Kolumbien: Hilfe für geflüchtete Familien aus Venezuela

Im Getöse der Weltereignisse geht der Exodus aus Venezuela unbeachtet vor sich. Doch die SOS-Kinderdörfer haben die Kinder und Familien, die sich auf den Weg machen, im Auge und integrieren sie in eigenen Programmen.

Ein höchst riskanter Weg

Es war die Aussicht auf ein besseres Leben - wie tausende geflüchtete Venezolaner:innen wollte auch Viviana mit ihren vier Kindern in Kolumbien einen Neuanfang wagen. Also machten sie sich auf, zu Fuß, mit wenig Hab und Gut im Gepäck.

Kaum, dass die Familie in Kolumbien angekommen war, erkrankte Viviana an einer schweren Virusinfektion. Sie bekam hohes Fieber, ihr Gesundheitszustand verschlechterte sich zusehends. Doch aus Sorge um ihre Kinder zögerte Viviana, in ein Krankenhaus zu gehen. Was würde in der Zwischenzeit mit ihnen geschehen? Die Familie hatte noch kein eigenes Dach über dem Kopf - und keine Verwandten, bei denen die Kinder ein vorübergehendes Zuhause hätten finden können. Viviana wusste, welchen Gefahren unbegleitete Kinder ausgesetzt sind. Das Risiko, dass ihre Kinder Menschenschleppern in die Hände fallen würden, war eines davon.

Dann erhielt sie Hilfe von den SOS-Kinderdörfern Kolumbien. Die Initiative #ProyectoSOS vermittelt unbegleitete geflüchtete Kinder an Pflegefamilien. Kurzfristig wurden Vivianas Kinder von einer Familie in Ipiales aufgenommen. Und so konnte sie sich auf ihre Genesung konzentrieren. Nach einem Monat wurde Viviana aus dem Krankenhaus entlassen und nahm glücklich ihre Kinder in Empfang. Jetzt hat sie wieder die Kraft, ihnen ein neues Zuhause zu schaffen.

Hoffnung ist oft das Einzige, was die Menschen mit sich tragen. Foto: SOS-Archiv

Inseln der Sicherheit

So wie Viviana und ihre Kinder sind viele venezolanischen Familien, die nach Kolumbien geflüchtet sind, auf Hilfe angewiesen. Wenig beachtet von der Weltöffentlichkeit findet hier seit 2015 eine der größte Flucht- und Migrationsbewegung in der jüngeren Vergangenheit statt. Mit über 52 Millionen Einwohnern ist Kolumbien das zweitgrößte Land Südamerikas. Trotz eines gewissen ökonomisches Aufschwungs kämpft das Land mit sozialer Ungleichheit und brodelnden, politischen Spannungen. In diese instabile Situation kommen jedes Jahr Tausende von Menschen aus dem benachbarten Venezuela. Stark gestiegene Lebensmittelpreise, ein unzureichendes Gesundheitssystem sowie mangelnde Berufs- und Bildungschancen treiben diese Menschen dazu, ihre Heimat zu verlassen. Die Zahl der migrierten Venezolaner:innen in Kolumbien wird inzwischen auf 2,8 Millionen geschätzt, wobei ein Viertel davon Kinder sind. "Es kommen ganze Familien, aber vor allem viele unbegleitete Minderjährige über die Grenze", sagt Cristina Urdaneta, Koordinatorin der SOS-Programme in Kolumbien. „Diese Mädchen und Jungen laufen besonders Gefahr, Opfer von Vernachlässigung, Verarmung und Willkür zu werden.“ Ihre Rechte als Kinder und als Migrant:innen werden in Kolumbien nicht ausreichend geschützt „Viele von ihnen geraten schon an der Grenze in die Hände von Menschenhändlern und werden Opfer von sexuellem Missbrauch“, erklärt Urdaneta.

Flucht bedeutet Stress

Die SOS-Kinderdörfer sind in Kolumbien mit acht Programmen und 14 Projekten in elf Landesregionen aktiv. Innerhalb dieser Strukturen hat die Hilfsorganisation eigens Strategien zum Schutz dieser jungen Flüchtlinge entwickelt. In Regionen wie La Guajira nahe der venezolanischen Grenze und Nariño an der Grenze zu Ecuador setzen sich die SOS-Kinderdörfer gezielt für elternlos aufgegriffene Kinder ein, versorgen sie mit Essen und bieten sichere Unterkünfte.

SOS-Mitarbeiter:innen bemühen sich zudem, die Eltern im Heimatland ausfindig zu machen und sie über den Verbleib ihrer Kinder zu informieren. Manchmal werden Familien auf der Flucht auseinandergerissen. Hier helfen die SOS-Kinderdörfer mit Zusammenführungsprogrammen. Ein wichtiger Schritt ist die Registrierung der Geflüchteten bei der Einwanderungsbehörde. Die SOS-Kinderdörfer unterstützen Familien und Minderjährige dabei, ihre Asylanträge zu stellen.

Flucht bedeutet Stress, er lastet als Druck auf den Familien. „Daher können auch venezolanische Eltern und Kinder an unseren Familienstärkungsprogrammen teilnehmen“, erklärt Cristina Urdaneta. „Wir beugen damit dem Zerfall der Familien vor.“ Andere Bildungsprogramme helfen, ein solidarische Miteinander in Dörfern oder Nachbarschaften zu stärken und ein Bewusstsein für die Rechte von Kindern zu verankern.

Ausruhen, essen, Kleidung waschen

Für viele venezolanische Flüchtlinge ist Kolumbien nur Transitland, ihr Ziel sind andere südamerikanische Länder oder gar die USA. Auch diese Menschen, die zumeist zu Fuß unterwegs sind, können auf ihrem mühsamen Weg in den SOS-Programmen einen Platz finden, an dem sie rasten können, wie in dem Notfallzentrum in Santander oder dem Familienunterbringungsdienst in Floridablanca. So berichtet eine weitere venezolanische Mutter, die mit ihrer ganzen Familie Unterstützung durch die SOS-Kinderdorfdienste in Santander erfahren hat. "Dank der SOS-Kinderdörfer konnten wir uns ausruhen, essen, unsere Kleidung waschen. Für die Kinder war unser Aufenthalt hier eine Wohltat."

Dass täglich Minderjährigen die Grenze zwischen Venezuela und Kolumbien passieren, steht derzeit nicht im Fokus des medialen Interesses. Aber die SOS-Kinderdörfer lassen diese Kinder nicht alleine.

Mit Ihrer Unterstützung ermöglichen wir Kindern und Familien in Kolumbien eine sichere Zukunft!

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Text: Martina Koch, Margarete Moulin

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