Aids in Afrika

Fakten, Zahlen und Hintergrundinformationen zur Epidemie

Aids in Afrika ist eine der größten humanitären Katastrophen unserer Zeit. Südlich der Sahara ist die Epidemie die häufigste Todesursache. Zwei Drittel aller HIV-Infizierten weltweit sind Afrikaner. Die Armutskrankheit Aids hat verheerende soziale und auch wirtschaftliche Folgen. So wachsen Millionen Aids-Waisen ohne Zukunft auf. Doch es gibt auch Fortschritte im Kampf gegen HIV/Aids südlich der Sahara.
Kampf gegen Aids durch Aufklärung: Zeichnung eines Schülers an der SOS-Schule in Bakoteh in Gambia

Die Ausbreitung von HIV/Aids zum Stillstand zu bringen - das war eines der Millenniums-Entwicklungsziele der Vereinten Nationen, die bis 2015 erreicht werden sollten. Trotz erheblicher Erfolge im Kampf gegen die Aids-Epidemie kann von der Umsetzung dieses Ziels keine Rede sein. Aids ist in Afrika nach wie vor eines der größten Entwicklungshemmnisse und eine der wichtigsten gesellschaftlichen Herausforderungen. Das neue Ziel der Vereinten Nationen ist es, bis 2030 die Aids-Epidemie weltweit zu beseitigen.

Aids in Afrika: Das sagen die Zahlen

Etwa 36,7 Millionen Menschen sind weltweit mit HIV infiziert, darunter 2,1 Millionen Kinder. Rund 25,5 Millionen der Infizierten leben in Afrika südlich der Sahara. 2016 waren 730.000 Aids-bedingte Todesfälle in der Region zu beklagen. Mehr als zwei Drittel der weltweiten HIV-Neuinfektionen entfallen auf Subsahara-Afrika. Damit ist die Region am stärksten von der HIV/Aids-Pandemie betroffen.

Dank einer verbesserten medizinischen Versorgung konnte die Sterberate in vielen Ländern erheblich reduziert werden, trotzdem bekommen immer noch 11,7 Millionen Infizierte keine antiretrovirale Therapie - die medikamentöse Behandlungsstrategie bei HIV-Patienten.

Aids in Afrika: besonders stark betroffene Länder

Von den insgesamt 25,5 Millionen Infizierten in Afrika südlich der Sahara sind 1,85 Millionen jünger als 15 Jahre. Zu den am stärksten unter der HIV-Epidemie leidenden Ländern gehören die afrikanischen Staaten Swasiland, Botswana, Lesotho, Malawi, Namibia, Nigeria, Kenia und Simbabwe. Die meisten HIV-Infizierten leben aber in Südafrika: Mit über sieben Millionen Aids-Kranken, darunter etwa 320.000 Kinder, hat das Land bei einer Gesamtbevölkerung von rund 56 Millionen eine der weltweit höchsten HIV-Raten. Zu erschreckenden Ergebnissen kam eine Studie der südafrikanischen Regierung aus dem Jahr 2012: 28% aller  Schulmädchen seien HIV-positiv. Da die Infektionsrate bei ihren männlichen Mitschülern nur bei 4% liegt, nimmt die Regierung an, dass die Mädchen sich bei älteren Männern, den sogenannten "sugar daddies", anstecken.

Aids-Waisen in Afrika

Die Mutter starb an Aids, nun kümmert sich die Großmutter um die verwaiste Enkeltochter: Die Familienhilfe der SOS-Kinderdörfer in Bangui, Zentralafrika - Foto: Sylvain Cherkaoui

1,7 Millionen Aids-Waisen leben in Südafrika, in Mosambik sind es 1,2 Millionen Kinder und 670.000 Kinder in Malawi - sie alle haben ein oder beide Elternteile durch die Immunschwächekrankheit verloren. Insgesamt leben fast 14 Millionen Aids-Waisen in den Ländern südlich der Sahara. In einigen Landstrichen des südostafrikanischen Landes Malawi hat die tückische Krankheit jedem zweiten Erwachsenen das Leben genommen und Kinder zu Waisen gemacht. Viele von ihnen haben ihre Eltern gepflegt und mussten sich gleichzeitig um ihre jüngeren Geschwister und den Lebensunterhalt für die Familie kümmern. Werden die Waisen nach dem Tod ihrer Eltern nicht von Verwandten aufgenommen, sind sie ganz auf sich allein gestellt. Viele von ihnen landen dann auf der Straße ohne Hoffnung auf eine Zukunft.

