Erbe spenden – und damit Kindern in Not helfen

Foto: Getty Images / Westend61

Die SOS-Kinderdörfer erleben Tag für Tag, wie viele Menschen bereit sind, ihr Leben lang eine gute Sache zu unterstützen und in die Zukunft von Kindern in Not zu investieren. Doch es ist genauso möglich, auch über das Leben hinaus zu helfen: Welche Möglichkeiten des gemeinnützigen Vererbens und von Testamentsspenden es gibt, darüber informieren wir Sie an dieser Stelle.
Viele sprechen auch von „Erbe spenden“, wenn sie eigentlich das Gemeinnützige Vererben meinen. Diese Formulierung kann irreführend sein, denn damit kann auch gemeint sein, dass jemand noch zu Lebzeiten selbst Ererbtes spendet. 

 

„Erbschaftsspende“ und „Testamentsspende“: Diese Möglichkeiten gibt es

Egal, ob Sie etwas vererben wollen, ob Sie selbst bald erben werden oder schon geerbt haben – eine gemeinnützige Organisation kann aus den verschiedensten Gründen begünstigt werden. Zum Thema Erbe ergeben sich viele Fragen, die wir gerne beantworten. Gibt es zum Beispiel einen Unterschied zwischen „Erbe“ und „Vermächtnis“? Und aus welchen Gründen sollte man ein erhaltenes Erbe überhaupt spenden?

Vererben und Vermachen sind zwei verschiedene Dinge

Erbe und Vermächtnis, diese Begriffe scheinen sehr ähnlich zu sein, meinen juristisch doch etwas Grundverschiedenes. Wer erbt, der tritt auch als Rechtsnachfolger auf. Er tritt in bestehende Verträge ein und erbt regelmäßig auch die Verbindlichkeiten. Für den Fall, dass diese das Nachlassguthaben übersteigen, sieht der Gesetzgeber hier die Möglichkeit vor, ein Erbe auszuschlagen. Außerdem kann ein Erbe mit bestimmten Auflagen versehen sein, was SOS-Kinderdörfer weltweit z.B. bei der Nachlassabwicklung berücksichtigt. 
Anders sieht es aus, wenn man jemandem etwas vermacht. Der Empfänger des Vermächtnisses hat einen Anspruch auf den ihm zugedachten Teil, etwa Geldbetrag, Schmuckstück, sonstige Wertgegenstände. In der Regel hat ein Vermächtnisnehmer keine Pflichten. Wenn Sie eine gemeinnützige Organisation wie die SOS-Kinderdörfer weltweit bedenken möchten, können Sie ihnen etwas vererben oder vermachen. Welche Form sie wählen, können Sie frei bestimmen. Beides hilft, Kinder und Familien in Not eine Chance auf ein besseres Leben zu geben. 

Was spricht dafür, eine Erbschaft zu spenden?

Eine Erbschaftsspende kommt in Betracht wenn man ein erhaltenes Erbe an eine bestimmte gemeinnützige Organisation weitergeben möchte. Bedenkt man dabei eine gemeinnützige Stiftung, ist man zusätzlich von der Entrichtung der eigenen Erbschafsteuer befreit, wenn man die Weitergabe innerhalb von zwei Jahren nach Anfall der Erbschaft vornimmt.

Erbe spenden: So bestimmen Sie als Erblasser, wer von Ihnen wie bedacht wird

Wenn Sie als Erblasser SOS-Kinderdörfer weltweit unterstützen wollen, dann bietet es sich an, über Ihren Nachlass per Testamentsspende zu verfügen. Denn ein Erbe oder Vermächtnis kommt der jeweiligen gemeinnützigen Organisation in vollem Umfang zugute.
Genauso ist es möglich, dass Sie mit Ihrem Erbe oder Vermächtnis eine eigene Stiftung gründen. Deutlich einfacher, aber ebenso tauglich ist die Zustiftung: Sie unterstützen dabei mit Ihrem Erbe oder Vermächtnis eine bereits bestehende Stiftung, wie z. B. die Hermann-Gmeiner-Stiftung von SOS-Kinderdörfer weltweit.
Sie haben auch die Möglichkeit, schon zu Lebzeiten Schenkungen vorzunehmen, eine Stiftung zu gründen oder einer bestehenden Stiftung Geld zukommen zu lassen. Es ist zu bedenken, dass dieses sich auf den Umfang des Nachlasses auswirkt und somit auch Folgen für die Pflichtteilsansprüche haben kann.

Erbteil übertragen: Diese Möglichkeiten haben Sie, um die Erbschaftsteuer zu reduzieren

Wenn Sie erben, dann fallen je nach Umfang des Erbes Erbschaftssteuern an. Weil sich die Höhe der Erbschaftssteuer schrittweise an bestimmten Betragsschwellen orientiert, kann es sinnvoll sein, einen Teil des Erbes an eine Organisation wie Hermann-Gmeiner-Stiftung der SOS-Kinderdörfer zu spenden, um so die Steuerlast Ihrer Erbschaftssteuer zu senken. Das ist innerhalb von 2 Jahren nach Anfall der Erbschaft möglich. Auf diese Weise schlagen Sie zwei Fliegen mit einer Klappe: Sie spenden Ihr Erbe für den guten Zweck und bekommen eventuell bereits gezahlte Steuer teilweise zurück oder können diese schon im Vorfeld vermeiden.

