Internationale Expertenkommission

Die SOS-Kinderdörfer haben eine internationale Expertenkommission ins Leben gerufen, um Verstöße gegen den Kinderschutz lückenlos aufzuarbeiten. Hier stellen wir die Kommission vor.

Eine unabhängige, von SOS-Kinderdorf International eingeleitete Untersuchung, hat ergeben, dass einzelne Länderorganisationen unser Fürsorgeversprechen, unsere Kinderschutzpolitik und unseren Verhaltenskodex nicht vollständig umgesetzt haben. Die Untersuchung, deren Ergebnisse wir im Mai 2021 veröffentlicht haben, ist ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg der SOS-Kinderdörfer, den Kinderschutz kontinuierlich weiterzuentwickeln. Jedes einzelne Kind, dem Schaden zugefügt wird, ist eines zu viel.   

Als Reaktion auf die Ergebnisse der unabhängigen Untersuchung haben wir umfangreiche Maßnahmen eingeleitet, um den Schutz von Kindern noch stärker in den Mittelpunkt unserer Organisationskultur zu stellen und die Vorfälle im Interesse der Betroffenen vollumfänglich aufzuarbeiten.   

Um hierbei ein Höchstmaß an Transparenz zu gewährleisten, haben wir eine unabhängige Experten-Kommission gegründet, die jedem einzelnen Vorfall nachgeht und Strukturen entwickeln wird, mit der unsere Organisation in Zukunft Strukturen verbessern sowie Vorwürfe noch entschiedener untersuchen und sanktionieren kann. Die Mitglieder der Sonderkommission wurden in einem sorgfältigen Verfahren ausgewählt und auf ihren Hintergrund überprüft. Mit Willy Mutunga, ehemals Oberster Richter aus Kenia, Mona Ali Khalil, Juristin und ehemalige Mitarbeiterin der UN aus Saudi-Arabien, Andras Vamos-Goldman, ehemaliger Diplomat und Aktivist für Menschenrechte aus Kanada, und Gitta Mittal, ehemalige Oberste Richterin des Obersten Gerichtshofs von Jammu und Kaschmir, konnten wir sehr erfahrene internationale Experten für den Prozess gewinnen, die unabhängig agieren.   

Vorsitz: Willy Mutunga, ehemaliger Oberster Richter, Kenia

Foto: CC BY 2.0

Willy M. Mutunga hat den Kommissionsvorsitz. Er war von 2011 bis 2016 Oberster Richter in Kenia. Er ist ein weltweit anerkannter Gelehrter, Anwalt und Reformaktivist, dem entscheidende Reformen zugeschrieben werden, die unter anderem zur Neuordnung der kenianischen Verfassung von 2010 geführt haben.  

Willy Mutunga hat Rechtswissenschaften an der Universität von Nairobi, Kenia, gelehrt und war regionaler Leiter der „Ford Foundation“ in Ostafrika; in früheren Jahren hat er sich als Aktivist für politische und soziale Reformen der kenianischen Zivilgesellschaft eingesetzt. 

Er ist bis heute Mitglied zahlreicher Kommissionen in und außerhalb Kenias und engagiert sich besonders in den Bereichen Wahlen und Menschenrechte.

Für seine herausragenden Beiträge zur Weiterentwicklung der Menschenrechts-Gesetzgebung, der verantwortungsbewussten Regierungsführung und der sozialen Gerechtigkeit hat Willy Mutunga zahlreiche Ehrungen erhalten. 

Mona Ali Khalil, Saudi-Arabien

 

Mona Ali Khalil war von 1993 bis 2015 für die Vereinten Nationen (Office of the Legal Counsel) tätig und hat den UN-Generalsekretär, den Sicherheitsrat und die Generalversammlung in zahlreichen komplexen juristischen Fragen und sensiblen Themen beraten - rund um die Bereiche Friedenssicherung, Sanktionierungen, Abrüstung und Terrorabwehr. 

2018 hat sie die Beratungsfirma "MAK Law International" gegründet, die Regierungen und zwischenstaatliche Organisationen dabei berät, ihre Rechte und Pflichten im Sinne der Völkergerechtigkeit wahrzunehmen.

