07. Mai 2021 | PRESSEMITTEILUNG

SOS-Kinderdörfer sagen Verfehlungen in ihrer Organisation Kampf an - zum Schutz des Kindeswohls

Die SOS-Kinderdörfer bestätigen weltweite Verfehlungen und drücken tiefstes Bedauern aus. Der internationale Senat beauftragt unabhängige Kommission zur Aufarbeitung und beschließt zusätzliche umfassende Maßnahmen, um Opfer zu unterstützen.

Die SOS-Kinderdörfer haben wesentliche Unterstützer und amtliche Stellen darüber informiert, dass die Organisation eine unabhängige Kommission eingerichtet hat, um vergangene und aktuelle Verfehlungen innerhalb der SOS-Kinderdörfer aufzuspüren und aufzuarbeiten. Bei diesen Verfehlungen geht es um Fälle von Kindesmissbrauch, Gewalt gegen Kinder, aber auch Untreue und Korruption.

Schon jetzt steht fest, dass in der Vergangenheit die genannten Verfehlungen nicht nachhaltig genug verfolgt worden sind. Die SOS-Kinderdörfer gestehen ein, dass in verschiedenen Fällen weder betroffenen Kindern noch Zeugen noch Whistleblowern von den zuständigen Führungsgremien der notwendige Glaube geschenkt wurde. Dringend erforderliche Maßnahmen wurden nur unzureichend umgesetzt oder gar unterlassen. Ganz klar: Jede Verfehlung ist eine zu viel, wenngleich die meisten Fälle von Verfehlungen ernsthaft und konsequent aufgearbeitet worden sind und die richtigen Maßnahmen umgesetzt worden sind. Auslöser der nun eingeleiteten Maßnahmen sind externe Untersuchungen, die die SOS-Kinderdörfer in Auftrag gegeben haben und die Fälle von systematischen Versäumnissen und Machtmissbrauch dokumentieren.

Die SOS-Kinderdörfer bitten die Opfer um Entschuldigung

Die SOS-Kinderdörfer sind zutiefst bestürzt und entschlossen, alle notwendigen Veränderungen in Angriff zu nehmen. "Die Sicherheit und das Wohlergehen von Kindern und Jugendlichen zu gewährleisten, sind der Grund, warum es uns gibt. Wir sind zutiefst bestürzt, dass es innerhalb der Organisation Fälle gegeben hat, in denen wir einige unser Versprechen, für die Sicherheit der Kinder zu sorgen, nicht eingelöst haben. Im Namen der Organisation bitte ich die Opfer von ganzem Herzen um Entschuldigung. Es gab Fälle, in denen wir falsch gehandelt haben, in denen wir nicht ausreichend gegen die Täter vorgegangen sind, in denen unsere nationalen und internationalen Führungskräfte nicht auf die Kinder oder unsere eigenen Mitarbeiter gehört haben. Ich bitte dafür um Entschuldigung, dass wir unseren eigenen Ansprüchen damit nicht gerecht geworden sind. Kinder und junge Menschen brauchen Erwachsene, denen sie vertrauen können. Ich bedauere sehr, dass es Situationen gegeben hat, in denen wir dieses Vertrauen gebrochen haben", sagt Ingrid Johansen, CEO SOS-Kinderdorf International.

"Wir werden die Verfehlungen der Vergangenheit umfassend aufarbeiten und die richtigen Konsequenzen ziehen. Um dem Vertrauen, das unsere Kinder und Jugendlichen in uns setzen, wieder in allen Belangen gerecht zu werden", ergänzt Wilfried Vyslozil, CEO der SOS-Kinderdörfer Deutschland.

Unabhängige Kommission wird eingesetzt

Die SOS-Kinderdörfer werden noch in diesem Monat eine unabhängige Kommission einsetzen. Sie wird unter anderem untersuchen, wie es zu dem Fehlverhalten in einigen Dörfern kommen konnte, während in den allermeisten Fällen die Richtlinien und Prozesse der Organisation angemessen durchgesetzt und wichtige Veränderungen erreicht wurden. Damit soll auch sichergestellt werden, dass die Verantwortlichen für die Verfehlungen in der Vergangenheit schonungslos zur Verantwortung gezogen werden. Die Kommission wird unter der Leitung eines externen und erfahrenen Vorsitzenden stehen. Die Namen der Mitglieder der Unabhängigen Kommission, ihr Mandat und die Berichtswege werden in Kürze auf der internationalen Website der SOS-Kinderdörfer veröffentlicht.

Ombudspersonen benannt

Der internationale Senat von SOS-Kinderdorf International hat darüber hinaus beschlossen, das in Österreich und Deutschland bereits bestehende Ombudsmann-System zügig weltweit zu etablieren, um die Rechte von Kindern, Jugendlichen und anderen Betroffenen zu vertreten. Aufbauend auf den bisherigen guten Erfahrungen werden die Ombudspersonen die Opfer und alle, die eine Lösung für ihre Anliegen suchen, unterstützen. Die Aufgabenbereiche der Ombudspersonen werden auf der Website von SOS-Kinderdorf International veröffentlicht.

Unterstützung für betroffene Kinder, Jugendliche und Erwachsene

Um die von Missbrauch betroffenen Kinder, Jugendlichen und anderen Personen in den Programmen der SOS-Kinderdörfer weltweit direkt und individuell zu unterstützen, wurden umfassende finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt. Damit soll die Genesung und Erholung der Betroffenen ebenso sichergestellt werden wie ein reibungsloser Eintritt in das Erwachsenenleben. Dies umfasst medizinische, psychische, psychosoziale und rechtliche Hilfe sowie Unterstützung zur Verbesserung ihrer individuellen Lebenssituation.

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