13. Februar 2020 | NEWS

Heuschreckenplage in Ostafrika

Millionen Menschen in Äthiopien, Kenia und Somalia von Hungersnot bedroht

Eine Heuschreckenplage biblischen Ausmaßes richtet in Ostafrika gewaltige Zerstörung an. Und es kommt jeden Tag schlimmer: Nach Angaben der SOS-Kinderdörfer fressen die Schwärme täglich weitere Gebiete kahl, Millionen Menschen sind von einer Hungersnot bedroht.

"Der Ausbruch trifft die Region in einer ohnehin kritischen Situation. In den aktuell am meisten betroffenen Ländern Äthiopien, Kenia und Somalia leiden schon jetzt 12 Millionen Menschen an Hunger. Mehrere Dürren haben ihre Ernte vernichtet. Durch die Heuschrecken droht die Situation massiv zu eskalieren", sagt Ayele Sebaro, Nothilfe-Koordinator der Hilfsorganisation in Ost- und Südafrika.

Allein in Äthiopien hätten die Insekten bereits eine Fläche von 2350 Quadratkilometern zerstört: Getreidefelder, Weideflächen und Wälder. 85 Prozent der Menschen lebten dort von der Landwirtschaft, ein Großteil sei betroffen. "Die Menschen haben Angst, ihre Kinder nicht mehr ernähren zu können. Sie versuchen, die Insekten mit Lärm oder Rauch zu vertreiben, aber das ist sehr ineffektiv. Die Bemühungen der Regierung, Chemikalien zu sprühen, bleiben bislang ergebnislos, es fehlt an Pestiziden, Flugzeugen, finanziellen Mitteln", sagt Sebaro. Auch das Leben der Weidetiere sei in Gefahr, die Insekten fräßen sämtliche Grasflächen leer. "Die Auswirkungen sind gravierend. In der Somali-Region Äthiopiens zum Beispiel ist die Milch der Tiere das wichtigste Nahrungsmittel der Kinder", sagt Sebaro. Für die Jungen und Mädchen bedeuteten die großen Schwärme zusätzlich psychischen Stress. "Viele Kinder trauen sich nicht mehr aus dem Haus, weil die Heuschrecken überall sind. Sie bedecken den Boden und verdunkeln den Himmel", sagt Sebaro.

Es droht eine Katastrophe in Ostafrika

Ayele Sebaro ist sich sicher, dass die Situation in eine Katastrophe münden wird, sollte eine rasche Bekämpfung der Insekten nicht gelingen. Es sei zu befürchten, dass die Zahl der Heuschrecken bis Juni aufgrund der idealen Brutbedingungen um ein 500faches steigen wird. 30 Länder könnten dann betroffen sein, darunter Staaten wie der Sudan, in dem aufgrund des Bürgerkriegs bereits jetzt 5,8 Millionen Menschen an Hunger leiden. In einigen Regionen würden die Schwärme exakt zur Erntezeit eintreffen.

Die SOS-Kinderdörfer haben in Äthiopien ein gezieltes Nothilfeprogramm für Betroffene der Heuschreckenplage aufgestellt. Familien sollen unter anderem mit Lebensmittelhilfen und Saatgut unterstützt werden. In allen betroffenen Ländern hilft die SOS-Familienstärkung Kindern und Eltern vielfältig dabei, Wege aus Krisensituationen zu finden.

Quellen: IPC (Integrated Food Security Phase Classification), United Nations

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