Mona Ali Khalil hat an der Harvard Universität ihren Abschluss im Bereich "Internationale Beziehungen" gemacht, sowie an der Georgetown Universität einen Master im Bereich "Auswärtiger Dienst" und einen Doktor in Jura. Sie ist Mitglied des Harvard Law School Programms für Internationales Recht und bewaffnete Konflikte und des UN-Institut für Abrüstungsforschung. 

Andras Vamos-Goldman, Ungarn / Kanada 

 

Andras Vamos-Goldman ist Mitgründer und seit zehn Jahren Leiter der Organisation "Justice Rapid Response", die auf internationale Untersuchungen spezialisiert ist und dazu beigetragen hat, dass internationale Verbrechen wie Völkermord, Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und ein breites Spektrum an Menschenrechtsverletzungen mit Nachdruck zur Anklage gebracht werden. 

Andras Vamos-Goldman war außerdem als Diplomat in zahlreichen Ländern in Ostafrika, Washington DC, die Vereinten Nationen in New York und in Südafrika tätig. 

Sein Einsatz für Internationale Gerechtigkeit und Untersuchungen geht zurück bis in die späten 90er-Jahre: Damals war er an der Einrichtung eines Sondergerichts in Sierra Leone beteiligt. Er war außerdem Mitglied des Vorbereitungsausschusses des Internationalen Strafgerichtshofs.

Richterin Gita Mittal, Indien

 

Gita Mittal war ab 2004 Richterin am Obersten Gerichtshof von Delhi und von 2017 bis 2018 amtierende Oberste Richterin des Obersten Gerichtshofs von Delhi. Danach wurde sie als erste Frau als Oberste Richterin für den Bundesstaat Jammu und Kaschmir vereidigt. Ende 2020 trat sie von diesem Amt zurück.

Die Urteile von Richterin Mittal hatten weitreichende Auswirkungen in zahlreichen Rechtsbereichen und stärkten die Rechte von Frauen, Menschen mit Behinderungen und Opfern sexueller Gewalt. Sie wurde international für ihre juristischen Interventionen und Innovationen anerkannt.

Im Laufe ihrer Karriere hat Gita Mittal Programme zu verschiedenen gesellschaftlich relevanten Themen durchgeführt, darunter Rechtshilfe, Sensibilisierung für Geschlechterfragen und Behinderungen, Umwelt, Katastrophenmanagement und die verfassungsmäßigen Rechte von Randgruppen.

Richterin Mittal ist Trägerin des angesehenen Nari Shakti Puruskar Award, der höchsten zivilen Auszeichnung für Frauen in Indien, die ihr 2018 vom indischen Präsidenten verliehen wurde.

Aufgaben und Mandat der Kommission

  • Erfassen, Bewerten und Priorisieren der erhobenen Vorwürfe, Einleiten weiterer Untersuchungen, sofern diese als notwendig erachtet werden 

  • Basierend auf den Ergebnissen dieser Untersuchungen Einordnen, ob ein Fehlverhalten vorliegt und ob die Bedenken gerechtfertigt sind

  • Erfassen allgemeiner Vorwürfe und Bedenken in Bezug auf Kinderschutz, generelle Schutzmechanismen, Einsatz von Geldern, Compliance, Management, Governance und anderer Bereiche, die als wichtig erachtet werden, und Formulieren von Empfehlungen für geeignete Maßnahmen an den Senat von SOS-Kinderdorf International. 

Wir setzen uns für einen schonungslosen Aufarbeitungsprozess in der gesamten Organisation ein und werden uns an die definierten Kriterien und Empfehlungen der Kommission verbindlich halten. 

Die Expertenkommission wird unabhängig darüber entscheiden, zu welchem Zeitpunkt und in welcher Form sie über die Ergebnisse ihrer Arbeit berichtet. Aller Voraussicht nach aber werden die Mitglieder der Kommission erste Ergebnisse der Aufarbeitung im April 2022 vorlegen. Sobald der Bericht vorliegt, wird SOS-Kinderdorf International Informationen bereitstellen. 

 

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