"Jetzt glaube ich an mich selbst"

Die SOS-Kinderdörfer helfen Frauen und Kindern im Tschad, die vor Gewalt und Hunger flüchten mussten

Sie fliehen vor Boko Haram, Gewalt und Hunger: Auf der Flucht drohen Kindern und Frauen im Tschad viele Gefahren – Betroffene erzählten uns, was sie belastet und was ihnen neue Kraft gab.

Seit mehreren Jahren ist die Region des Tschadsees Schauplatz bewaffneter Konflikte. Der Klimawandel hat den Hunger und die Gewalt im Land zusätzlich verschärft – mehr als 200.000 Binnenvertriebene leben in der Region. Auf der Flucht vor den Grausamkeiten des bewaffneten Konflikts mussten die Vertriebenen alles zurücklassen; die psychischen Wunden sitzen tief. "Erst vor kurzem wurde unser Dorf von Boko Haram angegriffen. Sie setzten unser Haus in Brand und wir verloren alles. Wir flohen mit meinen Eltern und kamen hierher", berichtet die 14-jährige Salimata, die mit ihrer Familie im Flüchtlingscamp Kousseri1 lebt. Früher habe ihre Mutter ihr immer Wolle zum Stricken vom Markt mitgebracht, erinnert sich Salimata. Doch das könne sie sich nun nicht mehr leisten. 

Verlorene Identität 

Nicht nur können die Eltern ihre Kinder nicht mehr versorgen – es fehlen auch jegliche Dokumente, mit denen sie ihre Identität nachweisen und so ihre Kinder in der Schule anmelden können.  

Welche Belastung das für die Familien darstellt, erzählte uns Haoua, Mutter von zwei Töchtern: "Vor der Ankunft der SOS-Kinderdörfer in diesem Ort war ich sehr traurig bei dem Gedanken, dass meine Kinder ohne einen Identitätsnachweis aufwachsen würden."

"Gott sei Dank haben die Mitarbeitenden der SOS-Kinderdörfer mir geholfen, Geburtsurkunden für meine Kinder zu beantragen. Das macht mich sehr glücklich."

Haoua

Gefahren für Frauen und Kinder  

Kinder, Jugendliche und Frauen sind bei der Flucht am stärksten gefährdet. Sie leben in prekären Verhältnissen und sind zahlreichen Risiken ausgesetzt – darunter Gewalt, sexuelle Ausbeutung, Zwangsheirat, Schulabbruch und Zwangsrekrutierung durch bewaffnete Gruppen.  

Spielen, lernen, zur Ruhe kommen: In den Kinderschutzzentren der SOS-Kinderdörfer im Tschad finden vertriebene Kinder einen sicheren Rückzugsort. Foto: Celeste Heikamp

In den Kinderschutzzentren der SOS-Kinderdörfer erhalten Kinder provisorischen Unterricht, psychosoziale Unterstützung und die Möglichkeit, dem tristen Alltag für einen Moment zu entkommen. Hier können sie spielen und in einem sicheren Umfeld einfach nur Kind sein.  

Darüber hinaus konzentriert sich unser Programm auf Hilfe zur Selbsthilfe und die sozioökonomische Stärkung von Familien – damit Eltern ihre Kinder wieder aus eigener Kraft ernähren und versorgen können.  

Auch die 24-jährige Salma konnte dadurch lernen, eigenes Geld für sich und ihre beiden Kinder zu verdienen. Das hat ihr neues Selbstbewusstsein in einer verzweifelten Situation geschenkt, wie sie uns berichtete: "Bevor ich an dem Projekt mit den SOS-Kinderdörfern teilnahm, war ich eine gedemütigte, ausgegrenzte und geschlagene Frau. Mein Mann nannte mich immer eine Schmarotzerin und nutzlos."

"Ich war sehr verzweifelt, traurig und immer von den anderen isoliert. Die SOS-Kinderdörfer im Tschad waren die einzige Organisation, die mir in dieser schwierigen Zeit zur Seite stand."

SALMA

"Die SOS-Kinderdörfer boten mir psychologischen Beistand. Außerdem erhielt ich im Dezember 2022 eine Barunterstützung, mit der ich ein kleines Unternehmen aufbauen konnte. Mit dem Einkommen aus meinem Kleinunternehmen kann ich den Lebensmittelbedarf meines Haushalts decken und kleine Geschenke für meine Kinder kaufen", erzählt uns Salma stolz weiter. 

Für Salma hat diese Unterstützung alles verändert: "Ich fühle mich sehr frei, weil ich das tun kann, ohne von meinem Mann abhängig zu sein, wenn es um Geld für unsere kleinen Bedürfnisse geht. Die SOS-Kinderdörfer haben mir ermöglicht, mein Selbstbild zu ändern. Jetzt glaube ich an mich selbst."

Dramatische humanitäre Lage im Tschad 

Im Tschad sind mehr als 200.000 Menschen auf der Flucht vor bewaffneten Gruppen und zunehmenden Dürren: Sie leiden unter Armut, Unterernährung, Unsicherheit und fehlender Gesundheitsversorgung.   

Die Auswirkungen des Klimawandels, das Ausmaß der von bewaffneten Gruppen ausgeübten Gewalt und die Konflikte zwischen den Volksgruppen verschärfen die humanitäre Lage im Tschad weiter. Im Jahr 2023 benötigten schätzungsweise 6,9 Millionen Menschen humanitäre Hilfe, d. h. mehr als ein Drittel der tschadischen Bevölkerung. 

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