Kinder aus Mossul oft schwer traumatisiert

SOS-Kinderdörfer fordern Allianz für Kinder im Irak

03.07.2017 - Dohuk - Kurz vor dem endgültigen Fall von Mossul wurden vermutlich tausende Kinder in der Stadt vom IS verschleppt, versklavt, vergewaltigt oder zu Kindersoldaten ausgebildet. "Wir stehen vor einer riesigen Herausforderung: Diese Kinder haben schwere Traumata erfahren, die ihnen ein normales Leben häufig unmöglich machen", teilt Katharina Ebel, Nothilfe-Koordinatorin der SOS-Kinderdörfer in Dohuk mit.

"Die Kinder durchleben die Gewalt, die sie erfahren haben oder mitansehen mussten, jeden Tag aufs Neue. Es sind Motorengeräusche, schwarze Kleidung oder Bärte, die die grauenhaften Bilder immer wieder heraufbeschwören", sagt Ebel. "Die Kinder müssen schnellstmöglich behandelt werden. Wir müssen ihnen zeigen, dass das Leben wertvoll ist. Sie brauchen jetzt Liebe, Verständnis und gute Vorbilder, damit sie nicht in der Gewalt verhaftet bleiben oder in den Extremismus abrutschen."

Viele der Kinder, die im Flüchtlingslager Khanke bei Dohuk leben, haben grausames erlebt und sind schwer traumatisiert. Foto: Ralph Gladitz

Die SOS-Kinderdörfer betreiben seit einiger Zeit im Flüchtlingscamp Khanke bei Dohuk ein einzigartiges psychosoziales Modellprojekt für schwer traumatisierte jesidische Kinder. Dabei haben Psychologen der Organisation 20 Personen aus dem Camp zu Traumatherapeuten ausgebildet, um schnell so vielen Kindern wie möglich zu helfen. "So werden die Kinder wieder Herr über ihre Emotionen und Reaktionen und sind ihnen nicht hilflos ausgeliefert", erklärt Ebel.

Das Projekt wird auch vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) unterstützt. Zudem werden ab September Zirkusworkshops angeboten, die Kinder unterschiedlicher Ethnien und Religionen in den Camps auf spielerische Weise zusammenbringen soll.

Wir bemühen uns um eine enge Zusammenarbeit mit den Behörden und weiteren NGOs vor Ort und weltweit. "Wir benötigen im Nordirak eine Allianz der Behörden, Hilfsorganisationen und der UN, um der gewaltigen Aufgabe gewachsen zu sein, diese Kinder wieder zu reintegrieren und ihnen eine lebenswerte Zukunft zu ermöglichen", fordert Ebel.