LGBTIQ: Kinder und Jugendliche

Sexuelle und geschlechtliche Selbstbestimmung

Sexuelle Identität und Orientierung sind Teil der Persönlichkeitsentwicklung von Kindern und Jugendlichen. Dabei wird gemeinhin von der Norm ausgegangen. Kinder und Jugendliche, die dem nicht entsprechen, lesbisch, schwul oder etwa intersexuell sind, fallen durchs Raster. Auch in liberalen Gesellschaften erfahren sie in ihrem Umfeld häufig Ablehnung und Diskriminierung - und in vielen Ländern steht Homosexualität immer noch unter Strafe.

Wofür steht LGBTIQ?

Die Abkürzung (Englisch: Lesbian Gay Bisexual Trans Intersex Queer) steht für lesbische, schwule, transsexuelle, transgender, intersexuelle und queer lebende Personen und Lebensweisen. Im Deutschen auch: LSBTIQ.

Menschen werden als intersexuell bezeichnet, wenn sich ihr Körper nicht eindeutig dem weiblichen oder männlichen Geschlecht zuordnen lässt. Es ist keine Krankheit. 

Queer bezeichnet alle, deren sexuelle Orientierung und Geschlechtsidentität sich nicht mit den gängigen Kategorien der Zwei-Geschlechter-Ordnung erfassen lassen.

  • Sie sind oft verunsichert, weil sie angeblich "anders" sind. Vielfach wird ihnen durch die Gesellschaft und ihr Umfeld suggeriert, dass mit ihnen etwas nicht stimme. Vor allem in traditionell und religiös geprägten Ländern gilt Homosexualität häufig als etwas Negatives, als "Sünde" oder "Krankheit".
  • Häufig sind sie von Mobbing und Diskriminierung betroffen. Das beginnt mit scheinbar harmlosen Bemerkungen ("Das ist doch schwul!") bis hin zu massiven psychischen und physischen Verletzungen und zieht sich durch alle Lebensbereiche.
  • Im schlimmsten Fall verlieren Kinder die elterliche Fürsorge: Viele LGBTIQ-Kinder erfahren Vorurteile und Gewalt innerhalb ihrer Familien, bis hin zur Verstoßung. Nach einer Studie aus den USA leben LGBTIQ-Kinder überdurchschnittlich häufig in Pflegefamilien oder auf der Straße.
  • In vielen Ländern steht Homosexualität unter Strafe, sodass Betroffene zusätzlich kriminalisiert werden.

Eine Menge hat sich getan im Zusammenhang mit den Rechten für die Gemeinschaft der LGBTIQ, also aller Personen, die nicht heterosexuell sind oder andere Geschlechtsidentität besitzen, vor allem in westlichen Ländern. In Europa beispielsweise kann man in mittlerweile 15 Staaten den gleichgeschlechtlichen Partner heiraten. Homosexualität wurde auch in vielen Staaten Lateinamerikas, in Indien und auch einigen afrikanischen Staaten entkriminalisiert.

Verfolgt und diskriminiert in 80 Ländern

Dennoch ist Homosexualität in etwa 80 Ländern weltweit noch immer strafbar, besonders in religiös geprägten afrikanischen und asiatischen Staaten – mit Freiheitsstrafen bis hin zu lebenslanger Haft oder gar der Todesstrafe.

Im Sudan oder im Norden Nigerias droht Homosexuellen die Todesstrafe. Auch Uganda gilt in Afrika als eines der gefährlichsten Länder für Homosexuelle, denen dort 20 Jahre Haft drohen.

Zu den schwulenfeindlichen Staaten zählt auch die Karibikinsel Jamaika, wo auf homosexuelle Handlungen unter Männern bis zu 10 Jahre Freiheitsstrafe stehen.

In Asien droht Homosexuellen in Bangladesch und Pakistan lebenslange Haft. Rigoros verhängt und öffentlich vollstreckt wird die Todesstrafe bei homosexuellen Handlungen in Saudi-Arabien und im Iran. In diesen beiden Ländern sind die SOS-Kinderdörfer allerdings nicht tätig.

Wo Homophobie gesellschaftsfähig bleibt

Ein Beispiel von vielen weltweit: In Russland ist Homophobie weit verbreitet. 2013 wurde ein Gesetz verabschiedete, das "Propaganda für Homosexualität bei Minderjährigen" unter Strafe stellt. Ein Kuss zwischen zwei gleichgeschlechtlichen Erwachsenen in der Öffentlichkeit stellt bereits eine Straftat dar.

Grundlage unserer Unterstützung aller Kinder und Jugendlicher ist die UN-Kinderrechtskonvention. Diese besagt unter anderem in Artikel 2, dass kein Kind aufgrund seines Geschlechts diskriminiert werden darf.

Unsere SOS-Kinderschutzrichtlinien stellen klar:

"Wir respektieren die sexuelle Orientierung und Identität jedes Kindes und setzen uns dafür ein, dass kein Kind diskriminiert wird."

