Elternratgeber

Ratgeber für Eltern: Geschlechtsidentität von Kindern

Mein Sohn will jetzt Anna heißen

Wenn Kinder entdecken, dass ihre sexuelle Orientierung und Identität von der gesellschaftlichen Norm abweicht, ist der familiäre Rückhalt besonders wichtig, sagt Teresa Ngigi, Psychologin der SOS-Kinderdörfer.

Sieben Tipps für Eltern:

1. Kinder dabei unterstützen, ihre eigene Identität auszubilden

Kaum ein Thema ist auch heute noch gesellschaftlich so behaftet, wie die Geschlechtsidentität. Dabei ist sie ein wichtiger Bestandteil der Persönlichkeitsentwicklung. Nur, wenn ein Mensch seine Aufgabe im Leben und seine eigene Identität findet – und eben auch herausfindet, wen und wie er liebt - kann er ganz lebendig sein. Eine Leitfrage für Eltern könnte lauten: Wie kann ich mein Kind am besten dabei unterstützen, ganz es selbst zu werden und seine eigene Persönlichkeit auszubilden?

 

2. Belastbare Bindungen aufbauen

Wenn ein Kind das sichere Gefühl hat, in der Familie bedingungslos angenommen und wertgeschätzt zu sein und dazuzugehören, gibt ihm das enormen Rückhalt und Stärke. Solche stabilen und belastbaren Bindungen helfen auch durch schwierige Zeiten, in denen homo- oder transsexuelle Jugendliche vielleicht Spott oder Ablehnung erfahren.

 

3. Eigene Erwartungen loslassen

Es ist nicht der Job unserer Kinder, unser Spiegelbild zu sein, sie sind nicht unser Machwerk, sondern bringen ihren eigenen Bauplan mit. Deshalb ist es wichtig, immer wieder zu überprüfen, inwiefern unsere eigenen Erwartungen und Wunschvorstellungen in den Umgang mit unseren Kindern mit einfließen – und wie wir sie loslassen können. Jedes Kind, jeder Mensch hat ein Recht darauf, nach seinen eigenen Vorstellungen zu leben – und zu lieben.

 

4. Die eigenen Themen und Vorurteilen anschauen

Jede Mutter, jeder Vater ist auch Mitglied der Gesellschaft und als solches nicht davor gefeit, ihre Vorurteile oder Ängste zu übernehmen: Jungen sollten keine Mädchenkleider tragen? Zum Heiraten gehören ein Mann und eine Frau? Oder auch: Was sagen die Nachbarn? Je offener und reflektierter Eltern sich mit ihren eigenen Themen beschäftigen und ihre Meinungen hinterfragen, desto besser können sie ihren Kindern zur Seite stehen.

 

5. Nicht von den eigenen Sorgen leiten lassen

Es ist natürlich, dass Eltern ihre Kinder beschützen wollen. Wenn der Teenager-Sohn zurechtgemacht als Dragqueen aus dem Haus geht, kann die Sorge groß sein: Was, wenn er verspottet und angepöbelt wird? In so einem Fall ist es hilfreich, sich nicht so sehr auf die eigene Angst zu konzentrieren, sondern vielmehr die Stärke, die Resilienz des jungen Menschen im Auge zu behalten – und dies dem jungen Menschen zu vermitteln: Du kriegst das hin! Ich traue dir das zu!

 

6. Das offene Gespräch suchen

Es kann auch vorkommen, dass Eltern das Gefühl haben, dass ihr Kind seine sexuelle Identität nicht wirklich auslebt – zum Beispiel aus Angst vor Ausgrenzung. Besser als jahrelang mit diesem Gedanken herumzulaufen, sollten Eltern dies behutsam ansprechen. Wie in vielen anderen Situationen ist auch hier Offenheit ein Schlüssel und trägt dazu bei, dass sich Kinder sicher fühlen. Es geht aber nicht darum, die Kinder zum Gespräch zu drängen. Eltern sollten signalisieren, dass sie da sind und jederzeit bereit zu sprechen. Es ist dann Sache der Kinder, ob und wann sie darauf zurückkommen.

 

7. Unterstützung holen

Eltern müssen nicht alles alleine lösen! Wenn Sie merken, dass Sie an ihre Grenzen kommen und nicht weiterwissen, sollten Sie sich Hilfe holen. Freunde können unterstützend sein oder auch ein Therapeut oder eine Therapeutin.

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