Capoeira: Kinder tanzen sich stark

Die afrobrasilianische Tanz-Kampfkunst gibt SOS-Kindern in Costa Rica Selbstbewusstsein

Spektakuläre Drehsprünge und Salti, begleitet von pulsierenden Trommelrhythmen und Gesang – das ist Capoeira, die afrobrasilianische Tanz-Kampfkunst. Die Verbindung von Akrobatik und Musik macht gerade auch Kindern jede Menge Spaß. So waren die Mädchen und Jungen aus den SOS-Kinderdörfern in Costa Rica begeistert, als in San José ein Capoeira-Projekt startete. Dabei geht es nicht nur um Körperbeherrschung und Kreativität: Das Training stärkt auch das seelische Gleichgewicht der SOS-Kinder, von denen viele häusliche Gewalt, Armut und Vernachlässigung erfahren mussten.
Zwei Kinder in Costa Rica beim Capoeira-Training
Rhythmischer Schaukampf: Zwei Kinder in Costa Rica beim Capoeira-Training.

"Ich gehe zweimal pro Woche zum Capoeira-Training und ich wünschte, es wäre noch öfter. Das ist so cool!", erzählt die achtjährige Nathalia aus dem SOS-Kinderdorf Tres Rios. Neben dem gemeinsamen Tanzen und Singen ist auch das Bauen, Bemalen und Spielen der typischen Capoeira-Musikinstrumente Berimbau und Cabaças Teil der Workshops. Zudem lernen sie portugiesische Wörter und damit eine neue Sprache und Kultur kennen. Denn Capoeria entstand in Brasilien, als afrikanische Sklaven Selbstverteidigungstechniken trainierten und dies als Tanz tarnten.

Gemeinsam tanzen und singen - und allmählich über sich hinauswachsen: Capoeira-Lehrer mit Kindern

Über sich hinauswachsen

"Ich komme, um die Kinder zu unterrichten, aber dabei lerne ich auch so viel von ihnen", sagt Capoeira-Lehrer José Miguel Diaz, der gemeinsam mit Mestre Ferradura, einem Brasilianer, die SOS-Kinder trainiert. "Am meisten beeindrucken mich die Kinder, die ganz zu Anfang sagen ‚Ich kann das nicht‘ - und dann im Laufe der Zeit, über sich selbst hinauswachsen. Das ist es, was mich motiviert, mit den Kindern zu arbeiten. Sie haben so viel Energie."

Seelisches Gleichgewicht

Auch die Leiterin des SOS-Kinderdorfes Tres Rios in San José, Gina Sequeira, ist begeistert von den Fortschritten der Kinder: Denn Capoeira verbessert nicht nur ihre Körperspannung und -Beherrschung, sondern auch das Selbstbewusstsein und seelische Gleichgewicht der Mädchen und Jungen. "Das hilft Kindern mit einer von Gewalt beherrschten Vergangenheit, ihre Wut und andere Emotionen besser zu kontrollieren", berichtet Sequeira. Durch die akrobatischen Bewegungsabläufe, die Musik oder das Malen können sie sich auf vielfältige Weise ausdrücken.

"Ich kann´s!": Handstand auf einem Arm

Um möglichst viele Kinder und Jugendliche zu erreichen, hat Capoeira-Meister Ferradura 30 Freiwillige zu Capoeira-Lehrern ausgebildet. Mit finanzieller Unterstützung des Ministeriums für Kultur und Jugend in Costa Rica konnte zudem ein Festival in San José realisiert werden. Im November 2017 fand im Parque La Libertad in San José das erste "Festival de Capoeira Infantil" statt. Capoeira-Meister, Künstler und Trainer aus aller Welt kamen dort zusammen. Dabei konnten nicht nur Kinder aus den SOS-Kinderdörfern, sondern auch aus der Umgebung an zahlreichen Workshops teilnehmen.

Der elfjährige Pedro ist mit Feuereifer dabei. Er hat bereits seinen ersten Kurs absolviert und große Fortschritte gemacht: "Ich habe gelernt, einen Handstand zu machen. Ich hätte nicht gedacht, dass ich das kann. Die Capoeira-Lehrer und die anderen Kinder haben mir dabei geholfen. Und dann habe ich auch angefangen, anderen zu helfen. Wir sind alle Freunde geworden."

Erste Schritte: Capoeira-Kurs für Kinder

 

Und so tanzen die Großen: Capoeira-Lehrer José Miguel Diaz trainiert seit drei Jahren mit den SOS-Kindern und hat die Gruppe "Quilombo da Capoeira" gegründet und stetig ausgeweitet.