Ich bin eine SOS-Oma

20 Jahre lang hat Dora Arnold für das SOS-Kinderdorf Ennerdale in Südafrika gearbeitet

Jetzt geht sie in den Ruhestand und lebt in einer Siedlung für Senioren gegenüber dem SOS-Kinderdorf. Und dennoch ist sie weiterhin mit Leib und Seele Mutter. In diesem Interview erinnert sie sich an die schönen und schweren Tage ihrer Laufbahn und gibt Einblicke in ihre Arbeit.


Dora lebt nun im Ruhestand

Frau Arnold, wie war das, als sie ihren Job antraten?

Das war 1983 und es war eine sehr aufregende Zeit. Es gab nur ein fertiges Haus im SOS-Kinderdorf Ennerdale – mein Haus – und um uns herum standen die Häuser leer und mussten erst eingerichtet werden. Jedes Haus brauchte Betten und Bettzeug, Besteck, Geschirr, Vorhänge. Wir Mütter rannten zwischen den Häusern hin und her, strickten, häkelten und nähten, damit die Vorhänge bald fertig würden. Als die Haushaltsgeräte und die Vorräte ankamen, verteilten wir sie auf die Häuser. Mein Job war es, die Waren zu kontrollieren und genau zu notieren, was wohin geliefert wurde. Das war viel Arbeit!

Wann kamen die ersten Kinder an?

Meine Kinder kamen 1983 an, drei kleine Mädchen. Sie waren so klein! Eines nuckelte am Daumen und wollte immer auf meinen Schoß. Das waren schwere Zeiten, denn die Kinder waren extrem traumatisiert, als sie zu uns kamen.

Was hat Ihnen besonders gefallen?

Wissen Sie was? Am liebsten mochte ich die Fortbildungen in den Schulungszentren und die Besuche bei anderen Organisationen. Es war sehr lehrreich, zu sehen, wie die anderen ihre Arbeit organisierten. Ich sah, wie ihre Häuser ausgestattet waren und wie die Mütter dort ihre Kinder groß zogen. Wir tauschten Informationen aus und lernten viel von einander. Und ich knüpfte viele schöne Freundschaften! Bei einer Fortbildung lernten wir, wie sehr sich die Kinder unterscheiden und wie man ein Kind individuell fördert. Zum Beispiel, wenn ein Kind sehr introvertiert ist, lernten wir, wie man sein Vertrauen gewinnt und wie man es schafft, dass sich das Kind öffnet. Das hat wirklich funktioniert!

Hatten Sie viele Herausforderungen zu meistern?

Oh ja, sehr viele! In den ersten Tagen hatten wir viele Besucher, die sehen wollten, wie wir arbeiten und es gehörte zu meinen Aufgaben, ihnen die Welt der SOS-Kinderdörfer zu erklären. Aber auch der Architekt wollte von mir wissen, wie er den Garten anlegen soll. Ich musste Anweisungen geben, wie alles Mögliche gebaut oder gestaltet werden sollte.

Woher nahmen sie die Kraft für Ihre Aufgabe als SOS-Mutter?

Ich betete jeden Morgen für Kraft und Weisheit für den Tag - dass ich alles schaffe und die Herausforderungen annehmen kann. So habe ich alles bewältigt, Tag für Tag. Damals war ich jung und sehr belastbar!

Wie empfinden Sie rückblickend Ihre Karriere als SOS-Mutter?

Ich vermisse das alles sehr! Vor allem die Arbeit in der Schule. Das mochte ich am meisten. Wenn wir an Projekten arbeiteten, malten oder etwas Kreatives machten, da war ich sehr eifrig. Wir saßen abends oft zusammen und bastelten. Am liebsten malte ich Kreidezeichnungen oder half bei den Töpferarbeiten für die Jungs. Ich verbrachte Stunden damit, ihnen beizubringen, wie man das richtig macht.

Jetzt, da Sie im Ruhestand sind – besuchen Ihre Kinder Sie?

Die Kinder kommen regelmäßig vorbei oder rufen an. Ich habe fünf Enkelkinder und bald kommt ein sechstes! Ich bin eine richtige SOS-Oma! Auch auf meine anderen Kinder bin ich sehr stolz: Eine meiner Töchter besitzt eine Catering-Firma, einer ist Mechaniker, einer Elektriker und ein anderer lebt bei seinem Vater in Natal. Wenn sie mich besuchen, ist es laut – alle reden gleichzeitig und sie erzählen mir alles. Ich liebe das! Die Kinder, um die ich mich kümmerte, kurz bevor ich in Rente ging, gehen noch zur Schule. Sie sind in der achten und der elften Klasse und ich sehe sie regelmäßig.

Frau Arnold, vielen Dank für das Gespräch!

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