Das lange Warten auf den Regen

Die anhaltende Dürre entzieht Bäuerin Farhiya die Lebensgrundlage

Farhiya ist Bäuerin. Mit ihren vier Kindern lebt sie in Darussalam, einem der fruchtbarsten Gebiete in Somaliland. Eigentlich gibt es dort zwei Regenzeiten im Jahr, eine im Frühsommer und eine im Spätherbst. Doch die Klimakrise lässt die Region austrocknen – und bedroht viele Existenzen.

Farhiya reißt verschrumpelte Zwiebeln aus dem staubigen Boden und findet nur noch winzige Knollen, die Kartoffelpflanzen sind verdorrt. Die Dürre macht es der 31-jährigen Bäuerin immer schwerer, Nahrungsmittel zu produzieren. Gute Regenfälle, sagt Farhiya, habe sie zuletzt 2019 gehabt. Schon die geringen Niederschläge 2020 waren eine Herausforderung, 2021 verschlechterte sich die Situation weiter.

"Ohne Regen produzieren wir nichts. Wenn es Wasser gäbe, würde man viel Grünes wie Zwiebeln, Kartoffeln, Kohl und Tomaten sehen, die wir anpflanzen", erklärt Farhiya, die unter einem Baum sitzt, um sich vor der prallen Sonne zu schützen.

Existenzgrundlage in Gefahr

"Früher haben wir das Gemüse alle drei Monate geerntet, einen Teil der Ernte für uns genutzt und den Rest verkauft. Jetzt bleibt kaum noch etwas übrig, das wir verkaufen könnten, und das trifft uns finanziell schwer", sagt sie.

Wenn die kommende Saison ausfällt, wäre es die dritte in Folge. Eine so langanhaltende Dürre hätte weitreichende Folgen für die junge Frau. Denn wenn Farhiya nichts mehr verkaufen kann, hat sie kein Einkommen, und ohne Einkommen kann sie sich kein Saatgut für die nächste Anbauperiode kaufen.

"Früher haben wir das Gemüse alle drei Monate geerntet, einen Teil der Ernte für uns genutzt und den Rest verkauft. Jetzt bleibt kaum noch etwas übrig, das wir verkaufen könnten, und das trifft uns finanziell schwer."

Farhiya

Die Landwirtschaft ist nach der Viehzucht der zweitwichtigste Wirtschaftszweig des Landes. Neben Sorghum, einem Getreide, das in weiten Teilen Afrikas vor allem für die Mehlproduktion oder als Tierfutter verwendet wird, sind Mais, Paprika, Kohl und Tomaten die wichtigsten Anbauprodukte.

Die Pflanzen sind von der Dürre schwer gezeichnet. Foto: Lydia Mantler

Eigentlich gibt es in Somaliland zwei Regenzeiten im Jahr, eine längere von April bis Juni und eine kürzere von Oktober bis November. Nach Angaben des nationalen Dürrekomitees hat es in einigen Regionen in Somaliland seit vier Jahren nicht mehr geregnet. Die Nutztiere sterben und schätzungsweise mehr als eine Million Menschen sind auf Nothilfe angewiesen.

Rückblick auf bessere Zeiten

Farhiyas landwirtschaftlicher Erfolg begann 2019, als sie sich nach jahrelangem Anbau von Obst erstmals auch mit dem Anbau von Gemüse beschäftigte. In Zusammenarbeit mit dem Landwirtschaftsministerium und dem SOS-Kinderdorf in Somaliland brachten Landwirtschaftsexperten lokalen Bäuerinnen und Bauern wie Farhiya bei, ihre Anbauprodukte zu diversifizieren, schneller reifende Pflanzen einzusetzen, bewährte landwirtschaftliche Praktiken zu erlernen und mit dem Klimawandel umzugehen.

Diese Fortschritte macht die derzeitige Dürre langsam wieder zunichte. Farhiya sorgt sich um das Wohlergehen ihrer Familie. Der große Fluss neben ihrem Land ist seit Monaten ausgetrocknet, daher muss Farhiya ihre Bäume und Pflanzen nun wie die meisten Bäuerinnen und Bauern mit ihrem eigenen Brunnen bewässern.

Weil jedoch der Wasserstand sinkt, hat sie die schwierige Entscheidung getroffen, nur noch die Obstbäume zu bewässern, weil die nicht viel Wasser zum Überleben brauchen. Den Gemüseanbau hat sie aufgegeben.

In diesem kleinen Teil von Somaliland kennt Farhiya viele Bäuerinnen und Bauern, die die Landwirtschaft ganz hinter sich gelassen haben und versuchen, in den Städten mit Gelegenheitsjobs über die Runden zu kommen. Farhiya wartet vorerst weiter. Sie hofft, dass bald der Regen kommt.

*Name geändert

Die SOS-Kinderdörfer leisten Nothilfe in Ostafrika, um Kindern und Familien beizustehen. Wir haben ein Soforthilfeprogramm aufgelegt, das bis zu 300.000 Menschen zu Gute kommt. Die Nothilfe erstreckt sich auf vier Länder: Äthiopien, Kenia, Somalia und Somaliland. Saatgut, Nahrung, Hygieneartikel und Wasser werden derzeit am dringendsten gebraucht. 

 

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