Eine starke Stimme für Gambias Kinder

Mutter und Vater tot, er selbst so schwach, dass niemand glaubte, er könne es schaffen: Mit zwei Wochen kam Almami Barrow (27) ins SOS-Kinderdorf Bakoteh in Gambia. Seine SOS-Kinderdorfmutter kämpfte um das ihr anvertraute Baby und machte aus ihm einen starken jungen Mann, der sich heute mit aller Kraft für die Kinder in seinem Land einsetzt.

Almami Barrow kennt hier jeden Winkel. "Im Haus Nummer eins bin ich aufgewachsen", sagt er und zeigt auf einen flachen, hellgelb gestrichenen Bau im Garten des SOS-Kinderdorfs in Bakoteh. Wir sitzen auf einer Bank in der Nähe des Kindergartens, Dutzende Buben und Mädchen toben in ihren hellblauen SOS-Uniformen lachend um uns herum und fordern die volle Aufmerksamkeit ihrer Gäste ein. Die Kinder haben Almami schon oft getroffen. Sie wissen, er ist nicht nur ein Mitarbeiter der SOS-Kinderdörfer, sondern einer von ihnen. "Hier haben wir auch immer gespielt", erinnert sich der 27-Jährige lächelnd.

Dann wird er plötzlich ernst. "Mein Leben wäre völlig anders verlaufen, wenn sie mich damals nicht zu SOS-Kinderdörfer gebracht hätten", sagt Almami Barrow. "Vielleicht hätte ich nie eine Schule besucht, vielleicht wäre ich heute ein armer Tagelöhner oder Kleinbauer, aber wahrscheinlich wäre ich gar nicht mehr am Leben." Als Waisenkind, um das sich keiner in der Familie kümmern wollte oder konnte, stand sein Start ins Leben unter einem schlechten Stern.

"Ich stamme aus einer sehr armen Familie. Mein Vater starb bereits vor meiner Geburt, meine Mutter sieben Tage danach. Die Umstände meiner Geburt müssen sehr schwierig gewesen sein", erzählt Almami Barrow. Als er zwei Wochen alt gewesen sei, habe ihn ein Onkel zum Sozialamt gebracht, das das Baby in die Obhut von SOS-Kinderdörfer übergab. "Ich war so schwach, dass niemand glaubte, dass ich es schaffe", berichtet Almami weiter. "Außer meine SOS-Mutter Derdo Sanyang. Sie zog mich von Beginn an auf und hat immer an mich geglaubt", sagt er.

"Meine SOS-Mutter Derdo war wie eine Löwenmutter, eine leidenschaftliche Frau mit einem großen Herzen, der ich alles verdanke."

Das Leben im SOS-Kinderdorf hat Almami geprägt. So sehr, dass er auch beruflich einen Weg eingeschlagen hat, um mit der Hilfsorganisation in Verbindung bleiben zu können. 

Mit acht Geschwistern sei er bei Derdo aufgewachsen. "Ich war das Nesthäkchen und ein bisschen ihr Lieblingssohn, obwohl sie das die anderen nie spüren ließ", erzählt der 27-Jährige. "Die Leute dachten immer, sie ist meine echte Mutter. War sie ja auch in gewisser Weise. Sie beriet mich und brachte mir alles bei. Sie sagte immer: Respektiere und liebe deine Mitmenschen, arbeite hart und sei vorsichtig in deinen Entscheidungen.‘ Schade, dass sie es nicht mehr erleben darf, dass ich Karriere gemacht habe. Sie wäre sicher stolz auf mich. Ich hätte ihr so gerne etwas zurückgegeben", sagt Almami.

Seine Ziehmutter sei am letzten Tag seiner High-School-Prüfungen gestorben. Doch zuvor habe sie ihm noch ein großes Geschenk gemacht. "Sie recherchierte meine Lebensgeschichte und ging mit einem Bild von mir in das Dorf, in dem ich geboren wurde. Sie wollte, dass ich meine Wurzeln kennenlerne. Sie fand heraus, dass ich noch eine drei Jahre ältere Schwester habe, die damals bei anderen Verwandten untergebracht worden war", berichtet Almami weiter. "Sie habe ich mit 23 Jahren zum ersten Mal gesehen."

Stark für Kinderrechte

Er weiß, dass er großes Glück hatte. "Die SOS-Kinderdörfer haben mir viel gegeben, einem Waisenkind die Tür zur Welt geöffnet. Diese Möglichkeit sollen auch andere Kinder bekommen", sagt Almami. Seine persönliche Lebensgeschichte hat er zum Beruf gemacht. Der 27-Jährige studierte Politik-, Kommunikationswissenschaften sowie ein paar Semester Jura und arbeitet heute als nationaler Beauftragter für Kinderrechte für die SOS-Kinderdörfer in Gambia.

"Als ihr Anwalt, als ihre Stimme kann ich etwas tun für die Kinder in meinem Land, mich dafür einsetzen, dass sich ihre Situation verbessert. Ich liebe das, was ich tue, mit ganzem Herzen."

Die Leidenschaft für seinen Job – die hat er sich wohl von seiner Ziehmutter abgeschaut. Dass aus Waisenkindern wie Almami starke Erwachsene werden, die sich für ihr Land einsetzen, dafür sorgen auch Sie, liebe Spenderinnen und Spender, mit Ihrer Unterstützung. Danke!

Dieser Artikel erschien in der Passauer Neuen Presse im Rahmen der Weihnachtsaktion "Ein Licht im Advent" zugunsten der SOS-Kinderdörfer.

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