19. Februar 2026 |  PRESSEMITTEILUNG

4. Jahrestag Ukraine: Psychische Gesundheit einer ganzen Generation bedroht

Kinder brauchen professionelle und nachhaltige Hilfe

Kyjiw - Die psychischen Belastungen für Kinder in der Ukraine werden immer dramatischer – mit gravierenden Auswirkungen für die Betroffenen und darüber hinaus für die gesamte ukrainische Gesellschaft. Darauf weisen die SOS-Kinderdörfer zum vierten Jahrestag des vollumfänglichen Krieges hin. Serhii Lukashov, Leiter der Hilfsorganisation in der Ukraine, sagt: "Was wir erleben, ist eine langfristige Krise, die die Zukunft einer ganzen Generation bedroht."

Laut UN-Bericht zeigen 40 Prozent der Kinder Anzeichen von Angst, Depressionen oder posttraumatischen Belastungsstörungen. Besonders betroffen sind laut Lukashov Familien an der Front, Kinder mit Behinderungen sowie Kinder und Familien, die bereits vor dem Krieg emotional, wirtschaftlich und sozial benachteiligt waren. Lukashov, der selbst Psychologe ist, sagt: "Zu Beginn des Krieges ging es darum, die Kinder dabei zu unterstützen, den Schock zu verarbeiten. Über diese erste Phase der Krisenbewältigung sind wir lange hinaus. Die Kinder sind inzwischen sehr erschöpft. Viele leben seit Jahren in einem Kontext ständiger Unsicherheit und Angst. Und der kumulative Effekt von wiederholter Vertreibung, unterbrochener Schulbildung und begrenztem Zugang zu Spiel und Sozialisierung ist tiefgreifend. Die Kinder werden von normalen Kindheitserfahrungen ausgeschlossen mit langfristigen Risiken für ihre Entwicklung und den sozialen Zusammenhalt in unserer Gesellschaft. Dazu kommt, dass auch Eltern, Betreuer und Fachleute am Rande ihrer Kräfte sind."

Nach Kriegsende werden professionelle und nachhaltige Interventionen für die Kinder noch wichtiger

Lukashov prognostiziert, dass sich die Lage weiter zuspitzen wird, wenn der Krieg nicht bald ein Ende findet. Der Bedarf an Unterstützung übersteige das Angebot an Hilfe schon jetzt bei weitem und viele Kinder bräuchten langfristige Begleitung. "Das ist keine theoretische Sorge. Unsere Teams erleben dies ganz real in der täglichen Arbeit. Die Hilfe für die Kinder erfordert sensible, professionelle und nachhaltige Interventionen." Nach Kriegsende werde das noch wichtiger werden. "Heilung, Wiederaufbau und Wiederherstellung von Chancen müssen miteinander einhergehen", sagt Lukashov.

 

Wie die SOS-Kinderdörfer helfen

Die SOS-Kinderdörfer unterstützen Kinder und Familien in der Ukraine vielfältig, unter anderem mit Hilfsgütern, Beratung und psychologischer Hilfe. In über 120 Kinderschutzzentren können Kinder spielen und lernen, über 185.000 Kinder und Eltern wurden bislang psychologisch betreut. Mobile Teams unterstützen die Menschen in abgelegenen oder umkämpften Regionen. 

 

Interviewangebot

Sehr geehrte Redakteur:innen: 

Es besteht die Möglichkeit zu einem Interview mit Serhii Lukashov, Psychologe und Leiter der SOS-Kinderdörfer in der Ukraine. Bei Interesse melden Sie sich bitte bei