Interview zum Weltfriedenstag

Das unfassbare Leid der Kinder, die in Kriegsgebieten leben. Interview anlässlich des Weltfriedenstags am 21.9.

21.09.2017 - Syrien, Irak, Afghanistan, Somalia, und viele weitere - die Liste der Krisen- und Kriegsgebiete in der Welt wird immer länger. Anlässlich des heutigen Weltfriedenstags (21. September), den die UN-Generalversammlung ins Leben gerufen hat, spricht der Pressesprecher der SOS-Kinderdörfer weltweit Louay Yassin, über das Leid der Kinder in Kriegsgebieten und die Möglichkeit mit Traumatherapien zu helfen.

Interview jetzt anhören:

Kinder in Syrien. Kinder leiden besonders stark während eines Krieges. Nach Schätzungen sind in Syrien etwa 85 Prozent der Kinder traumatisiert. Foto: SOS-Archiv

Besonders Kinder leiden unter dem Krieg. Wie viele Kinder leben heute aktuell in Krisen- bzw. Kriegsgebieten?
Derzeit wächst jedes neunte Kind weltweit in einer Krisenregion auf. Mindestens 48 Millionen Kinder benötigen sogar lebensrettende Hilfe aufgrund von Kriegen. 75 Millionen Kinder können aufgrund dieser Kriege nicht zur Schule gehen. Ich könnte diese Liste noch stundenlang fortsetzen.

Besonders perfide – immer häufiger werden Kinder gezielt ins Visier der Kriegsparteien genommen. Wie ist das in Syrien?
Ich habe mit einem Jungen in Syrien gesprochen, der wurde vom IS mit seinem Vater ins Gefängnis gesperrt, wie auch andere Kinder. Jeden Tag wurden Väter und Kinder aufs Dach geführt, dann wurde wahllos ein Vater herausgegriffen und vom Dach geworfen. Vor den Augen des Kindes. Andere Kinder werden als Schutzschilde vor Gewehrkugeln oder Bomben missbraucht, Mädchen häufig vergewaltigt, Jungs zu Kindersoldaten umfunktioniert. Aber diese Grausamkeiten finden nicht nur in Syrien, sondern überall statt. Krieg verroht die Menschen bis zur Unmenschlichkeit.
 
Wie kann man Kindern helfen, mit solchen schrecklichen Erfahrungen leben zu lernen?
Kinder in Krisengebieten sind meist sehr stark traumatisiert. In Syrien sind es etwa 85 Prozent aller Kinder. Für traumatisierte Kinder ist es ohne Behandlung später sehr schwer, ein normales Leben zu führen. Die schrecklichen Erfahrungen kommen immer wieder hoch, führen zu Schlaflosigkeit, Veränderungen des Wesens bis hin zu Selbstmord. Hier ist es wichtig, den Kindern erstens ein sicheres Umfeld zu ermöglichen und zweitens eine Traumatherapie. Die SOS-Kinderdörfer haben derzeit großangelegte Traumatherapie-Projekte für Kinder in Syrien und im Nordirak. Das müsste weltweit ausgeweitet werden. Bei Kindern helfen diese Therapien oft sehr schnell.