Eine Schule fürs Leben

"Lifeskills" – ein neues Fach in Äthiopien

 

Die SOS-Kinderdörfer stehen für Toleranz und Achtung. Also ist es naheliegend, in SOS-Schulen nicht nur Zahlen und Worte zu lehren, sondern auch Werte. In der SOS-Schule Gode im Osten Äthiopiens haben die Lehrer das Fach "Lifeskills" eingeführt. Es lehrt den respektvollen Umgang mit sich selbst und anderen.

 


Bildung auch für Mädchen. Die Schule zu besuchen ist für die Kinder der erste Schritt aus der Armut – Foto: Michaela Morosini
Das SOS-Kinderdorf Gode liegt in der Nähe von Somalia, wo seit 20 Jahren Bürgerkrieg herrscht. Auch in Äthiopien selbst gab es immer wieder Konflikte und Gewalt. Wie kann man damit umgehen? Als erste Schule Äthiopiens unterrichtet die SOS-Schule in Gode "Lifeskills" – auf Deutsch in etwa "Lebenskompetenzen". Auf dem Stundenplan stehen zum Beispiel: das Selbstwertgefühl stärken, wie bewältige ich Stress, Entscheidungen leichter treffen oder Konflikte friedlich lösen.

"Unsere Kinder gehören verschiedenen Völkern und Religionen an, das hat teilweise zu Auseinandersetzungen geführt", berichtet Lehrer Faysal Areys Mohammed. Um die Toleranz zu fördern und die Kinder auf ihrem persönlichen Lebensweg zu unterstützen, haben die Lehrer das Fach eingeführt. Die Anregung dafür fanden sie bei Kollegen der SOS-Schule in Nairobi, die schon seit Jahren erfolgreich "Lifeskills" unterrichten.

"Das Verständnis der Kinder füreinander ist merklich gewachsen."


Das Unterrichtsfach „Lifeskills“ kommt bei den Kindern gut an – Foto: Michaela Morosini
Lehrer Faysal Areys Mohamed steht im Schatten vor der Tür eines Klassenzimmers. Eben ist Pause, und die Kinder laufen über den Schulhof. Die sandfarbenen Schulgebäude sind mit bunten Bildern bemalt: An einer Wand ist die Karte Afrikas zu sehen. Neben den Kinderdorf-Kindern besuchen auch Jungen und Mädchen aus den umliegenden Gemeinden den Unterricht. Mohammed sagt: "Das Verständnis der Kinder füreinander ist merklich gewachsen."

Fatumah*, 15, und Sadiq, 16, finden das auch. Die beiden wachsen in Haus Nr. 3 des SOS-Kinderdorfs auf. Fatumah sagt, sie habe gelernt, dass man stolz auf sich selbst sein dürfe. Das war dem bescheidenen, stillen Mädchen eher neu. Sadiq, der als besonders klug gilt, schwärmt regelrecht: Er habe gelernt, einen Arbeitsplan aufzustellen und das Leben ernster zu nehmen. Als Muslim wisse er jetzt auch viel mehr über Christen. Fatumah will später Ärztin werden, Sadiq Bauingenieur. Der "Lifeskills"-Unterricht soll demnächst an weiteren SOS-Schulen angeboten werden und idealerweise von hier den Weg in die staatlichen Schulen finden – und einen kleinen Beitrag leisten zu einem friedlichen, selbstbewussten Afrika.

 

* Wir haben die Namen der Kinder geändert, um ihre Identität zu schützen.

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