"Es ist schön, wenn die Kinder Vertrauen gewinnen"

Wie der Tag einer Betreuerin bei den SOS-Kinderdörfern in Spanien aussieht

Tania Coello betreut sieben Kinder im SOS-Kinderdorf Madrid. Foto: Leonie Fößel

Tania Coello kam in einer Zeit ins SOS-Kinderdorf in Madrid, die ganz anders war als gedacht: Mitten in der Corona-Hochphase im Dezember 2020 begann sie ihre Arbeit als Betreuerin. Die 26-Jährige ist Sonderpädagogin und hat viel mit Kindern mit Behinderung gearbeitet, unterstützte diese besonders in der Schulbildung, bevor sie bei den SOS-Kinderdörfern anfing. Viele ihrer jetzigen Aufgaben sind anders als ihre frühere Arbeit. Im Gespräch erzählt Tania Coello, wie ihr Alltag als Betreuerin aussieht. 

Wie sind die Arbeitszeiten als Betreuerin?

Ich arbeite im Nachtdienst. Das heißt, ich fange um 22.30 Uhr an zu arbeiten. Bis morgens um 9.30 Uhr bleibe ich bei den sieben Kindern in meinem Haushalt. 

Welche Aufgaben hast du während deiner Schicht?

Unter der Woche schlafen die Kleinen meist schon, wenn mein Dienst beginnt. Ich verbringe dann immer ein bisschen Zeit mit den Älteren, bis auch sie ins Bett gehen. Das ist eine wichtige Zeit, um uns besser kennenzulernen, sie erzählen mir wie ihr Tag war. Sie öffnen sich dann auch mehr und erzählen von Problemen. Wenn alle schlafen, mache ich die Hausarbeit und koche für den nächsten Tag das Mittag- und Abendessen. Ich wasche und bügle die Wäsche der Kleinen, desinfiziere Sitze, Tische und die Lichtschalter. Außerdem erstelle ich eine Einkaufsliste und putze das ganze Haus. Am nächsten Morgen wecke ich die Kinder dann auf, ich bereite ihnen das Frühstück vor und dann werden sie in die Schule gebracht. Außerdem füllen wir Betreuer:innen auch immer einen täglichen Bericht ausfüllen, in dem wir schreiben, wie der Tag von jedem Mädchen oder Jungen war, wie sie sich mit ihren Freund:innen verstanden haben, ob sie Besuch hatten oder nicht – also jeden irgendwie relevanten Aspekt. Das ist wichtig, damit der Rest unseres Teams weiß, wie die Lage gerade ist. 

Am Wochenende, wenn alle etwas später ins Bett gehen, denke ich mir immer wieder etwas Besonderes aus. Ich bereite Spiele vor oder wir schauen einen Film oder basteln etwas, und wenn sie dann irgendwann im Bett sind, warten auf mich die gleichen Aufgaben wie sonst auch. 

Ob die Kinder und Jugendlichen mir ihre Geschichte erzählen wollen, ist ihre Entscheidung. Wenn sie sich von selbst öffnen, dann höre ich natürlich zu, aber ich frage nicht explizit nach. 

tania coello

Haben viele Kinder Kontakt zu ihren Ursprungsfamilien?

Das ist unterschiedlich. Besuche und Kontakte müssen von den Behörden autorisiert werden, auch ob sie dort übernachten dürfen oder nicht. Manche Besuche finden im SOS-Kinderdorf statt oder an bestimmten Treffpunkten, solche Treffen sind auch immer mit Überwachung. Andere Kinder und Jugendlichen dürfen das ganze Wochenende mit ihrer Familie verbringen. Die Besuche müssen immer autorisiert werden, also nur in einem stabilen und gesunden Umfeld für die Kinder.

Kennst du von jedem Kind die persönliche Geschichte?

Nein, manche wollen nicht darüber reden. Wenn sie sich von selbst öffnen, dann höre ich natürlich zu, aber ich frage nicht explizit nach. Das ist ihre Entscheidung, ob sie darüber reden wollen. Wenn sie ins SOS-Kinderdorf kommen, dann werden wir natürlich über die Situation und die Gründe informiert, warum sie zu uns kommen. Aber jedes Kind und jede:r Jugendliche hat eine unterschiedliche Geschichte, die oft viel komplizierter ist, als wir es uns vorstellen können. 

Wie nimmst du das Zusammenleben wahr?

Anfangs kann es schon zu Problemen kommen, einige Kinder sind verschlossen und wütend. Nach und nach öffnen sie sich aber und gewinnen Vertrauen. Das ist ein sehr schöner Prozess, nicht nur zwischen den Kindern selbst sondern auch im Miteinander mit uns Betreuer:innen, die sich um sie kümmern. Normalerweise brauchen die Jugendlichen immer ein wenig länger, aber wenn sie sich dann wohlfühlen, sind sie oft richtig liebevoll mit den Kleinen und beschützen sie. Und auch mich unterstützen sie dann, wo immer sie können. 

Etwas komplizierter ist es, wenn Kinder oder Jugendliche Verhaltensauffälligkeiten zeigen oder sehr sensibel sind. Sie brauchen dann eine viel individuellere Betreuung, ohne dass wir natürlich den Rest der Kinder außen vorlassen. 

Untereinander sehen sich die Kinder wie gute Freund:innen, nicht wie Geschwister. Denn manche sind ja auch mit ihren leiblichen Geschwistern hier.

Wenn die Jugendlichen sich erst einmal wohlfühlen, sind sie sehr liebevoll mit den Kleinen und beschützen sie.

Tania coello

Wie verändert die Pandemie das Leben im SOS-Kinderdorf Madrid?

Wir hatten schon Zeiten, in denen die Kinder und Jugendlichen sehr eingeschränkt waren und das hat sie verständlicherweise genervt. Sie haben sich gelangweilt, manchmal waren sie sauer, weil sie drinnen bleiben mussten und es gab Tage, an denen sie einfach keine Lust hatten, eine Maske zu tragen. Als Spanien wegen COVID-19 einen Lockdown verhängte, konnten wir das Haus drei Monate lang nicht verlassen, nur zum Einkaufen. In unserem SOS-Kinderdorf haben deshalb einige der Betreuer:innen die Kinder mit zu sich nach Hause zu ihren Familien genommen während des Lockdowns. 

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