"Alleinsein ist das schlimmste!"

Was bedeutet es für einen Jugendlichen, sich alleine durchschlagen zu müssen?

Farai ist 17 Jahre alt und lebt seit einem Jahr alleine. Seine Eltern starben, seine älteren Geschwister zogen fort. Um zu überleben, verkaufte er Feuerholz. Dank SOS Simbabwe kann er heute wieder zur Schule gehen – das wird ihm mehr als das Feuerholz seine Zukunft sichern.
Farai vor seinem Elternhaus: Außer ihm wohnt niemand mehr hier. Fotos: Patrick Wittmann

Das niedrige Gebäude weit draußen in der Steppe ist durchzogen von Rissen, das Fundament ist schief, das undichte Dach nur mit Drähten befestigt. „Das Haus“, Farai zeigt auf die baufällige Baracke, „ist das einzige, was mir geblieben ist.“ Und lange wird es nicht mehr halten. Farai hat kein Geld für die Instandhaltung.

Als Farai fünf Jahre alt war, starben seine Eltern an AIDS. Seine 17-jährige Schwester brachte die Familie durch. Als sie letztes Jahr heiratete, verließ sie das Elternhaus. Farai musste die Schule abbrechen, um zu arbeiten.

Waschen, kochen, putzen, Wasser holen

Wasserholen kann Farai nur am Wochenend: Zum Brunnen laufen, Schlange stehen, die schweren Kanisten nach Hause schleppen dauert einen ganzen Vormittag.

„Anfangs war ich sehr allein“, gesteht er, „aber das war nicht das Schlimmste. Ich musste für mich selbst sorgen, ich brauchte ja etwas zu essen.“ So sammelte er den ganzen Tag Feuerholz und verkauft es in der Nachbarschaft, bis er einen Platz in einem Hilfsprogramm der SOS-Kinderdörfer in Simbabwe erhielt. Jetzt, endlich, kann er wieder zur Schule gehen.

„Zur Schule gehe ich fünf Kilometer“, erzählt Farai, „und hier ist es so staubig, dass die Uniform abends total verdreckt ist. Ich wasche sie und dann koche ich mir Abendessen. Einen Teil davon hebe ich auf für das Frühstück. Ich muss um sechs Uhr raus.“ Seine Schuluniform musste er so oft flicken, dass sie brüchig aussieht wie das Haus.

Ziegen für den Führerschein

Damit Farai ein Auskommen hat, stellen ihm die SOS-Kinderdörfer Ziegen zur Verfügung. Ziegen brauchen nicht viel und Farai kann mit dem Verkauf der Milch Geld verdienen. Denn das braucht er dringend: „Ich möchte LKW-Fahrer werden.“ Der Führerschein kostet 700 Dollar, dafür muss er einige Jahre sparen. „Hier in Shamva gibt es nichts, was ich tun könnte, keine Arbeit“, erklärt er, „außerdem keinen Strom, kein fließendes Wasser, keine Straßen.“ Lastwagenfahrer zu werden ist für ihn eine echte Perspektive gegen die drohende Arbeitslosigkeit.
Das Alleinsein stört Farai heute nur noch selten: „Dank SOS kann ich wieder in die Schule – und dort habe ich viele Freunde. Wir gehen den langen Schulweg gemeinsam. Vielen geht es wie mir. Ich bin nicht allein.“