22. August 2018 | NEWS

Rohingya-Kinder: Ein Jahr nach dem Exodus

Ein Jahr nach dem Exodus befinden sich die Rohingya-Kinder in einer ausweglosen Situation – sie sitzen in überfüllten Flüchtlingslagern fest, ohne Perspektive auf eine Rückkehr in ihre Heimat, ohne Zugang zu Bildung, ohne Chance auf eine Zukunft. Seit August 2017 flohen mehr als 900.000 Rohingya aus Myanmar ins Nachbarland Bangladesch, mehr als 60 Prozent der Gestrandeten sind Kinder. "Ihre Lage ist fatal", sagt Louay Yassin, Pressesprecher der SOS-Kinderdörfer weltweit.

Keine Perspektive: Rohingya-Kinder in einem der Flüchtlingscamps in Bangladesch beim Wasserholen. Foto: F. B. Manik Shah Mazumder

"Sexuelle Gewalt, Zwangsverheiratung und Kinderhandel sind in den Lagern an der Tagesordnung. Tausende Kinder leiden zudem an Mangelernährung, Krankheiten und schweren Traumata, aufgrund der unvorstellbaren Gewalt, die sie erlebt haben", so Yassin weiter. Am schlimmsten aber sei die Perspektivlosigkeit: Rohingya-Kinder und ihre Familien dürften die Lager nicht verlassen, hätten keinen Zugang zu Gesundheitsversorgung, Arbeitsmarkt und Bildung.

Der Grund: Bangladesch ist mit den Massen an Flüchtlingen überfordert und möchte, dass sie möglichst schnell in ihre Heimat zurückkehren. "Deshalb halten die Behörden bewusst alles provisorisch. Aber die Menschen werden nicht zurückkehren, bis ihre Sicherheit garantiert ist, sie in Myanmar die Staatsbürgerschaft erhalten, ihre Kinder dort zur Schule gehen und eine Chance auf eine Zukunft haben", sagt Yassin.

Kinderschutzzentren in den Flüchtlingscamps

Wieder Halt finden: In Kinderschutzzentren betreuen und versorgen SOS-Helfer Flüchtlingskinder.

"Die internationale Staatengemeinschaft steht weiterhin vor einer riesigen Herausforderung. Die Hilfe muss ausgeweitet werden, um diese beispiellose Krise zu meistern", sagt Yassin. "Zudem muss die Regierung von Myanmar die Gewalt gegen die Rohingya und die Menschenrechtsverletzungen beenden." Denn nur dies würde die notwendigen Voraussetzungen für ihre Rückkehr nach Myanmar schaffen.

Die SOS-Kinderdörfer leisten Hilfe in den Flüchtlingscamps der Rohingya in Bangladesch: SOS betreibt dort Kinderschutzzentren, in denen Jungen und Mädchen spielen und lernen können sowie psychologisch betreut und medizinisch versorgt werden.

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