Flucht vor Boko Haram: Nothilfe in Nigeria

Terror, Vertreibung und Hunger im nigerianischen Nordosten

Die Boko-Haram-Miliz hat das Land mit Terror überzogen, die Menschen sind aus ihren Dörfern geflüchtet und kämpfen ums Überleben: Der Nordosten Nigerias ist Brennpunkt einer der schwersten Flüchtlingskrisen Afrikas. Besonders leiden die Kinder: Unzählige haben ihre Eltern verloren und sind vom Hungertod bedroht. Die SOS-Kinderdörfer leisten Nothilfe.
SOS-Helfer untersuchen Kinder auf Mangelernährung: Die SOS-Kinderdörfer leisten in den nigerianischen Boko-Haram-Gebiet Nothilfe. Im benachbarten Niger startete SOS bereits 2015 ein Hilfsprogramm für Kinder und Familien, die vor der grausamen Boko-Haram-Miliz geflüchtet sind. Foto: Vincent Tremeau

Niedergebrannte Dörfer, Massaker, Selbstmordanschläge: Die Boko-Haram-Islamisten führen seit 2009 einen Terrorkrieg in den nigerianischen Bundesstaaten Borno, Yobe and Adamawa. Rund zwei Millionen Binnenflüchtlinge haben rund um die größeren Städte Zuflucht gesucht. Dort hausen sie in Camps und hungern. Die nigerianische Armee konnte Boko Haram 2016 zwar zurückdrängen. Doch die Miliz terrorisiert weiterhin die Region. Die Menschen kehren deshalb nicht in ihre Dörfer zurück - und die Felder bleiben unbestellt.

Eine der schwersten Flüchtlings- und Hungerkrisen Afrikas

  • Allein auf der Flucht vor Boko Haram: Flüchtlingskinder im Nordosten Nigerias. Foto: Moshood Raimi
    Etwa 20.000 Menschen wurden bislang getötet, ein Drittel der Häuser im nigerianischen Bundesstaat Borno, hunderte Schulen und medizinische Einrichtungen, Straßen und Brücken sind zerstört.
  • 7,7 Millionen Menschen, unter ihnen 4,5 Millionen Kinder, sind im Nordosten Nigerias auf humanitäre Hilfe angewiesen.
  • 940.000 Kinder, so die UN, sind akut unterernährt, etwa 120.000 Mädchen und Jungen droht der Hungertod.
  • Besonders groß ist die Not der zwei Millionen Binnenflüchtlinge im Nordosten Nigerias, mehr als die Hälfte davon sind Kinder. Weitere 230.000 Nigerianer sind in die Nachbarländer Niger, Tschad und Kamerun geflohen. Doch auch dort verbreitet Boko Haram Angst und Schrecken, der Terror hat die gesamte Tschadsee-Region erfasst.
  • Die Not der Flüchtlinge führt zu Kinderarbeit, Mädchen und Frauen sind von sexuellem Missbrauch und sexueller Ausbeutung bedroht.
  • Viele Flüchtlingskinder haben Entsetzliches erlebt und sind schwer traumatisiert. Der Boko-Haram-Terror hat mehr als 50.000 Kinder zu Waisen gemacht, so die nigerianische Regierung.
  • Etwa drei Millionen Kinder gehen aufgrund der Krise nicht zur Schule.

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SOS-Nothilfe für Kinder und Familien

Im Bundesstaat Borno leisten die SOS-Kinderdörfer Nothilfe. SOS-Helfer versorgen und betreuen 4000 Kinder und 500 Familien. So hilft SOS:
  • Ein SOS-Helfer betreut Flüchtlingskinder. Foto: Confidence Obayuwana
    Nahrungsmittelhilfe: SOS versorgt Familien in akuter Not mit Lebensmitteln. Alleinerziehende und ihre Kinder sowie elternlose Geschwisterfamilien, deren Lage besonders prekär ist, erhalten so überlebenswichtige Hilfe.
  • Kinderschutz & Betreuung: Eine SOS-Nothilfe-Kita in Gwoidamgari betreut und versorgt Flüchtlingskinder sowie elternlose Mädchen und Jungen, die ihre Eltern durch Vertreibung oder Gewalt verloren haben. SOS-Helfer untersuchen Kinder auf Unterernährung, traumatisierte Kinder erhalten psychosozialen Beistand. Die Nothilfe-Kita bietet Kindern zudem ein geschütztes Umfeld, in dem sie spielen und lernen - und so wieder Halt finden können.
  • Familienzusammenführung und neues Zuhause: SOS-Mitarbeiter versuchen, die Familien von unbegleiteten Kindern ausfindig zu machen. Mädchen und Jungen, die niemand mehr haben, finden ein neues Zuhause in einem der SOS-Kinderdörfer in Nigeria.
  • Kampf gegen sexuelle Gewalt: Ein Train-the-Trainer-Programm bildet 25 Frauen aus, damit sie in ihren Gemeinden gegen sexuelle Ausdbeutung und  Missbrauch aktiv werden.
Auch im benachbarten Niger leisten die SOS-Kinderdörfer Nothilfe für Kinder und Familien, die vor Boko Haram geflohen sind. Hier erfahren Sie mehr über die SOS-Hilfe im Niger.