spuren bei ihm hinterlassen hat. "Erfüllt und beseelt", seien sie wieder nach Hause gekehrt, voll von Eindrücken und neuen Erfahrungen. Denn die Reise war eine lange Reihe von Begegnungen mit Menschen und der Natur. Etwas, was wir uns in der heutigen Zeit von Medien und Schnelllebigkeit viel zu selten gönnen.

Rast und eine Brotzeit entlang der Straße. Foto: Privat

Ganz nebenbei sammelten sie für jeden gelaufenen Kilometer über eine Online-Spendenaktion Geld, um die Arbeit der SOS-Kinderdörfer in der Ukraine zu unterstützen. "Wir möchten mit unserer Pilgerreise das Leid dieser Kinder lindern", betont er seine Motivation für diese Aktion. 2007 hatte er in Kalkutta in Indien selbst unmittelbar erfahren können, wie gut die Kinder in den SOS-Kinderdörfern betreut werden und dort ein Zuhause finden dürfen.

Fremde sind Freunde, die man noch nicht kennt

18 Tage lang reisten Vater und die älteste Tochter quer durch die Schweiz. Als Ausgang wählte Marpert seinen Studienort Konstanz. Von dort aus ging es über viele kleine Etappen nach Lausanne. Alles zu Fuß. Dabei lernten sie sich selbst besser kennen, aber auch viele neue Begegnungen bereicherten ihr Leben. "Der Tag hat eine ganz eigene Routine mit Wetterbeobachtung, Taschen packen, Kleidung wählen, Essen organisieren, Weg finden, Unterkunft für den Folgetag anfragen und vieles mehr", erzählt er rückblickend. Es ist kein leichter Weg, der Bergpfad durch die Schweiz. Die körperliche Anstrengung sorgt dafür, dass man abends gut schlafen kann.

Besonders beeindruckt haben die zwei, wie viele freundliche Menschen ihnen auf dem Weg begegnet sind. "Ich kann mich nicht erinnern, schon einmal so eine lange Phase von Harmonie rund um die Uhr vernommen zu haben. Es war, als hätte man mit Pilgerstab und Rucksack eine Freundlichkeitsaura um sich herum geschaffen", erinnert sich der Unterstützer. Ganz dem Spruch "Fremde sind Freunde, die man noch nicht kennt" wurden sie ungefragt zum Kaffee oder sogar zu Übernachtungen eingeladen. "Am coolsten war das Abenteuer insgesamt und vor allem der überraschende Tag im tiefen Schnee mit der coolen Winterlandschaft mitten im März. Das haben wir im Münsterland nicht so oft", merkte die Tochter Katharina an.

Bei unerwartetem Schnee führt der Abstieg durch eine traumhafte Winterlandschaft nach Brienzwiler. Foto: Privat

Ein Pilgerweg voller neuer Erkenntnisse

Die Reise hat sich für Ralf und Katharina Marpert in jeglicher Hinsicht gelohnt. So viele neue Begegnungen, aber auch so viele neue Erkenntnisse bringen sie mit. Die Schweiz behält er als wahres Wanderparadies in Erinnerung. Die Landschaft ist atemberaubend, die Wege gut ausgeschildert und der Umgang in den Pilgerherbergen sehr herzlich und familiär. Und auch über sich selbst haben sie viel gelernt. Nämlich, dass der Körper viel mehr zu leisten im Stande ist, als man ihm gewöhnlich zutraut. "Verglichen mit den Hüttentouren, die ich kannte, war nach fünf Tagen nicht Schluss und der Rucksack deutlich schwerer," galt seine Skepsis zu Beginn der Reise. Doch die war unbegründet. "Ich war schon beeindruckt, was man so schaffen kann, wenn man sich was vornimmt", resümiert Marpert seine neue Erfahrung. Im Nachhinein ist er sich sogar sicher, dass sie die Tour noch wochenlang laufen könnten, sofern die Tagesetappe 25 km nicht überschreitet.

Wegweiser entlang der Pilgerroute am Vierwaldstätter See. Foto: Privat

Um Familie, Freunde, Kollegen und Unterstützer ein Stück mit auf die Reise zu nehmen, bloggte Ralf Marpert regelmäßig ein Reisetagebuch, teilte Eindrücke und Fotos und rief auf seiner Webseite auch zur Unterstützung für sein Spendenprojekt auf. Mit den Kilometern wuchsen auch die Eingänge auf der digitalen Spendenplattform, fast 80 Spenderinnen und Spender haben die Aktion unterstützt. "Das hat uns zusätzlich sehr motiviert", gibt Marpert zu, "wir haben uns sehr über jede einzelne Spende und die ermunternden Kommentare und das große Interesse an unserer Pilgerreise sehr gefreut."

Am Ziel! Nach 375 km Fußweg sind Ralf und Katharina Marpert an der Kathedrale Notre Dame in Lausanne angekommen. Foto: Privat

48 Stempel und ein großartiger Spendenbetrag

48 Pilgerstempel erinnern an eine unvergessliche Reise, die durch die gesammelten Spendengelder auch anderen zugute kommt. Die Spende wurde von Ralf Marpert verdoppelt - auch als Dank an alle, die diese Reise ermöglicht haben: Sein Arbeitgeber, seine Familie und alle Spender der Aktion.

Weitere Impressionen von der Pilgerreise

Wir sagen herzlichen Dank an alle Beteiligten auch unsererseits und ganz besonders Ralf und Katharina Marpert für ihren Einsatz und ihre großartige Aktion!

Text: Sofia Delgado

 

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