Krise in Griechenland: 40 Prozent der Kinder leben in Armut

27.09.2017 - Trotz deutlichem Wirtschaftswachstum nimmt die Armut in Griechenland zu. Das trifft vor allem die Familien. "Immer mehr schlittern in den Ruin", sagt George Protopapas, Leiter der SOS-Kinderdörfer in Griechenland. Schuld daran seien die drastischen Sparmaßnahmen der griechischen Regierung. "Vor allem die jungen Leute leiden schwer", berichtet Protopapas. Nach Angaben der Hilfsorganisation hatten rund 40 Prozent der Jugendlichen unter 25 im August 2017 keinen Job. Und auch die Situation der Kinder verschärfe sich: "Mehr als 40 Prozent der griechischen Kinder leben in Armut!", sagt Protopapas und fordert eine entschlossene Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit und Kinderarmut. Die Sparmaßnahmen der vergangenen Jahre hätten vor allem die junge Generation belastet, es gelte, die sozialen Folgen der Krise besser als bisher abzufedern.
Mutter und Kind in Griechenland
Die Armut in Griechenland trifft vor allem Familien und junge Menschen.

"Das Schlimmste ist die Perspektivlosigkeit", sagt Protopapas. "Die jungen Griechen haben den Glauben an die Zukunft verloren." Die Abwanderung liege bei jährlich über 100.000 Menschen – darunter viele junge Leute. Das führt zu einer immer stärkeren Überalterung der Bevölkerung und langfristig zu einer weiteren Zuspitzung der wirtschaftlichen Probleme. "Allein 2016 mussten 14.875 kleinere Geschäfte schließen", sagt Protopapas.

"Bekämpfung von Kinderarmut und Jugendarbeitslosigkeit muss höchste Priorität haben!"

Die SOS-Kinderdörfer haben seit Beginn der Krise ihre Hilfe für verarmte Familien kontinuierlich ausgeweitet. Die Hilfsorganisation unterstützt aktuell an zehn Standorten 3.150 Familien mit rund 4.800 Kindern. Protopapas: "In allen unseren Programmen steigt der Bedarf dramatisch an! Die Bekämpfung von Kinderarmut und Jugendarbeitslosigkeit muss höchste Priorität haben, denn  die Zukunft unseres Landes hängt von den Kindern und Jugendlichen ab."

Dank internationaler Spenden konnten die SOS-Kinderdörfer ihre Hilfe bislang aufrechterhalten, dennoch bleibt die finanzielle Situation herausfordernd: Seit 2010 müssen auch gemeinnützige Institutionen wie die SOS-Kinderdörfer in Griechenland Steuern zahlen. Außerdem können die griechischen SOS-Unterstützer ihr Spende nicht mehr von der Steuer abzusetzen. George Protopapas sagt: "Sowas gibt es in keinem anderen Land!"