Rassismus einfach erklärt

Was ist Rassismus?

Rassismus ist eine Ideologie der Ungleichheit. Durch Rassismus werden Menschen wegen verschiedener Merkmale diskriminiert, z. B. wegen ihrer Herkunft, Hautfarbe, Namen oder Sprache. Sie werden abgewertet, benachteiligt und ausgegrenzt.

Rassismus verletzt alle Menschenrechte. Dazu gehören bürgerliche, politische, wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte.

Rassismus begegnet uns manchmal offen, manchmal versteckt – in der Schule, am Arbeitsplatz oder im Alltag.

 

Ursprung von Rassismus

Alle Menschen sind gleich viel wert und haben die gleichen Rechte. Rassismus geht dagegen davon aus, dass Menschen in sogenannte „Rassen“ mit genetisch bedingten Merkmalen eingeteilt werden können. In der Kolonialzeit wurde aus diesen Unterschieden eine Hierarchie von „höheren“ und „niederen Rassen“ konstruiert. Diese Verwendung des Begriffs der „Rasse“ ist wissenschaftlich falsch und hat keine Grundlage. Dennoch wurden und werden solche Konstruktionen genutzt, um bestimmten Gruppen willkürlich negative Merkmale zuzuschreiben und sie zu diskriminieren. Rassismus ist eine Ideologie, die ungerechte Machtverhältnisse rechtfertigen soll.

 

Formen von Rassismus

Anti-Schwarzer Rassismus

Anti-Schwarzer Rassismus hat seine Wurzeln in der Kolonialzeit. Er ist eine Erfindung, die die koloniale Besetzung Afrikas rechtfertigte. In den Kolonien wurden so Genozide, Versklavung, Vergewaltigung, Ausbeutung und Unterdrückung verübt.

Antisemitismus

Antisemitismus ist die Diskriminierung und Feindseligkeit gegen jüdische Menschen. Religiös begründeter Judenhass existiert seit der Spätantike und dem Mittelalter. Im 19. und 20. Jahrhundert entstand dann ein rassistischer Antisemitismus, der Jüdinnen und Juden aufgrund ihrer angeblichen „Rasse“ entmenschlichte. Im Nationalsozialismus führte dies zum Holocaust, der systematischen Ermordung der europäischen Juden.

Antimuslimische Diskriminierung & Rassismus

Antimuslimische Diskriminierung bedeutet, dass Menschen, die muslimisch sind oder so wahrgenommen werden, unfair behandelt werden. Dazu gehören Vorurteile, negative Stereotypen und Feindseligkeit. Diese Diskriminierung kann auch Eigentum, Gemeinschaften oder religiöse Einrichtungen betreffen.

Es gibt noch weitere Formen, zum Beispiel Rassismus gegen Sinti und Roma und andere Minderheiten.


 

 

Kleinkind aus Mosambik

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Historische Beispiele für Rassismus

  • Rassismus im Kolonialismus: Der europäische Kolonialismus beruhte auf einer rassistischen Hierarchie. Die indigene Bevölkerung in den kolonisierten Gebieten wurde als minderwertig angesehen.
  • Apartheid in Südafrika: Die Apartheid in Südafrika dauerte von 1948 bis 1994. Sie führte zu strikter "Rassentrennung" und "Diskriminierung". Schwarze Menschen wurden von politischen, wirtschaftlichen und sozialen Rechten ausgeschlossen. Sie mussten in eigenen Stadtteilen leben und ihr gesamter Alltag war streng von dem der weißen Bevölkerung getrennt.
  • Segregation in den USA: Die Rassensegregation fand im 19. und 20. Jahrhundert statt. Vor allem im Süden der USA. Sie trennte "Schwarze" und "Weiße". Diese Trennung betraf viele Bereiche, wie Schulen und öffentliche Verkehrsmittel. Diese Praxis führte zu großen Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten.
  • Holocaust und Nazismus in Europa: Der Nationalsozialismus Hitler-Deutschlands in den 1930er und 1940er Jahren führte zum Holocaust. Dies war die systematische Vernichtung der jüdischen Bevölkerung. Auch andere Gruppen, die als "rassisch minderwertig" galten, wurden verfolgt. Der Rassismus der Nazis brachte großes Leid und den Tod für Millionen Menschen.

 

Beispiele für Alltagsrassismus

Alltagsrassismus durchzieht auch heute noch viele Bereiche des gesellschaftlichen Lebens und kann in unterschiedlichen Situationen auftreten.

Manchmal ist uns gar nicht bewusst, dass solches Verhalten verletzend ist. Je mehr wir darüber wissen, desto besser können wir darauf achten.

Im Arbeitsleben

  • Stellenanzeigen: Ausschreibungen, die unbewusst bestimmte Gruppen bevorzugen, z.B. durch die Anforderung von “muttersprachlichem Deutsch”.
  • Besprechungen: Namen aus verschiedenen Kulturen werden wiederholt falsch ausgesprochen, trotz mehrfacher korrigierender Hinweise.
  • Karriereentwicklung: Minderheiten werden seltener für Führungspositionen in Betracht gezogen.

In Bildungseinrichtungen

  • Lehrbücher: Hier wird oft eine eurozentrische Sicht gezeigt. Andere Kulturen werden nur am Rande behandelt oder stereotyp dargestellt.
  • Im Klassenzimmer: Pädagog:innen, die Schüler:innen je nach ethnischer Herkunft unterschiedliche schulische Fähigkeiten zuschreiben oder sie unterschiedlich behandeln.

