Ukraine-Krise: 200.000 Kinder schwer traumatisiert

17.05.2017 - Immer mehr Kinder geraten im anhaltenden Konflikt im Osten der Ukraine nicht nur körperlich, sondern auch seelisch in Not. Inzwischen benötigen 200.000 Kinder in der Ostukraine dringend psychologische Betreuung.
Verletzte Kinderseelen: Mädchen mit Mutter bei Lugansk - Foto: Katerina Ilievska

"Der Konflikt fordert nicht nur Tote, sondern zerstört auch Kinderseelen", sagt Andriy Chuprikow, Leiter der SOS-Kinderdörfer in der Ukraine. "Hunderttausende mussten ihr Zuhause verlassen, um vor den andauernden Kämpfen zu fliehen, ihre Häuser sind zerstört, viele von ihnen haben Eltern oder Geschwister verloren."

Alpträume und Panikattacken

"Am Anfang haben die Kinder nicht gespielt und geredet. Jetzt können sie einfach wieder Kind sein", sagt SOS-Psychologin Lyudmila, die Kinder bei Stanytsia Luhanska betreut. Foto: Katerina Ilievska

"Das führt dazu, dass viele Kinder schwer traumatisiert sind", sagt Chuprikow. Typische Symptome dafür seien Reizbarkeit, Wutausbrüche, Bettnässen, Alpträume und Panikattacken. Dies führe zu Beeinträchtigungen selbst im Erwachsenenalter. "Kriegserlebnisse schädigen nicht nur die Psyche des einzelnen Kindes, sondern zerstören die Gesellschaft als Ganzes auf Generationen hinweg", warnt Chuprikow.

Psychosoziale Betreuung der Kriegskinder

Doch können Kinder, die Krieg erlebt haben, neue Perspektiven finden – das sei die gute Nachricht. "Deshalb ist die psychosoziale Betreuung der Kriegskinder ein Schwerpunktbereich der SOS-Kinderdörfer in der Ukraine. Unsere Psychologen helfen den Kindern dabei, die Fähigkeit zu entwickeln, das Erlebte zu verarbeiten", sagt Chuprikow.