Wie Mirza und Haris wieder zueinander fanden

Mirza ist alleinerziehender Vater und in der Vergangenheit war es für ihn nicht immer leicht. Im Jahr 2016 wurde wegen häuslicher Gewalt sein Sohn aus seiner Obhut genommen. Heute hilft das Familienstärkungsteam der SOS-Kinderdörfer Vater und Sohn, eine bessere Beziehung aufzubauen.

Mirza aus Bosnien-Herzegowina ist 60 Jahre alt. Seine Frau und er ließen sich scheiden, als ihr Sohn Haris noch ein Baby war. Mirza bekam das Sorgerecht für Haris, als der Junge zwei Jahre alt war und zog ihn alleine groß. "Das Erste, was ich lernen musste, war, ihn zu halten", erinnert sich Mirza. "Dann musste ich alles darüber lernen, wie man für ein Kind sorgt." Er sagt, der rechtliche Prozess für das Sorgerecht sei nicht schwer gewesen. "Aber der psychologische Prozess kann Menschen brechen. Es war wirklich hart für mich", sagt Mirza.  

Vater und Sohn hatten schwierige Zeiten zu bewältigen. Ihr schlimmster Moment war im Jahr 2016, als Mirza einen Gewaltausbruch hatte und seinen Sohn schlug, der damals elf Jahre alt war. Mirza hatte die Kontrolle verloren, als er herausfand, dass Haris und ein Freund in einem Laden eine Plastikwaffe gestohlen hatten.  

Daraufhin verbrachte Mirza eine Nacht im Gefängnis und das Jugendamt steckte Haris für sechs Monate in ein Kinderheim. Mirza fühlt sich noch heute schuldig, dass er seinen Sohn verletzt hat. Er hofft, Haris Leben wird einmal besser sein als sein eigenes. "Ich versuche, ihm beizubringen, nicht das zu wiederholen, was ich getan habe, und ein guter Mensch zu sein", sagt er.

Erholung vom familiären Zusammenbruch

Heute leben der mittlerweile 14-jährige Haris und Mirza wieder zusammen. Das Familienstärkungsteam der SOS-Kinderdörfer unterstützt die beiden. Sie erhalten jeweils individuelle psychologische Beratung und nehmen auch an Gruppenaktivitäten mit anderen Eltern und Kindern teil. "Wir sind die ganze Zeit mit den beiden im Austausch", sagt Ileana Snur-Muratagic, Sozialarbeiterin bei den SOS-Kinderdörfern. "Und wir sehen, dass die Beziehung der beiden sich sehr verbessert hat."

Mirza und sein Sohn Haris haben schwere Zeiten hinter sich, aber sie gehen heute ihren Weg wieder gemeinsam. Foto: Katerina Ilievska

Psychologische und emotionale Unterstützung sind besonders wichtig für diese kleine Familie, berichtet Ileana. Mirza war Soldat im Bosnienkrieg der 1990er Jahre, und zeigt Anzeichen einer posttraumatischen Belastungsstörung. Auch Haris‘ Verhalten hat sich nach dem Gewaltausbruch seines Vaters verändert.  

Für Mirza sind die Mitarbeitenden der SOS-Kinderdörfer die erste Unterstützung, die er beim Großziehen seines Sohnes je erhalten hat. "Ich habe niemals Hilfe erwartet und auch nicht danach gefragt, weil meine Familie mir nie geholfen hat. Als Haris noch klein war, bettelte ich bei den Nachbarn, ihn bei ihnen lassen zu können. Ich war Taxifahrer und arbeitete nachts", erzählt er.  

Einen Teenager großziehen – gar nicht so leicht

Kürzlich fragte Mirza Ileana um Unterstützung, da er sich große Sorgen um seinen Sohn macht, wenn er selbst arbeiten muss. "Ich weiß nicht, wie ich mich am besten verhalten soll. Ich will ja kein Polizist sein, ich möchte ihm vertrauen."  

„Früher haben mir die Leute immer gesagt 'Kleines Kind, kleine Sorgen – großes Kind, große Sorgen'. Das stimmt", sagt der Vater. Er ist froh, dass er sich wegen Haris Schulleistungen keine Sorgen muss, denn der Junge lernt schnell und ist gut im Unterricht. Sein Lieblingsfach ist IT, außerdem spielt er Basketball und macht Taekwando. Die SOS-Kinderdörfer unterstützen ihn dabei und stellten seine Schulmaterialien.  

Was Mirza allerdings Sorgen macht, ist, dass Haris keine Hausarbeit mag. Er will nicht, dass sein Sohn unordentlich ist. Aber Haris kommt auch schon gut alleine zurecht: Er kann einige Gerichte zubereiten und macht das sogar manchmal abends, damit sein Vater etwas zu Essen hat, wenn er von seiner Nachtschicht zurückkommt.  

Mirza arbeitet momentan als Nachtwächter, aber sein Einkommen ist niedrig und er ist immer nur monatsweise angestellt, weiß daher nicht genau, wie lange sein Job sicher ist. Die beiden müssen auf ihr Geld schauen. "Es macht mir nichts aus, wenn ich nichts zu Essen habe. Aber ich will nicht, dass meinem Sohn irgendetwas fehlt."

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