Indien: Eine Frau wehrt sich

Akabri war ein Teenager, als sie von ihrer Familie verheiratet wurde. Danach lebte sie über 20 Jahre in Angst vor ihrem Mann, der sie und ihre gemeinsamen Kinder prügelte und tyrannisierte. Mit Unterstützung der SOS-Kinderdörfer in Indien setzte sich Akabri zur Wehr.


Neuanfang: Stolz sieht Akabri ihren Kindern bei den Hausaufgaben zu.
Es fällt Akabri nicht leicht ihre Geschichte zu erzählen. "Einmal rief mein Mann nach einem Glas Wasser", beginnt die 40-Jährige. "Da ich aber gerade das Baby stillte, ging es ihm nicht schnell genug." Ihre Augen füllen sich mit Tränen, sie ringt um ihre Fassung. "Als ich zu ihm kam, drosch er mir das Glas aus der Hand und schlug dann so hart zu, dass ich bewusstlos zu Boden ging."

Schläge und Hunger

Akabri ist Mutter von acht Kindern im Alter von 6 bis 19 Jahren. Ihre Familie lebt in Dubkiyan, einem kleinen Dorf unweit der Stadt Varanasi im Norden Indiens. Sie gehört der muslimischen Minderheit an. Bereits mit 16 Jahren wurde sie verheiratet. Wie viele Frauen in ihrer Gemeinde trug sie den Parda, ein burka-artiges Gewand. Ohne Erlaubnis ihres Mannes durfte sie das Haus nicht verlassen. Er verlangte von ihr absolute Unterordnung und schlug Akabri aus nichtigstem Anlass. Oft gab er ihr tagelang nichts zu essen. Auch die Kinder misshandelte er und ließ sie hungern. Dies schwächte sie so sehr, dass sie die Schule abbrechen mussten. "Ich hatte solche Angst vor meinem Mann, dass ich es nicht wagte, ihn anzusprechen", sagt Akabri.

Akabris Schicksal ist kein Einzelfall. Das Ausmaß der Gewalt gegen Frauen in Indien ist erschreckend.

Eine SOS-Sozialarbeiterin besucht den Ort


Erfolgreiche Kleinunternehmerin: Akabri am Webstuhl.
Doch dann kam der Tag, der Akabris Leben verändern sollte: Eine Sozialarbeiterin aus dem SOS-Kinderdorf Varanasi besuchte den Ort. Sie sprach die achtfache Mutter an und erklärte ihr, sie könne ihren Kindern helfen. Nach anfänglichem Zögern fasste Akabri Vertrauen und schilderte ihre verzweifelte Lage. So erhielten sie und ihre Kinder Beistand durch die SOS-Familienhilfe. Der erste Schritt: Sie bekamen finanzielle Unterstützung, so dass die Kinder wieder zur Schule gehen konnten. Akabri erhielt Berufsberatung, begann mit Stickereien Geld zu verdienen und wurde Mitglied einer Selbsthilfegruppe. SOS-Mitarbeiter klärten sie zudem über Frauenrechte auf. "Anfangs war ich sehr schüchtern, wenn ich mit Fremden sprach, aber ich gewann mehr und mehr an Selbstbewusstsein."

 

Akabri stellt ihren Mann zur Rede

 


Gemeinsame Mahlzeit: Nach der Tradition würden die Mädchen erst nach den Jungen essen, doch mittlerweile sitzen in Akabris Familie alle beisammen.
Sie verließ immer öfter das Haus, um am Leben in ihrer Gemeinde teilzunehmen. Dabei fand sie heraus, was ihr Mann vor ihr verheimlicht hatte: Er war mit einer weiteren Frau verheiratet. Für Akabri war dies ein Schock. Der Islam erlaubt zwar die Vielehe, doch er fordert dann auch die Zustimmung der Frauen. Akabri fasste all ihren Mut zusammen und stellte ihren Mann zur Rede. Als sie ihn verließ, musste er dies akzeptieren. Heute behelligt er sie nicht mehr und arbeitet für sie gegen Lohn.

 

Denn Akabri ist eine erfolgreiche Kleinunternehmerin geworden. Noch in ihrem Elternhaus hatte sie das Weberhandwerk gelernt. SOS-Mitarbeiter und die Selbsthilfegruppe berieten sie bei der Gründung einer Existenz.

Akabri macht sich selbständig

Sie erhielt finanzielle Starthilfe sowie einen Mikrokredit, um einen Webstuhl und Garn zu kaufen. Das Geschäft lief gut an und Akabri konnte ihr Darlehen bereits zurückzahlen.
Akabri kann ihren Kindern aus eigener Kraft eine Perspektive bieten. Bis auf ihre beiden Ältesten, die bereits 19 und 18 sind, gehen alle zur Schule, ihre Jüngste, Gulnar, 6, ist gerade eingeschult worden.

"Ich danke Allah dafür, dass er mir Hilfe gesandt hat", sagt die Muslimin. "Ich würde sonst immer noch in der gleichen Hölle leben." Ihre Augen leuchten, als sie hinzufügt: "Es gibt so viele Frauen wie mich, die Hilfe brauchen, damit sie in Würde leben können!"

 

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