Keine Angst vor gefährlichen Orten

In Peru arbeitet Sozialarbeiter William mit Familien im Drogenanbaugebiet

William Castillo arbeitet seit acht Jahren für die SOS-Kinderdörfer Ayacucho in Peru. Anfangs war er Familienberater, vor vier Jahren hat er eine Weiterbildung zum Sozialarbeiter gemacht. Er ist immer auf der Suche nach Abenteuern und mit viel Enthusiasmus bei der Arbeit – genau solche Persönlichkeiten benötigen Sozialarbeiter:innen in der Region Vraem in Zentralperu, einem der größten Coca-Anbaugebiete des Landes. Im Interview erzählt William über seine Arbeit. 

Woher kam deine Entscheidung, Sozialarbeiter zu werden?

Ich habe mich dafür entschieden, weil ich schon immer sozial sehr engagiert war. Ich mag es, mit Menschen zu arbeiten, besonders mit Familien und Kindern. Mir gefällt es, dazu beizutragen, dass sich die Situation dieser Familien verbessert und dadurch auch das Leben der Kinder. 

Wie sieht die Arbeit als Sozialarbeiter aus?

Hauptsächlich arbeite ich mit den Ursprungsfamilien von Kindern, die von den SOS-Kinderdörfern betreut werden. Ich unterstütze die Familien dabei, die Beziehung zwischen Kindern und ihren biologischen Familien zu verbessern, damit sie schrittweise und erfolgreich wieder zusammenleben können. Teil meiner Arbeit ist es auch, diese Familien immer wieder zu besuchen, sie leben in unterschiedlichen Gegenden von Ayacucho. 

Wozu dienen diese Besuche?

Das Ziel ist, dass die Kinder irgendwann wieder mit ihren leiblichen Eltern leben können. Dafür benötigen sie eine stabile und aufrichtige Beziehung: Die Kinder brauchen Liebe, Zuneigung und Schutz. 

William arbeitet gemeinsam mit den Familien daran, deren Beziehung zu ihren Kindern zu verbessern. Foto: Alejandra Kaiser

Wo leben die Familien, mit denen du arbeitest?

Die meisten wohnen in verschiedenen Gegenden in Ayacucho, ein Beispiel ist Vraem. Wir kümmern uns um 22 Kinder, deren Eltern von dort kommen. Von Ayacucho dauert die Fahrt nach Pichari rund fünf Stunden – und von dort müssen wir dann noch in die entlegenen Dörfer kommen. 

Mein Job ist es, diese Familien zu erreichen, oftmals leben sie nicht direkt im Dorf, sondern noch weiter entfernt. Oft muss ich deshalb lange laufen, um zu ihnen zu kommen. Manchmal dauert es sogar einen ganzen Tag, um eine Familie zu besuchen. 
Warum arbeiten die SOS-Kinderdörfer Ayacucho mit so vielen Familien aus Vraem?

Das ist ziemlich interessant, weil die Gegend wahnsinnig viele Sozialprobleme hat: Drogenhandel, Prostitution, Menschenhandel, verlassene Kinder. Einige Eltern sind in den Drogenhandel involviert und im Gefängnis – das ist natürlich ein perfekter Nährboden für Probleme, da muss interveniert werden. Die SOS-Kinderdörfer tun das, indem sie sich um die Kinder kümmern. 

Was sind die größten Herausforderungen bei der Arbeit in Vraem?

Seit ich 2010 angefangen habe, für die SOS-Kinderdörfer zu arbeiten, konnte ich eine Intervention für Eltern entwickeln. Das Gericht in Vraem behandelt immer verschiedene Fälle, allerdings finden jene, in denen Kinder die Fürsorge ihrer Eltern verloren haben, kaum Beachtung. Das verlangsamt sämtliche Prozesse und manche Fälle werden gar nicht behandelt. Ich würde mir wünschen, dass ein spezielles Gericht für solche Fälle eingerichtet würde, in denen es um den Verlust elterlicher Fürsorge geht. 

Welche Aktivitäten finden mit den Familien statt?

Wir machen Workshops mit den Eltern, in denen es um aktive Vaterschaft und positive Erziehung der Kinder geht. Das machen wir seit 2016. Noch ist es ein Pilotprojekt, bei dem wir möglichst ganzheitlich arbeiten wollen: In den Workshops kommen alle Familien aus dem Pichari-Distrikt zusammen. Die Lokalregierung stellt uns dafür Räumlichkeiten zur Verfügung. 

Was ist besonders schwierig in Vraem?

Die Arbeit dort ist wirklich spannend – aber sie ist auch hart, weil die Familien so weit voneinander entfernt wohnen. Das verlangt nach sehr individuellen Ansätzen, und natürlich braucht es dafür mehr Geld und Zeit.

Schwierig ist es außerdem, dass wir uns dort im Dschungel befinden. Die Vegetation erschwert es uns, den Weg zu den Familien zu finden. Außerdem sind wir in der Gegend meistens zu zweit unterwegs als Sicherheitsmaßnahme, da durch den Drogenhandel alles gefährlicher ist und wir besonders vorsichtig sein müssen. 

Seinen Job als Sozialarbeiter macht William wegen der Kinder: "Sie sind die Zukunft und die Gegenwart von Vraem." Foto: Alejandra Kaiser

Was motiviert dich an deinem Job besonders?

Mich inspiriert es, wenn ich die Kinder lächeln sehe. Deswegen tue ich mein Möglichstes, damit die Kinder nicht zu lange im SOS-Kinderdorf leben, sondern wieder mit ihren Familien zusammengeführt werden können, wo sie auch Liebe und Fürsorge erleben. Denn es ist das Recht eines jeden Kindes, mit der Familie aufzuwachsen, mit liebevollen Eltern. Nur so können Kinder sich gut entwickeln. 

Außerdem liebe ich es zu reisen und Peru ist ein Land, in dem es noch so viel zu entdecken gibt. Das Reisen erlaubt es mir, in direktem Kontakt mit den Kindern und Familien zu sein, die unsere Unterstützung benötigen. Es macht mir Spaß, neue Orte kennenzulernen und neue Abenteuer zu erleben. Schon seit ich ein Kind war, hatte ich nie Probleme, an Orte zu gehen, welche die meisten Menschen eher meiden. 

Das ist in Vraem der Fall, da es eine sehr konfliktreiche Gegend ist. Viele Menschen trauen sich nicht einmal, dort nach Jobs in sozialen Projekten zu suchen. Für mich hingegen ist genau das interessant, da es ebendiese Orte sind, an denen wir Familien unterstützen müssen. 

Was gefällt dir besonders daran, für die SOS-Kinderdörfer zu arbeiten?

Ich mag die Arbeit mit den Familien und Kindern. Meiner Meinung nach ist es sehr wichtig, mit Kindern zu arbeiten, da sie die Zukunft und die Gegenwart von Ayacucho und Peru sind.  

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