Ratgeber: Mein Kind will alleine verreisen

Eine Woche mit Mama und Papa ans Meer? Zwei Wochen wandern? Viele Jugendliche stellen sich ihren Urlaub anders vor: Open-Air-Festivals, Abenteuer mit Freunden – am besten weit weg von den Eltern. Wie geht man als Mutter und Vater damit um? Worauf muss man achten?
Der Wunsch nach einem Urlaub ohne Eltern kommt für viele Jugendliche auf. Für Eltern bedeutet dies eine Gratwanderung zwischen Freiraum geben und Grenzen setzen.

Wann ist mein Kind reif genug für einen Urlaub ohne Eltern?

Es gibt in Deutschland keine gesetzlich festgelegte Altersgrenze, ab wann Kinder und Jugendliche allein verreisen dürfen. Die Entscheidung - und damit auch die Verantwortung - liegt bis zum 18. Geburtstag bei den Erziehungsberechtigten. Der Wunsch nach einem Urlaub ohne Eltern kommt meist schon sehr früh auf, sollte aber nicht unbedingt immer gleich in die Tat umgesetzt werden. Denn das Alter allein ist nicht entscheidend, vielmehr geht es um die persönliche Reife der Kinder. Eltern kennen ihre Kinder am besten und wissen daher, wie viel an Eigenverantwortung sie ihrem Nachwuchs übertragen können. Die Entscheidung ob, wie und in welchem Alter man das eigene Kind alleine verreisen lässt, ist daher sehr unterschiedlich und individuell. 

Wie sollte man den ersten Urlaub ohne Eltern gestalten?

Die Distanz zum trauten Heim sollte vor allem am Anfang nicht zu groß sein. Vielleicht nicht gleich in ein anderes Land, sondern zum Beispiel mit dem Zug in ein benachbartes Bundesland. Dies bietet einige Vorteile: Die Menschen sprechen dort die gleiche Sprache, und bei Krankheiten, Notfällen oder Heimweh können die Eltern schnell zum Kind bzw. das Kind zurück nach Hause. Funktioniert das gut, gewinnt das Kind an Selbstvertrauen und auch das Vertrauen der Eltern in den Nachwuchs steigt.

Was muss ich bei den Reisevorbereitungen unbedingt beachten?

Klären Sie mit Ihrem Kind gemeinsam, wie genau es sich einen Urlaub ohne elterliche Begleitung vorstellt. Denn ohne Eltern muss nicht gleich heißen, dass Ihr Kind ganz ohne Aufsicht verreist. Möglicherweise möchte es eine Sprach- oder Sportreise unternehmen, mit einer Jugendgruppe in den Urlaub, oder sich einer Aktivfreizeit anschließen. Nehmen Sie sich daher gemeinsam mit Ihrem Kind ausreichend Zeit für die Planung eines solchen Urlaubes. Was es bei den Reisevorbereitungen zu beachten gilt:

  • Beziehen Sie zunächst in Ihre Entscheidung mit ein, inwiefern Sie sich im Alltag auf Ihr Kind verlassen können und wer die Reisepartner/innen sind.
  • Erkundigen Sie sich gemeinsam mit Ihrem Kind über die Jugendschutzbestimmungen am Urlaubsort, vor allem hinsichtlich auswärtigen Übernachtens (in Hotels, Jugendherbergen und auf Campingplätzen), das Weggehen am Abend, den Besuch von Lokalen und Veranstaltungen, sowie den Konsum von Alkohol. Wenn Ihr Kind ins Ausland reist, gelten die dortigen Jugendschutzgesetze. Diese geben den rechtlichen Rahmen vor. Sie dürfen nichts über diesen gesetzlichen Rahmen hinaus erlauben, allerdings strengere Regeln festsetzen. Informationen zu den gesetzlichen Bestimmungen im Reiseland finden Sie bei den Reise- und Sicherheitshinweisen des Auswärtigen Amts. Was wo in der EU erlaubt ist, können Sie auch auf einer Website der Bundesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz e.V. (BAJ) nachlesen: Jugendschutz in der EU
  • Geben Sie Ihrem Kind eine Reisevollmacht mit, in der erklärt wird, dass Sie als Erziehungs-berechtigte/r mit dieser Reise einverstanden sind. Diese Vollmacht sollte auch Ihre Telefonnummer für eventuelle Nachfragen enthalten! Fürs Ausland ist es sinnvoll, das Schreiben entweder in der jeweiligen Landessprache mitzunehmen oder zumindest auf Englisch. Auf der Website des Auswärtigen Amtes erfahren Sie mehr zur Einverständniserklärung für Minderjährige.
  • Damit Ihr Kind zusätzlich abgesichert ist, sollten Sie ihm eine Kopie Ihres Ausweises (Reisepass, Personalausweis, etc.) mit Ihrer Unterschrift mitgeben.
  • Für den Krankheitsfall sollte Ihr Nachwuchs immer die Versichertenkarte dabei haben. Außerhalb der EU ist es vorteilhaft, eine Reisekrankenversicherung abzuschließen. Auch medizinische Daten wie etwa diverse Allergien, die Blutgruppe, oder der Hinweis, dass Ihr Kind Diabetiker ist oder zu Epilepsie neigt, sollten sicherheitshalber auf einem Zettel vermerkt werden.
  • Buchen und bezahlen Sie vor der Reise die Unterkunft, da Personen unter 18 Jahren noch nicht voll geschäftsfähig sind. Lesen Sie sich Erfahrungsberichte über das Hotel, die Jugendherberge oder das Zeltlager durch.
  • Treffen Sie klare Vereinbarungen bezüglich des Kontakthaltens, an die sich dann sowohl Eltern als auch Jugendliche halten sollten. Ob ein tägliches SMS, eine WhatsApp-Nachricht, ein wöchentlicher Anruf oder bestimmte Skype-Zeiten handeln Sie am besten gemeinsam aus. Speichern Sie am Handy unter ICE (In Case of Emergency) Ihre Handynummer ein. Achtung: immer mit der deutschen Ländervorwahl +49! Auch die europäische Notfallnummer 112 ist sinnvoll einzuspeichern.
  • Ihr Kind sollte ausreichend Geld mithaben, eventuell auch zusätzliches Geld für mögliche Notfälle.
  • Besprechen Sie mit Ihrem Kind etwaige Not- und Zwischenfälle im Voraus. So ungern man daran denken möchte, diverse Probleme können auf Reisen auftauchen: Der Pass, das Geld oder das Handy könnte gestohlen werden, der Flug könnte Verspätung haben oder gestrichen werden, oder man könnte erkranken. Um für den Fall, dass tatsächlich etwas passiert, vorbereitet zu sein, empfiehlt es sich daher, diverse Situationen durchzusprechen.