 

Das eigene Vermögen vererben oder vermachen – häufige Fragen

Was passiert, wenn ich mein Vermögen einer Stiftung hinterlasse ?

Wenn Sie in Ihrem Testament eine Stiftung wie die Hermann-Gmeiner-Stiftung von SOS-Kinderdörfer weltweit als Erbe oder Vermächtnisnehmer bestimmen, dann bleibt das Vermögen fest mit der Stiftung verbunden und erfüllt dort den Stiftungszweck. Das Gleiche gilt, wenn Sie selbst eine Stiftung gründen.

Wie kann ich die Erbschaftssteuer vermeiden?

Erbschaftssteuer muss immer dann gezahlt werden, wenn das Erbe über einem bestimmten Freibetrag liegt, und steigt prozentual, wenn bestimmte Betragsgrenzen erreicht werden. Um die nächsthöhere Betragsgrenze nicht zu überschreiten und somit weniger Erbschaftssteuer zu zahlen, kann der entsprechende Erbteil einer gemeinnützigen Stiftung übertragen werden. Diese Erbspende senkt den Umfang des Gesamterbes und somit auch die zu versteuernde Erbsumme. Indem Sie Ihr Erbe beispielsweise ganz oder teilweise an die Hermann-Gmeiner-Stiftung der SOS-Kinderdörfer weltweit spenden, tun Sie etwas Gutes und reduzieren gleichzeitig die anfallende Steuerlast.

 

Der Pflichtteil

Selbst wenn bestimmte nahe Verwandte nicht im Testament erwähnt oder gar ausdrücklich enterbt sind, so steht ihnen doch ein finanzieller Mindestanteil am Nachlass zu. Einen Anspruch auf den sogenannten Pflichtteil haben Kinder, Enkel und Urenkel des Erblassers. Ebenso sind Ehepartner und eingetragene Lebenspartner sowie die Eltern des Erblassers, sofern dieser keine Kinder hatte, pflichtteilsberechtigt.

Ein Beispiel: Der Erblasser, der zwei Kinder hat, bestimmt seine Lebensgefährtin zur Alleinerbin. Nach dem Tod des Vaters verlangen die Kinder von der Lebensgefährtin ihren Pflichtteil. Die Kinder hätten ohne die Enterbung die gesamte Erbschaft erhalten, also jeweils die Hälfte der Erbschaft. Der Pflichtteil beträgt für jedes Kind nun ein Viertel. Pflichtteilsberechtigte müssen ihren Anspruch gegenüber den Erben innerhalb von drei Jahren ab Kenntnis vom Erbfall geltend machen. Danach verjährt der Anspruch. Der Pflichtteil ist ein reiner Geldanspruch. Es besteht beispielsweise kein Anspruch darauf, als Miteigentümer der Nachlassimmobilie im Grundbuch eingetragen zu werden. Die Höhe des Pflichtteils entspricht der Hälfte des gesetzlichen Erbteils des enterbten Pflichtteilsberechtigten.

Wie kann ich den Pflichtteil mindern?

Ein Entzug des Pflichtteils ist nur unter sehr strengen gesetzlichen Voraussetzungen möglich, so beispielsweise, wenn der Pflichtteilsberechtigte sich einer schweren Straftat gegenüber dem Erblasser schuldig gemacht hat. Es bestehen grundsätzlich rechtliche Möglichkeiten, einen Pflichtteilsanspruch zu reduzieren, so etwa durch eine Schenkung von Geld- oder auch Immobilienvermögen zu Lebzeiten. Hierbei ist dann aber zu beachten, dass zugunsten des Pflichtteilsberechtigten ein sogenannter Pflichtteilsergänzungsanspruch entstehen kann, wenn beispielsweise die Schenkung in den letzten zehn Jahren vor dem Tod des Erblassers vollzogen wurde.

Pflichtteilsergänzungsanspruch

Der Pflichtteilsergänzungsanspruch besteht grundsätzlich in der Höhe des Wertes des geschenkten Betrages oder Gegenstandes: Allerdings verringert sich dieser Wert mit jedem Jahr, das seit der Schenkung verstrichen ist, um ein Zehntel. Je länger eine Schenkung also zurückliegt, desto weniger wird sie bei der Berechnung der Pflichtteilsansprüche berücksichtigt. Davon sind Schenkungen an Ehegatten bzw. eingetragene Lebenspartner ausgenommen. Diese sind grundsätzlich in voller Höhe zu berücksichtigen.

Pflichtteilsverzicht

Wer pflichtteilsberechtigt ist, kann auf seinen Pflichtteil verzichten. Dieser Verzicht muss notariell beurkundet werden. Verzichtet beispielsweise der Sohn des Erblassers auf seinen Pflichtteil, haben auch dessen Kinder, also die Enkel des Erblassers, grundsätzlich keinen Anspruch mehr auf einen Pflichtteil.

 

 

Nachlass-Ratgeber anfordern

Gerne senden wir Ihnen unseren ausführlichen Nachlass-Ratgeber kostenlos und unverbindlich zu.

 

 

Abonnieren Sie unseren Newsletter

Erhalten Sie regelmäßig Informationen zu aktuellen Projekten.

Ihre Spende an die SOS-Kinderdörfer weltweit können Sie von der Steuer absetzen. Die SOS-Kinderdörfer weltweit sind als eingetragene gemeinnützige Organisation anerkannt und von der Körperschaft- und Gewerbesteuer befreit. (Steuernummer 143/216/80527)