"Junge Menschen haben eine Chance verdient!"

"YouthCan!" in Costa Rica: Interview mit Erick Barrios vom Marriott-Hotel in San José

Farbenfrohe Natur und herrliche Strände - Costa Rica ist ein beliebtes Reiseziel. Doch was den meisten Touristen entgeht: Auch an der „reichen Küste“ herrscht Armut und gerade junge Menschen finden häufig keine Arbeit. Um sozial benachteiligten Jugendlichen den Berufseinstieg zu ermöglichen, haben die SOS-Kinderdörfer die Jobinitiative "YouthCan!" gestartet. Seit 2013 arbeitet SOS Costa Rica mit Unternehmenspartnern wie DHL, Bridgestone, McDonald’s oder Marriott zusammen. Erick Barrios vom Marriott-Hotel in San José im Interview.

Marriott ist ein Luxushotel, das wohlhabende Touristen beherbergt. Wieso hat sich Marriott dazu entschlossen, Jugendliche aus einem sozial benachteiligten Umfeld im Hotel arbeiten zu lassen?

Erick Barrios, "Human Resources Training"-Koordinator im Marriott-Hotel in San José, Costa Rica
"Wir müssen den Jugendlichen Vertrauen schenken": Erick Barrios, "Human Resources Training"-Koordinator im Marriott-Hotel in San José, Costa Rica.

Barrios: Die Jugendlichen haben eine Chance verdient! Sie wollen lernen, arbeiten, etwas erreichen im Leben. Sie möchten und müssen auf eigenen Beinen stehen. In San José erhalten sie diese Möglichkeit aber häufig nicht. Der Staat ist auch keine große Hilfe. Deswegen haben wir uns entschlossen, jungen Menschen, die eben keine rosigen Perspektiven in die Wiege gelegt bekommen haben, eine Chance zu geben.

Hilfe zur Selbsthilfe?

Barrios: Genau! Manche Familien können sich noch nicht einmal eine Kugel Eis leisten! Wir möchten den jungen Menschen auch ihre Würde zurückgeben. Das ist das Mindeste, was wir tun können.

Die Jugendlichen aus den SOS-Kinderdörfern oder der SOS-Familienhilfe haben häufig Armut, Alkoholismus und Aggressionen erleben müssen. Das geht nicht spurlos an ihnen vorbei. Was ist wichtig bei der Ausbildung von Jugendlichen mit problematischer Geschichte?

Barrios: Wir müssen ihnen zuhören! Sie müssen spüren, dass wir uns wirklich für sie interessieren. Wir reden mit ihnen, ermutigen sie. Während der Ausbildung erleben sie Schritt für Schritt, dass sie aus eigener Kraft etwas erreichen können.

Gibt es eine spezielle Unterstützung für die "YouthCan!"-Teilnehmer?

"YouthCan!"-Teilnehmer im Marriott-Hotel in San José - Foto: Marriott

Barrios: Ja. "YouthCan!" bietet zum Beispiel psychologische Begleitung. Wir arbeiten mit den Teilnehmern daran, Aggressionen ab- und Selbstvertrauen aufzubauen. Generell geben wir ihnen mehr Zeit, um sich einzuarbeiten. Es gibt Englischkurse und auch Trainings, damit sie ihre Sozial- sowie Kommunikationskompetenz stärken. Das Wunderbare ist: Auch wenn es manchmal am Anfang etwas holpert, wachsen die Jugendlichen in der Regel an einem bestimmten Punkt über sich hinaus. Sie zeigen uns jedes Mal, dass sie es mehr als wert sind, an sie zu glauben.

Geben Sie Ihre Erfahrungen auch an andere Unternehmen weiter, damit auch sie sozial benachteiligten Jugendlichen eine Chance geben?

Barrios: Unbedingt! Wir versuchen, Pionierarbeit zu leisten und so anderen Firmen zu zeigen, dass sie auf die Jugend Costa Ricas setzen sollten. Man muss immer den Menschen sehen. Wir müssen den Jugendlichen Vertrauen schenken. Fähigkeiten kann jeder entwickeln! Wir versuchen auch immer, die "YouthCan!"-Teilnehmer im Anschluss zu behalten und anzustellen. Wir wollen sie weiter wachsen lassen.

Wer von den "YouthCan!"-Teilnehmern hat Sie besonders beeindruckt?

Barrios: Oh, eigentlich alle. Aber 2016 hatten wir eine sehr starke junge Dame bei uns. Eine alleinerziehende Mutter von einem dreijährigen Kind. Selbstverständlich mussten wir uns etwas an ihre Situation anpassen, aber sie hat wirklich alles gegeben, um zu lernen. Sie hat sich in den sechs Monaten so engagiert gezeigt, dass wir sie im Anschluss angestellt haben. Sie arbeitet jetzt im administrativen Bereich und kümmert sich hauptsächlich um unsere VIP-Gäste. Frauen wie sie zeigen uns, wie wichtig es ist, verstärkt auf weibliche Jugendlichen zu setzen – egal, wie schwierig ihre Ausgangssituation auch ist. Es gibt immer eine Lösung!

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