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Aids in Afrika: Ursachen für die starke Ausbreitung des HI-Virus

Die Gründe für die starke Ausbreitung von Aids im Afrika südlich der Sahara sind vielfältig. Zu den am häufigsten genannten Ursachen zählen:

  • Armut: Etwa die Hälfte der Menschen weltweit, die unter extremer Armut leiden, lebt in den Ländern südlich der Sahara. Das sind knapp 390 Millionen Menschen. Das knappe Geld reicht meist nicht, um sich durch Kondome vor Ansteckung zu schützen, geschweige denn für einen HIV-Test oder gar eine antiretrovirale Therapie.
  • Unzureichende medizinische Versorgung: Zwar erhalten auch in Afrika immer mehr Menschen Zugang zu Aids-Tests und HIV-Medikamenten. So lassen sich z.B. Babys vor Mutter-Kind-Übertragung schützen. Doch die Gesundheitssysteme in Afrika sind dem Kampf gegen die Aids-Epidemie nach wie vor nicht gewachsen. Es fehlt an Krankenhäusern ebenso wie an Ärzten.
  • Mangelnde Prävention und Aufklärung: Präventions- und Aufklärungskampagnen wurden in vielen Ländern Afrikas erst viel zu spät gestartet. Viele Regierungen ignorierten die Krankheit, mit der Folge, dass sie sich 20 Jahre lang ungehindert ausbreiten konnte. Noch heute ist das Wissen über den HI-Virus in großen Teilen der Bevölkerung unzureichend. Aufklärung wird nicht zuletzt dadurch erschwert, dass ein Großteil der Menschen keinen Zugang zu Bildung haben.
  • Tabu und Stigma: Aids gilt in vielen afrikanischen Ländern als Tabuthema. HIV-Infizierte werden stigmatisiert und von der Gesellschaft ausgestoßen. Viele halten daher ihre Krankheit geheim - auch vor ihren Sexualpartnern. Folge: Sie stecken andere wissentlich an.
  • Sexualverhalten: Die in verschiedenen Regionen Afrikas praktizierte Polygamie und Promiskuität begünstigen die Ausbreitung von HIV/Aids.
  • Prostitution: Aufgrund großer Armut ist auch Prostitution in Afrika weit verbreitet. Die Freier sind häufig Männer, die auf der Suche nach Arbeit von Ort zu Ort ziehen und häufig wechselnde Sexualpartner haben. Prostituierte und Freier stecken sich an und tragen das HI-Virus weiter.
  • Sexuelle Gewalt gegen Frauen: Südafrika, eines der am stärksten von der Epidemie betroffenen Länder, hat eine der höchsten Vergewaltigungsraten der Welt. Viele Frauen erkranken an Aids, weil sie von einem HIV-infizierten Täter vergewaltigt wurden.

Aids in Afrika: Armutskrankheit und humanitäre Katastrophe

Aids in Afrika ist eine der größten humanitären Katastrophen der Welt und führt auf dem Kontinent zu gravierenden sozialen und wirtschaftlichen Konsequenzen. Armut ist nicht nur Ursache, sondern auch Folge der Aids-Epidemie in Afrika.

Soziale Folgen:

  • durchschnittliche Lebenserwartung der Bevölkerung sinkt
  • Anzahl der Waisenkinder wächst
  • Anzahl der Menschen, die unter der Armutsgrenze leben, steigt an

Wirtschaftliche Folgen:

  • Verlust von Arbeitskräften
  • Verringerung der Produktion, gerade auch in der Landwirtschaft
  • steigende Gesundheitsausgaben, die die öffentlichen Haushalte belasten
  • Rückgang der Steuereinnahmen
  • Rückgang der Auslandsinvestitionen
  • Verringerung des Wirtschaftswachstums
  • Entwicklungserfolge werden zunichte gemacht.

Aids in Afrika - aktuelle Trends

Nach Jahrzehnten von Hiobsbotschaften konnte UNAIDS zuletzt beachtliche Erfolge im Kampf gegen Aids in Afrika vermelden: In vielen afrikanischen Ländern südlich der Sahara war die Zahl der Aids-Toten in den vergangenen Jahren rückläufig. Während im Jahr 2006 in Subsahara-Afrika noch 1,54 Millionen Menschen an dem HI-Virus starben, waren es im Jahr 2016 rund 730.000. Zwischen 2006 und 2016 gingen die Neuinfektionen in der Region außerdem um rund 35% zurück.

Auch bei den 90-90-90 Zielen, welche die UN bis 2020 erreichen will, sind Fortschritte zu vermelden:

  • 90 % der Infizierten sollen eine Diagnose erhalten haben und sich darüber bewusst sein, dass sie das Virus in sich tragen. Stand 2016: 70 %.
  • 90 % von ihnen sollen in Behandlung sein und eine lebensrettende antiretrovirale Therapie erhalten. Stand 2016: 77 %.
  • Bei 90 % der Behandelten soll dies zu einer maßgeblichen Virus-Reduktion führen, so dass HIV dann auch mehr übertragbar ist. Stand 2016: 82 %.

Die Zahlen zeigen, dass die eingeleiteten Maßnahmen zur Bekämpfung von HIV/Aids in Afrika ihre Wirkung zeigen und die Ausbreitung der Krankheit, wenn nicht  gestoppt, dann zumindest stark reduziert werden kann.

SOS-Kinderdörfer im Kampf gegen Aids in Afrika

Trotz dieser Erfolge brauchen die Menschen in Afrika auch weiterhin Hilfe - gerade die Kinder. Die SOS-Kinderdörfer geben Aids-Waisen in Afrika ein Zuhause und eine Zukunft.