LGBTIQ-Kinder und -Jugendliche, die ihre Familie verloren haben, haben es doppelt schwer: Einerseits müssen sie die Trennung von ihren Eltern bewältigen - im SOS-Kinderdorf werden sie durch ein liebevolles und sicheres Umfeld bestmöglich unterstützt, dennoch bleibt dies eine Herausforderung. Sind die Kinder zusätzlich mit ihrer abweichenden sexuellen Identität und Orientierung konfrontiert, kann sie das in eine schwere Krise stürzen.

Aufklärung und Bewusstseinsbildung sind ein entscheidender Schlüssel, um SOS-Mitarbeiter*innen oder Lehrer*innen sowie die anderen Kinder zu erreichen. Denn die Vorurteile, die in vielen Gesellschaften vorhanden sind, machen auch vor den Kinderdörfern und ihrem direkten Umfeld nicht halt. Dem gilt es, aktiv entgegenzuwirken.

In Ländern, wo Homosexualität unter Strafe steht, stoßen wir allerdings an unsere Grenzen: Der Einsatz für LGBTIQ-Rechte kann dort zur zwangsweise Schließung der SOS-Programme führen, Mitarbeiter*innen verhalten sich womöglich gesetzeswidrig und setzen sich der Gefahr drastischer Strafen aus.

Pilotprojekte und Erfolgsgeschichten

Während wir in manchen Ländern noch am Anfang unseres Engagements für LGBTIQ-Kinder und -Jugendliche stehen und uns vor allem als lernende Organisation begreifen, können wir andernorts auf Pilotprojekte verweisen und Erfolgsgeschichten erzählen:

Beispiel Argentinien: Mit der Aufklärungskampagne "Todas/os estamos incluídas/os” (Wir sind alle dabei) bringen die SOS-Kinderdörfer das Thema "Sexuelle Vielfalt" in Argentinien in eine Gesellschaft, die stark von klassischen Rollenbildern und Machismo geprägt ist. Seit 2016 wurden die Mitarbeiter*innen an allen Standorten geschult, Handbücher wurden erstellt und Jugendliche aus den Kinderdörfern gehen als Multiplikatoren in Schulen oder Jugendclubs. Hier erfahren Sie mehr zu dem LGBTIQ-Pilotprojekt der SOS-Kinderdörfer in Argentinien.

Beispiel Peru: Die SOS-Kampagne "Neue Maskulinitäten" hat Geschlechterstereotypen hinterfragt und sich für aktive Vaterschaft eingesetzt.

Erfolgsgeschichte aus Sri Lanka: Buddhika kam mit nur einem Monat ins SOS-Kinderdorf Galle in Sri Lanka. Früh stellte sich heraus, dass er anders war, nicht an den Spielen der Jungen interessiert war, sich gerne schminkte - weiblich fühlte. Seine SOS-Mutter beriet sich mit einem Psychologen und unterstützte Buddhika. Er konnte seinen Bedürfnissen entsprechend aufwachsen und entschied sich als junger Erwachsener, "Buddhi" zu sein, eine Frau. In Indien lernte Buddhi klassische Tänze - und träumt heute davon, eine Weltklasse-Tänzerin zu werden. Zu ihrem Kinderdorf hält sie nach wie vor engen Kontakt.

Die SOS-Kinderdörfer führen dazu keine Statistik. Es ist davon auszugehen, dass der Anteil der LGBTIQ-Kinder und -Jugendlichen in unseren Programmen etwa dem Bevölkerungsdurchschnitt entspricht. Möglicherweise ist ihr Anteil auch höher: Nach einer Studie aus den USA leben LGBTIQ-Kinder überdurchschnittlich häufig in Pflegefamilien oder auf der Straße.

In Ländern, in denen Homosexualität kriminalisiert oder stark tabuisiert wird, offenbaren LGBTIQ-Kinder und -Jugendliche in SOS-Programmen ihre sexuelle Orientierung und Identität häufig nicht, wie wir von Betroffenen wissen.

Die SOS-Kinderdörfer haben für alle SOS-Programme verbindliche und transparente Kinderschutz-Richtlinien implementiert. Dazu gehört auch der Schutz vor jeglicher Art von Diskriminierung aufgrund der sexuellen Identität und Orientierung.

In jedem SOS-Programm gibt es ein Team von Kinderschutzbeauftragten, bei denen mutmaßliche Fälle von Diskriminierung oder Mobbing angezeigt werden können.

Die Kinderschutzbeauftragten tauschen sich regelmäßig aus, bilden sich fort und wissen, was zu tun ist, wenn es Hinweise auf eine Gefährdung des Kindeswohls gibt. Hinweise können direkt an sie, an die Kinderschutzbeauftragten des Landes oder auch online abgegeben werden. Im Internet gibt es eine Seite, die sich speziell an Kinder richtet, die hier auch anonym Hinweise abgeben können.
Wichtig ist, in den SOS-Programmen für eine vertrauensvolle Atmosphäre zu sorgen, in der weder Mitarbeiter*innen noch Kinder Angst haben müssen, Missbräuche anzuzeigen.

Als Kinderhilfsorganisation sind wir uns unserer großen Verantwortung bewusst. Gerade, wenn es um ein so sensibles Thema wie die sexuelle Identität und Orientierung geht, ist es wichtig, dass die Kinder Schutz und Unterstützung bekommen.

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