Kein Regen, keine Ernte, kein Essen

Wie der Klimawandel in Madagaskar Armut und Hunger weiter vorantreibt

Lange Hitzeperioden erreichen immer häufiger auch Länder, die bisher nicht mit Dürre zu kämpfen hatten, und machen die Auswirkungen des Klimawandels sichtbarer denn je. Dennoch werden die bereits 2015 von den Vereinten Nationen in der "Agenda2030" beschlossenen SDGs weiterhin von vielen Regierungen nicht konsequent und umfassend genug umgesetzt.

Dabei sind konkrete Maßnahmen gegen den Klimawandel keine futuristische Formsache mehr, sondern schnelles Handeln ist bereits jetzt überlebenswichtig: In mehreren afrikanischen Ländern breiten sich Armut und Hungersnot aufgrund der anhaltenden Dürre immer weiter aus. Eines davon ist Madagaskar. Hier herrscht die schlimmste Trockenheit seit 40 Jahren, was zu ausbleibenden Ernten und damit zu Hunger führt. Derzeit sind im Süden Madagaskars 1,47 Millionen Menschen und damit fast die Hälfte der dortigen Bevölkerung von extremer Ernährungsunsicherheit betroffen. 500.000 Kinder leiden an akuter Unterernährung, 110.000 davon extrem.

Wasser- und Nahrungsmangel

Auch Loratanes Familie hat Hunger. "Die Landwirtschaft hat meinen Vorfahren und uns immer ein einfaches Leben ermöglicht", erzählt die alleinerziehende Mutter. Nun sei das nicht mehr der Fall, denn "das Wetter ist nicht normal!" All ihre Versuche, Mais und Kartoffeln anzupflanzen, seien im wahrsten Sinne im Keim erstickt worden.

"Solange es keinen Regen gibt, können wir auch nichts anpflanzen." Momentan sind Kaktusfrüchte ihr Hauptnahrungsmittel. Ein weiteres, riesiges Problem ist Wasserknappheit. Die Hälfte der Bewohner Madagaskars hat damit zu kämpfen. Um an sauberes Trinkwasser zu gelangen, muss Loratane zwei Stunden lang laufen!

Foto: Gernot Aschoff. Viele Familien leiden unter den Auswirkungen des Klimawandels in Madagaskar. 

Längste Dürre seit 40 Jahren

Bereits seit über sechs Jahren gab es keinen richtigen Niederschlag mehr. Stattdessen wirbeln immer öfter Stürme über die Tropeninsel und zerstören die ohnehin fragile Infrastruktur. Allein in den ersten drei Monaten im Jahr 2022 zerstörten fünf Zyklone bepflanzbare Felder sowie zehntausende Häuser und sorgten so für Obdachlosigkeit sowie das Schließen von Schulen und Krankenhäusern.

Zerstörung durch Stürme

Dadurch wurde vielen armen Menschen das letzte Hab und Gut genommen. Auch Faraline und ihre Familie haben als letzten Ausweg sämtliche Nutztiere verkauft und konnten sich nur noch mit dem Fischfang des Vaters ein wenig über Wasser halten. "Es kann sich aber keiner mehr leisten, Fische zu kaufen." Ein Teufelskreis, der nur durch Regenfälle durchbrochen werden könne: "Käme Regen, könnten wir wieder Saat anpflanzen. Die Hälfte der Ernte würden wir verkaufen. Davon könnten wir wieder Schafe und Hühner halten. Ohne die Hilfe der SOS-Kinderdörfer hätten wir es nicht geschafft", sagt die Mutter. Ihre Kinder können durch die Unterstützung weiterhin zur Schule gehen. "Dort werden sie gut aufs Leben vorbereitet!"

Loratanes und Faralines sind nur zwei von vielen Familien in Madagaskar, für die der Kampf gegen den Klimawandel ein ganz realer Kampf um ihre Existenz ist – und zwar im Hier und Heute.

Die SOS-Kinderdörfer in Madagaskar

Die SOS-Kinderdörfer sind bereits seit 1988 in Madagaskar aktiv und haben kürzlich ihre Hilfe vor allem im Süden des Inselstaats ausgeweitet, um notwendige Nothilfe zu leisten sowie nachhaltige Lösungen zu bieten. "Vor allem Kinder sind die Opfer! Und wenn ich sehe, wie Kinder hungern und dreckiges Wasser trinken müssen, steht außer Frage, sie in so einer menschenunwürdigen Situation allein zu lassen!" sagt Jean-François Lepetit, Leiter der SOS-Kinderdörfer in Madagaskar.

Nachhaltige Hilfe

Neben Naturkatastrophen und Klimaveränderungen sind auch innerstaatliche Probleme in Madagaskar die Ursache für das Leid der Landsleute. Umso wichtiger ist es, den Madagassen langfristige Lösungen zur Verfügung zu stellen, mit denen sie in der Zukunft wieder selbstbestimmt leben können. Dazu zählt unter anderem das Erlernen ressourcenschonender Methoden in Fischerei, Landwirtschaft und Viehzucht. Jugendverbände, Frauenvereine oder Erzeugergemeinschaften werden vor Ort gegründet und mit Mitteln wie zum Beispiel dürreresistentem Saatgut sowie Wissen und Technik unterstützt. Gemeinsam mit ihnen arbeiten die SOS-Kinderdörfer daran, die Bodenfruchtbarkeit zu erhöhen, wassersparende Bewässerungstechniken zu installieren oder dürreresistentes Saatgut zur Verfügung stellen.

 

Spenden für hungernde Kinder

Helfen Sie hungernden Kindern und Familien: Unterstützen Sie Projekte der SOS-Kinderdörfer im Kampf gegen den Hunger in Ostafrika. Jede Spende hilft!

 

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