In den Medien

  • Berichterstattung: Medien zeigen oft Menschen mit Migrationshintergrund in Verbindung mit negativen Ereignissen. Das verstärkt Vorurteile und negative Stereotype.
  • Film und Fernsehen: Menschen mit Migrationshintergrund werden oft stereotypisch porträtiert. Sie spielen oft in untergeordneten oder problembehafteten Rollen.

Im öffentlichen Raum

  • Alltägliche Begegnungen: Passant:innen, die die Straßenseite wechseln, wenn sie Personen mit anderen Hautfarben sehen. Oder verstärkte Überwachung in Geschäften.
  • Wohnungssuche: Vermieter:innen, die aufgrund von Namen oder Akzenten potenzielle Mieter:innen ablehnen.

 

Unterschied zwischen institutionellem und strukturellem Rassismus

Institutioneller Rassismus meint Formen der Diskriminierung, Ausgrenzung oder Abwertung, die von den Institutionen ausgeht. Beispiele sind die Polizei, Behörden oder Schulen.

Der Rassismus kommt hier nicht von den Vorurteilen oder negativen Einstellungen von einzelnen Menschen. Regeln und Vorschriften oder mangelnde Sensibilität der Akteure innerhalb der Institution sind die Ursache. Sie benachteiligen bestimmte Gruppen durch ihre Auslegung und Anwendung.

Institutioneller Rassismus ist meist schwieriger zu erkennen und erfordert andere Ansätze zur Bekämpfung.

Institutioneller Rassismus ist dabei eine Form des strukturellen Rassismus, der die gesamte Gesellschaftsstruktur umfasst. Hier geht es geht um Machtverhältnisse, die historisch und sozial gewachsen sind. Struktureller Rassismus zeigt sich in den Gewohnheiten, Regeln und Bildern, die überall in einer Gesellschaft zu finden sind – zum Beispiel in der Politik, in Firmen oder in den Medien. Bestimmte Bevölkerungsgruppen sind dadurch oft nicht entsprechend in Politik, Verwaltung und Wirtschaft vertreten.


 

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Folgen von Rassismus

  • Stress und Angst: Diskriminierung aufgrund von Rassismus kann bei den Betroffenen chronischen Stress verursachen, der sich negativ auf die Gesundheit auswirkt.
  • Isolation und Entfremdung: Soziale Isolation ist eine mögliche Folge rassistischer Vorfälle.
  • Minderwertigkeitsgefühle: Durch wiederholte rassistische Diskriminierung kann das Selbstwertgefühl der Opfer leiden.
  • Depressionen: Lang anhaltende Diskriminierungserfahrungen können zu Depressionen führen.
  • Beeinträchtigung des zwischenmenschlichen Vertrauens: Rassismus kann das Vertrauen zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft untergraben.
  • Verstärkung sozialer Ungleichheiten: Rassismus am Arbeitsmarkt und anderen gesellschaftlichen Bereichen verstärkt soziale Ungleichheiten.
  • Verstärkung von Stereotypen: Ständiger Rassismus verstärkt die stereotypen Bilder, die mit gewissen Minderheiten verbunden werden.
  • Begrenzung sozialer Entwicklung: Alle Mitglieder der Gesellschaft können sich nicht gleich einbringen. Das volle Potenzial wird damit nicht ausgeschöpft.

 

Was kann man gegen Rassismus tun?

  • Selbstreflexion: Man sollte regelmäßig über mögliche eigene Vorurteile gegenüber gewissen Menschen nachdenken. Lesen, Diskussionen, aber auch Filme und Serien können diese Selbstreflexion anstoßen und verstärken.
  • Zivilcourage zeigen: Wenn man rassistische Vorfälle bemerkt, sollte man dagegen eintreten. Das kann schon bedeuten, eine diskriminierende Bemerkung bestimmt zu korrigieren. Zivilcourage beinhaltet das Aufzeigen des rassistischen Verhaltens und die Unterstützung von Betroffenen.
  • Förderung von Diversität: Um die Diversität in der Gesellschaft zu fördern, kann man sich bspw. an Demonstrationen beteiligen oder selbst entsprechende Veranstaltungen organisieren.
  • Anti-Rassismus-Trainings: Im Unternehmenskontext gibt es hier eine Vielzahl an Angeboten, die Mitarbeitende für das Thema Rassismus sensibilisieren.
  • Inklusive Politikgestaltung: Entwicklung und Durchsetzung von Richtlinien und Gesetzen, die Diskriminierung aktiv verhindern. Dazu gehören z. B. gewisse Vorgaben für den Arbeitsmarkt. Hier steht vor allem die Förderung von Minderheiten in Führungspositionen und die Schaffung einer inklusiven Arbeitskultur im Vordergrund.
  • Evaluation und Feedback: In Organisationen und Firmen sollten die eigene Kultur und Praktiken regelmäßig überprüft werden – zum Beispiel durch Feedback-Runden, Umfragen oder unabhängige Kontrollen. Die erhaltenen Rückmeldungen können gezielt für Verbesserungen genutzt werden. Auch kleine Schritte können helfen, etwas zu verändern.

Was tun die SOS-Kinderdörfer weltweit gegen Rassismus?

Die SOS-Kinderdörfer stehen gegen jede Form von Rassismus. Unsere Kolleg:innen auf der ganzen Welt engagieren sich dafür, dass Kinder und Jugendliche ohne rassistische Erfahrungen aufwachsen. Eine bedeutende Herausforderung, da dafür ganze Gesellschaften transformiert werden müssen. Nur so kann eine Welt entstehen, in der Menschen akzeptiert werden – unabhängig von ihrem Aussehen.