Wie umgehen mit bettelnden Kindern am Urlaubsort?

Drei Empfehlungen der SOS-Kinderdörfer weltweit

20.07.2017 - Jeder Urlauber kennt das: Kaum am Reiseziel angekommen, werden ihm schon die Hände entgegengestreckt. Bettler fragen mehr oder weniger aufdringlich nach Geld. Besonders, wenn es sich dabei um Kinder handelt, fällt es oft schwer, nein zu sagen. Aber wie verhält man sich richtig?
Seine Familie musste betteln, um zu überleben: Heute kann dieses Kind zur Schule gehen. Die SOS-Kinderdörfer helfen Not leidenden Familien und geben Kindern eine Perspektive. Foto: Tom Maruko
Seine Familie musste betteln, um zu überleben: Doch heute kann dieses Kind zur Schule gehen. Die SOS-Kinderdörfer helfen Not leidenden Familien und geben Kindern eine Perspektive. Foto: Tom Maruko

Hilft es den Kindern wirklich, wenn man ihnen ein paar Münzen in die Hand drückt, Süßigkeiten abkauft oder sich die Schuhe putzen lässt? Die SOS-Kinderdörfer weltweit raten dringend davon ab! "Wer den Kindern Geld gibt, verschlimmert die Situation für sie und ihre Familien nur. Er trägt dazu bei, dass sie im Kreislauf der Armut gefangen bleiben", sagt Sandra Greco, nationale Leiterin der SOS-Kinderdörfer in Brasilien.
Am Flughafen São Paulo haben die SOS-Kinderdörfer deshalb gemeinsam mit dem Flughafenbetreiber und der Gemeinde Guarulhos eine Kampagne gestartet: "Keine Unterstützung für Betteln und Kinderarbeit! Investiere in die Zukunft!"

120 000 Menschen sind hier, an Brasiliens größtem Flughafen, täglich unterwegs. Ein Sammelplatz der verschiedenen Nationalitäten und Währungen und ein lukrativer Ort für Bettler. Es ist gängige Praxis, dass notleidende Familien im Umfeld des Flughafens ihre Kinder zum Betteln schicken. Im Gegensatz zu anderen Formen der Kinderarbeit ist das Betteln in Brasilien gesetzlich erlaubt. Dabei werden die Kinder dramatisch ihrer Rechte beraubt:  Sie sind oft bis zu 16 Stunden täglich mit dem Sammeln von Geld beschäftigt, können nicht in die Schule gehen, sind Gefahren ausgesetzt. In vielen Ländern werden Kinder auch Opfer krimineller Banden und von Kidnapping, in den schlimmsten Fällen werden sie sogar mutwillig verstümmelt, damit sie besonderes Mitleid erregen und höhere Einnahmen erzielen.

Nach offiziellen Zahlen mussten 2013 weltweit 168 Millionen Kinder mehrere Stunden am Tag arbeiten, 85 Millionen waren gezwungen, gefährliche Arbeiten zu verrichten. Auch Betteln gilt als gefährliche Kinderarbeit.

Geben Sie bettelnden Kindern kein Geld!

Reisenden, die den Kindern wirklich helfen möchten, empfehlen die SOS-Kinderdörfer:

  1. Geben Sie bettelnden Kindern kein Geld!
  2. Unterstützen Sie stattdessen die Arbeit anerkannter Hilfsorganisationen vor Ort.
  3. Investieren Sie in langfristige Projekte, die die Situation der Kinder dauerhaft verbessern.

Flughafen-Initiative in Brasilien

Genau darauf zielt die Flughafen-Initiative der SOS-Kinderdörfer und ihrer Partner in Brasilien ab: Not leidende Familien im Umkreis werden gezielt dabei unterstützt, einen Weg aus der Abhängigkeit zu finden. Die SOS-Kinderdörfer helfen je nach Bedarf mit Gesundheitsvorsorge, Schule und Ausbildung für die Kinder, Entwicklung von langfristigen Erwerbsmöglichkeiten für die Eltern und Information über ihre Rechte.

Ein Jahr lang informieren Kurzfilme die Passagiere über die Kampagne, im ganzen Flughafen sind Spendenboxen aufgestellt. Sandro Greco betont: "Es ist die größte Herausforderung, Familien und ihre Gemeinden dauerhaft so zu stärken, dass sie wirtschaftlich und sozial in die Gesellschaft integriert sind. Aber es ist der einzige sinnvolle Weg! Wir können nicht zulassen, dass Familien Tag für Tag von den milden Gaben einzelner Reisender überleben müssen – ohne Perspektive für die Zukunft!"