Ein besonderer Blick ins SOS‑Kinderdorf

Filmisches Portrait verbindet Eindrücke, Menschen und Schicksale

Die Filmemacher:innen Hilarija Laura Ločmele und Nuno Miguel Wong von der Hochschule für Film und Fernsehen in München haben mit ihrem Film ein sehr persönliches Portrait des SOS-Kinderdorfes Islice in Lettland geschaffen.

Sintija ist heute erwachsen. Über ihre Kindheit sagt sie, sie sei "im Glückshemd geboren worden", obwohl sie nicht bei ihrer leiblichen Familie aufwachsen konnte. Dass es ihr heute gut geht, dazu hat Ligita viel beigetragen. Ligita hat Sintija im SOS-Kinderdorf als Mutter begleitet, umsorgt und ihr Liebe gegeben. Sie berichtet von ihrem engen Verhältnis zu den Kindern, zu denen sie Kontakt hält, auch wenn diese schon ihre eigenen Wege gehen.

In vielen beeindruckenden Interview-Sequenzen zeigen die beiden Filmemacher:innen ihren ganz besonderen Blick auf die Menschen, die im SOS-Kinderdorf zu einer Familie zusammengefunden haben. So wie Mārtinš, dessen Beziehung zu seiner Ersatzmutter erst wachsen musste.

Schicksalhafte Verbindung

Ein ganz besonderer Impuls für den Film kommt von Elmārs, der als Konstrukteur das SOS-Kinderdorf vor über 20 Jahren mit aufgebaut hat. "Durch einen Zufall habe ich von meiner Mutter erfahren, dass mein Vater an einem SOS-Kinderdorf mitgebaut hat. So entstand die Idee, mit ihm zurück ins SOS-Kinderdorf zu fahren, und mit ihm über seine Erinnerungen zu sprechen", sagt Hilarija Laura Ločmele, die selbst in Lettland aufgewachsen ist. 

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Eindrücke und Einblicke

"Unsere Vision war es, zu erzählen, mit welchem Gepäck an schlechten Erfahrungen die Kinder ins SOS-Kinderdorf kommen. Und wir wollten die Dynamiken zeigen, die von der individuellen Hilfe der SOS-Kinderdörfer ausgehen, um den Kindern ein liebevolles Zuhause zu bieten. Wir hoffen, dass die Zuschauer mit unserem Film mehr über die Arbeit erfahren und diese auch wertschätzen." sagt Nuno Miguel Wong, der mit seiner Kamera einfühlsam den Protagonist:innen begegnet ist.

Impressionen von den Dreharbeiten im SOS-Kinderdorf Islice. Foto: arcticfox / Nuno Miguel Wong, Hilarija Laura Ločmele

Über seine Eindrücke während der Dreharbeiten erzählt Nuno: "Man lernt einiges über die eigene Wahrnehmung. Auf den ersten Blick denkst du dir: Hier machen ganz gewöhnliche Nachbarschaftskinder ihre Erfahrung mit dem Erwachsenwerden: Sie hören Lil’ Nas X, spielen, suchen sich ältere Vorbilder - harmonisch eben. Da vergisst du schnell, weshalb sie eigentlich hier sind. Dass Kind sein zu dürfen für viele leider nicht selbstverständlich ist und oft erst hart erkämpft werden muss."

Hilarija Laura Ločmele, Nuno Miguel Wong, der Dorfleiter Gatis Matulēvičs und Kinder aus dem SOS-Kinderdorf Islice. Foto: arcticfox

Die Filmemacherin Hilarija berichtet über ihr Vorgehen bei den Dreharbeiten: "Vor den eigentlichen Gesprächen haben wir viel Zeit mit den Menschen verbracht und Orte ihrer Vergangenheit besucht. Nicht nur weil sie sich an die Kameras gewöhnen mussten, sondern auch um Bindung aufzubauen. Daher haben wir auch viel von uns erzählt."

Ihr Kollege Nuno betont, wie herzlich und geduldig die Protagonisten und das gesamte SOS-Kinderdorf Islice während den Dreharbeiten waren. "Eine große Herausforderung", so Hilarija, "war eher im Schnitt. Wir waren von der Fülle der Erzählungen total überwältigt und hätten bei jedem der Beteiligten für sich weiter in die Tiefe gehen können."

"Familie ist meine Herzensangelegenheit. Wenn ich traurig bin oder so, dann umarme ich sie einfach."

Mārtinš über seine Mutter im SOS-Kinderdorf

Das SOS-Kinderdorf Islice

Nachdem Lettland seine Unabhängigkeit von der früheren UdSSR erklärt hatte, begann 1991 der Aufbau eines ersten SOS-Kinderdorfes in diesem Land. Islice leigt in der Nähe der Stadt Bauska.

  • In elf Familienhäusern und einer Jugendwohngruppe finden Kinder und Jugendliche, die aus verschiedenen Gründen nicht mehr bei ihren leiblichen Familien leben können, ein neues, dauerhaftes Zuhause.
  • Zusätzlich unterstützen und begleiten Pädagogen des SOS-Kinderdorfers rund 120 Pflegefamilien aus dem Umkreis.
  • Weitere ca. 20 Familien, die sich in aktuten Notsituationen befinden, erhalten Beratung und Unterstützung, um Wege aus der Krise zu finden.

Herausforderungen im Land

Das Gesundheitssystem in Lettland ist eher schwach ausgebaut, Alkoholmissbrauch ist weit verbreitet. Der Mindestlohn in Lettland ist nur rund ein Drittel so hoch wie in Deutschland, doch die Lebenshaltungskosten auf ähnlichem Niveau. Gefahren für lettische Kinder in prekären Situationen sind Gewalt, sexuelle Ausbeutung und Diskriminierung von Minderheiten.

 

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