Gemeinsam lernen und spielen

Bildungsangebot bringt Kinder aus der Ukraine und Rumänien zusammen

Die SOS-Kinderdörfer in Rumänien haben ein Sommerprogramm gestartet, das die Integration, gegenseitige Akzeptanz und das Verständnis zwischen ukrainischen und rumänischen Kindern und Jugendlichen fördern soll. Es gibt Bildungs-, Kreativ- und Sportaktivitäten. Erfahren Sie mehr über das Programm und die aktuellen Herausforderungen im Interview mit Rodica Marinoiu.

Zusätzlich zu Ihrem Engagement für rumänische Kinder und Familien haben Sie sich sofort an der Hilfe für die Geflüchteten aus der Ukraine beteiligt. Warum?

Für mich war das selbstverständlich. Die Menschen brauchten Hilfe und wir konnten helfen. Nicht nur ich, sondern wir alle hier in Bacău und bei SOS-Kinderdorf Rumänien haben uns sofort engagiert. Für mich persönlich genügte es, die Bilder von den Menschen zu sehen, die vor dem Krieg ins Ungewisse fliehen. Es ist unsere soziale Verantwortung, alles zu tun, um zu helfen. Und wir wollen, dass sowohl unsere eigenen Kinder als auch jene in unseren Programmen mit einem ausgeprägten Sinn für diese Werte aufwachsen. Um das zu erreichen, wollen wir mit gutem Beispiel vorangehen.

Rodica Marinoiu, Leiterin des SOS-Kinderdorfs im rumänischen Hemeius, engagiert sich für rumänische und ukrainische Kinder. Foto: Katerina Ilievska

Wie helfen Sie den Menschen aus der Ukraine?

Vor einiger Zeit sind Familien aus dem SOS-Kinderdorf in Hemeius nach Bacau umgezogen. Daher hatten wir sechs leerstehende Häuser im Dorf, die wir sofort für ukrainische Familien geöffnet haben. Alle unserer drei SOS-Kinderdörfer haben sich bei den nationalen Behörden gemeldet, um Familien aufzunehmen. Durch die Größe der Häuser konnten wir mehrere befreundete Mütter zusammen aufnehmen. Das gibt ihnen ein zusätzliches Gefühl der Sicherheit.

Zum 1. Juni haben wir ein Sommerprogramm gestartet, das die Integration, gegenseitige Akzeptanz und das Verständnis zwischen ukrainischen und rumänischen Kindern und Jugendlichen fördern soll. Viele der Teilnehmenden kommen aus der Nachbarschaft des Kinderdorfe. Es gibt Bildungs-, Kreativ- und Sportaktivitäten, aber auch soziale Aktivitäten. Freitags ist immer Pfadfindertag, an dem alle gemeinsame Abenteuer erleben. Wir wollten ein Programm schaffen, das die ukrainischen Kinder zum unbeschwerten Spielen anregt. Wir arbeiten mit ukrainischen und rumänischen Lehrer:innen zusammen.

Eine der Aktivitäten stand unter dem Motto 'Kindheit kann alles färben', bei dem Kinder schwarze T-Shirts begeistert mit Farbpulver gestaltet haben. Immer wieder erleben wir bei unseren Aktionen Momente, die uns stark berühren, uns an die Menschen denken lassen, die ihr Zuhause verloren haben und an die Notwendigkeit, einander zu helfen.

Es war für uns eine große Herausforderung, wie wir uns ukrainischen Kindern nähern. Meine Kolleg:innen und ich haben das Glück, kein Kriegstraumata erlebt zu haben. Wir konnten nicht so tun, als wüssten wir, was sie durchgemacht haben. Sie kommen aus den besetzten Gebieten und haben dort Beschuss, Schüsse und vielleicht sogar Tote erlebt. Gleichzeitig wollten wir ja auch das Thema für rumänische Kinder verständlich machen. Als verbindendes Element fanden wir die beliebte rumänische Geschichte "Zauberwald", in der ein Mädchen seine Mutter verliert und unter schwierigen Bedingungen reisen muss, um in Sicherheit zu kommen.

