Jeder Tag ein neuer Anfang

Wenn Priya, 38, aus Sri Lanka, von ihrem Alltag erzählt, klingt alles überraschend leicht. "Am Abend bereite ich meine To-do-Liste für den nächsten Tag vor", sagt sie und lächelt. "Darum habe keine Angst mehr vor dem nächsten Tag." Als Mutter von drei Kindern hat sie so ein kleines Textilunternehmen aufgebaut.

Priya weiß, wie es ist, wenn die Einkünfte nicht reichen und die Verantwortung auf den eigenen Schultern lastet. Ihr Mann ist Tuk-Tuk-Fahrer, das Einkommen schwankt, Sicherheiten gibt es kaum. "Ich wollte meinen Teil beitragen", sagt sie schlicht. Sie lernte Batik, begann Seifen und traditionelle Reisarten zu verkaufen, stellt Kokosfaserseile her, näht. Die Erlöse investiert sie fast vollständig in die Bildung ihrer Kinder.  

Dass ihr Mann heute mit anpackt – beim Warentransport, beim Aufbau des Marktstands –, war nicht immer selbstverständlich. Anfangs habe er gezögert, erzählt Priya. „Für ihn war es schwer, die Verantwortung zu teilen.“ Erst durch die Teilnahme an Gesprächsgruppen und Fortbildungen – Angebote, die die SOS-Kinderdörfer organisieren – lernten beide, Aufgaben neu zu verteilen, zuzuhören, Konflikte gemeinsam zu lösen. 

Eine Mutter, eine Freundin, ein Vorbild  

Priyas Tochter Sithumini, 21 Jahre alt und Studentin an der Universität von Kelaniya, ist nicht nur stolz auf ihre Mutter – sie betrachtet sie als beste Freundin. "Ich teile alles mit ihr. Sie ist meine Lehrerin, meine Ratgeberin, mein Vorbild", sagt Sithumini. Was Priya vorlebt, prägt: "Meine Mutter hat mich ermutigt, Weiterbildungskurse zu besuchen und mich selbst zu entwickeln." Die beiden arbeiten Seite an Seite, teilen Ideen, lachen bei der Arbeit.

"Man muss kein Star sein, um andere zu bewegen."

Priya, 38, Kleinunternehmerin in Sri Lanka

In der Region ist Priya zur wichtigen Ansprechpartnerin für die Frauen aus der Gemeinde geworden. Bei Treffen, organisiert von den SOS-Kinderdörfern, motiviert sie andere, Chancen zu nutzen, sich fortzubilden und eigene kleine Unternehmen zu gründen. Viele folgen ihrem Beispiel – sie wollen unabhängig werden und ihre Familien unterstützen.  

Priyas größte Stärke: Sie sieht ihren Erfolg als Auftrag, anderen Frauen Mut zu machen. Sie rät: "Nutzt eure Zeit, bildet euch weiter, gründet Netzwerke." Jede Minute des Tages möchte sie nutzen. 

Priya bei eine Vortrag in einem SOS-Kinderdorf ins Sri Lanka. Foto: Martin Hanebeck

Im Zentrum von Priyas Verständnis von Stärke steht die Gemeinschaft – sei es die eigene Familie oder die größere Nachbarschaft. "Eine starke Frau teilt Verantwortung. Es geht nicht darum, alles allein zu schaffen, sondern gemeinsam zu wachsen." 

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