Es wird immer weitergehen

Pedrito ist im SOS-Kinderdorf in Ecuador aufgewachsen, als Jugendlicher hatte er einen schweren Unfall

Von Louay Yassin, Pressesprecher der SOS-Kinderdörfer weltweit

Ich komme ein wenig herum in der SOS-Welt. Immer spreche ich mit den Kindern und Erwachsenen über ihre Situation, ihre Vergangenheit, ihre Zukunft. Fast alle, mit denen ich gesprochen habe, sind oder waren extrem arm. Und sie haben ein schweres Schicksal hinter sich. Vor allem natürlich die SOS-Kinder. Jedes Mal überlege ich mir, wie es ihnen gelingt, ihr hartes Schicksal zu überwinden und nicht daran zu zerbrechen. Ganz besonders unter diesen starken SOS-Kindern mit hat mich Pedro Celestino Alvarez Bera aus Ecuador beeindruckt. Pedro, den alle nur Pedrito, also kleiner Pedro, nennen, obwohl er bereits 30 ist.

 


Stets fröhlich: Pedrito wurde schnell der "Sonnenschein" des Kinderdorfs

Als Pedrito vier Jahre alt war, starb seine Mutter. Die Familie war bitterarm. Der Vater verkraftete diesen Verlust nicht und rutsche in den Alkohol ab. Er kümmerte sich kaum noch um Pedrito, seine zwei Bruder und zwei Schwestern. Glück für die Kinder: Ein Onkel hatte vom SOS-Kinderdorf in Esmeraldas gehört. Die Geschwister wurden dort aufgenommen.


Pedrito mit seiner SOS-Familie.

Vor allem Pedrito wurde schnell der Sonnenschein des ganzen Kinderdorfs: ein stets gutgelaunter Junge, der in der Schule gute Noten schrieb und immer höflich war. Mit 13 half Pedrito schon in der nahegelegenen Pizzeria aus um sich für das Studium etwas zurückzulegen. Der Weg war für ihn klar: "Ich mache mein Abitur und studiere dann Informatik", sagte er jedem. Keiner zweifelte daran.

Ein Kopfsprung ins Wasser – danach war alles anders

Es war ein wunderschöner Tag im Sommer 2000. Pedrito war am Meer  mit einem Freund, der ein Fischerboot hatte. Pedrito hatte nicht mehr lange bis zu seinem Abitur, alle Noten waren gut. "Auf dem Boot, das gemächlich im Meer trieb, unterhielten wir uns über unsere Zukunft", erinnert er sich. Übermütig sprang er ins Wasser. Ein Kopfsprung. Pedrito schlug mit dem Kopf auf einen Felsen. Bruch der Halswirbelsäule.

"Danach war nichts mehr so wie vorher", sagt Pedrito. Er war vom Hals ab gelähmt, konnte nichts bewegen. "Da ist nichts zu machen, das wird so bleiben", sagten die Ärzte. "Damals wollte ich sterben", erzählt Pedrito. Doch ein Mädchen in der Klinik, das durch einen Brand Arme und Beine verloren hatte, sprach ihm Mut zu. "Da dachte ich, wenn dieses Mädchen nicht den Mut verliert, darf ich das auch nicht. Damals habe ich mich fürs Kämpfen entschieden."


"Damals habe ich mich fürs Kämpfen entschieden": Pedrito nach seinem Unfall

"Ich will wenigstens einen Finger bewegen können!"

Man holte Pedrito ins SOS-Kinderdorf in Ecuadors Hauptstadt nach Quito. Dort bekam er eine eigene kleine Wohnung und beste Behandlung sowie liebevolle Unterstützung von allen Kinderdorf-Müttern und -Mitarbeitern.

Es war eine sehr schwere Zeit. Ständig Übungen. "Und ständig die Angst: Werde ich so bleiben?" Aber Pedrito hatte sich ein festes Ziel gesetzt: "Ich will wenigstens einen Finger bewegen können und ich möchte ein gutes, selbstständiges Leben führen!"

Es dauerte quälend lang, aber es ging voran. Zuerst konnte er den Hals bewegen. Dann konnte er den Rumpf allein aufrecht halten. Die Schultern hörten langsam wieder auf Befehle. "Nebenbei" machte Pedrito sein Abitur nach. Von Zuhause aus, mit Nachhilfelehrern. Das Abitur wurde zum Triumph. Beste Noten.

Examen mit Bravur

Wegen der unebenen Gehwege fährt Pedro mit dem Rollstuhl durch Quitos Hauptstraßen.

Doch das Traumstudium Informatik war versperrt. Dazu braucht man die Hände. Er entschied sich für Psychologie. "Da braucht man nur den Mund", sagt er. Das Examen legte er mit Bravur ab.
Doch noch immer musste sich ein Krankenpfleger Tag und Nacht um ihn kümmern. "Ich hatte mein zweites Ziel noch nicht erreicht: Unabhängig leben zu können." Der Traum einer eigenen Wohnung ging Mitte 2012 in Erfüllung. Er hatte bereits eine Anstellung an der Universität in Quito als Psychologe und Familientherapeut. Immer ein kleines Stückchen mehr konnte er seinen Körper steuern. Also zog er aus dem Kinderdorf aus in eine eigene Wohnung. Ein Krankenpfleger muss ihn zwar noch betreuen, aber nur stundenweise.


"Ich weiß, dass es immer besser wird. Im Grunde bin ich glücklich", sagt Pedro.

Pedro hat noch viel vor

Ziele hat er noch immer: Irgendwann sollen wenigstens die Finger der rechten Hand ordentlich funktionieren. In einem Jahr möchte er in Argentinien Psychoanalyse studieren. Und er möchte ein eigenes Haus. Außerdem eine neue Therapie. "Wer weiß, vielleicht kann ich ja doch einmal wieder gehen", sagt er und blickt mich fröhlich an. "Aber auch wenn das nicht geschieht, ich weiß, dass es immer besser wird. Im Grunde bin ich glücklich."

"Wie schaffst du das?", frage ich, als ich mich von Pedrito verabschiede. "Wie kannst du trotz dieser Schicksalsschläge so positiv sein?" – "Ich hatte unendlich viel Hilfe von SOS. Und ich habe gelernt: Es wird immer weitergehen."

 

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