Und wie helfen Sie den Eltern?

Wir suchen hier sehr individuell nach Lösungen. Einige haben noch ihre Jobs, denen sie online nachgehen können, und wir sorgen für eine schnelle und stabile Internetverbindung. Andere haben den Wunsch geäußert, vor Ort Arbeit zu finden. Wir konnten einigen von ihnen eine Beschäftigung in Restaurants oder Fabriken vermitteln. Zwei Personen, die sofort ihre Hilfe kostenlos im Dorf zur Verfügung gestellt hatten, haben wir inzwischen angestellt: einen Vater, Mykola, der handwerklich sehr geschickt ist, und Hanna, eine sehr engagierte Mutter, für die Hauswirtschaft.

Wie geht es nach den Ferien mit der Schule weiter?

Die ukrainischen Familien haben ihre Kinder zum Onlineunterricht angemeldet und wir unterstützen sie mit einem Nachmittagsprogramm in der örtlichen Grundschule in Hemeius. Die Kinder haben durch die Pandemie fast zwei Jahre ihrer regulären Schulzeit verloren, so dass es von entscheidender Bedeutung ist, sie wieder an den regulären Schulunterricht heranzuführen, sei es auch nur für kurze Zeit. Auch wenn zwar alle nach Hause zurückkehren wollen, ist es wichtig für sie, nicht den Anschluss zu verlieren. Wir konnten auch Kindergartenplätze oder Musikunterricht vermitteln.

Wie geht es Ihnen persönlich mit all dem, was Sie vom Schrecken des Kriegs in der Ukraine mitbekommen?

Wenn ich nichts hätte tun können, wäre es schlimm für mich gewesen. Aber so, mit allem, was wir getan haben und tun, geht es mir gut. Ich bin stolz darauf, dass SOS-Kinderdorf Rumänien vom ersten Tag an dabei war. Und auf alle meine Kolleginnen und Kollegen und die Arbeit, die wir leisten. Ich weiß, dass wir das Richtige tun! Wenn ich Kinder aus Rumänien und der Ukraine sehe, die sich umarmen, bekomme ich Gänsehaut.

Was erwarten Sie als Nächstes?

Ich glaube, es wird ein schwieriger Winter werden. Es werden mehr ukrainische Menschen kommen. Unser nächster Schritt als SOS-Kinderdorf ist es außerdem, mit den ukrainischen Familien kurz- und mittelfristige Ziele zu bestimmen. Wir haben einen Koordinator für unser ukrainisches Hilfsprogramm eingestellt, der sich eingehend damit befassen wird, wie wir diesen Menschen weiter helfen können. Sie hatten inzwischen Zeit, sich zu erholen, und wir haben ihr Vertrauen gewonnen. Jetzt ist es unsere Aufgabe, ihnen mit psychosozialer Unterstützung zu helfen.

Was wünschen Sie sich für die Menschen aus der Ukraine?

Ich wünsche mir, dass der Krieg aufhört! Ich wünsche ihnen, dass sie Frieden finden, egal wo, denn ich weiß nicht, was die Zukunft bringen wird. Ich wünsche mir, dass wir weiterhin Programme für Kinder und Eltern entwickeln, damit sie sich sicher und willkommen fühlen. Und ich wünsche mir, dass wir mehr für die Eltern tun. Denn nur wenn die Eltern stark sind, sind auch die Kinder stark. Und starke Kinder sind unsere Zukunft.

Rodica Marinoiu ist Leiterin des SOS-Kinderdorfs im rumänischen Hemeius. Die ausgebildete Sozialarbeiterin leitet die Arbeit in den Bereichen alternative Betreuung, Familienstärkung, Jugendhilfe und Pflegefamilien. Seit 2022 ist Rodica auch für die humanitäre Hilfe in Bacău für die vom Krieg in der Ukraine betroffenen Menschen zuständig.

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