Wie eine Kuh das Leben von Dorothée verändert

Familienhilfe der SOS-Kinderdörfer in Ruanda

Das Leben von Dorothée und ihren sieben Kindern war von Armut geprägt. Als die Familie aus Ruanda eine Kuh bekommt, ändert sich vieles zum Guten. Vielen Familien in der Gegend bereitet nun die Pandemie neue Probleme. Die SOS-Kinderdörfer unterstützen sie.

Ein Mitarbeiter der SOS-Kinderdörfer zeigt Dorothée, wie sie einen Küchengarten anlegen kann. Durch den Anbau in Terassenform kann sie zusätzlich zu Kochbananen auch anderes Gemüse auf kleinem Raum anpflanzen. Foto: Anton Sahler

Dorothée und ihre Familie leben abseits der blitzblanken Straßen und funkelnden Hochhäuser der Innenstadt von Kigali. Ihre Gemeinde befindet sich abgelegen auf einem der "tausend Hügel" Ruandas. Die Straßen hier sind nicht asphaltiert. Und obwohl die Gemeinde eigentlich zum urbanen Stadtgebiet gehört, versuchen viele Menschen von der Landwirtschaft zu leben. Hier treffen neuer Wohlstand und extreme Armut aufeinander. Betonierte Häuser von Mittelstandsfamilien stehen nehmen Lehmhütten wie derjenigen von Dorothée.

Dorothée ist Witwe. Sieben Kinder leben in ihrem Haushalt. Jeden Tag fragt sie sich, wie sie ihre Kinder versorgen und was aus ihnen werden soll. Kein Geld für Essen, Schulgebühren, Krankenversicherung. "Wir sind sehr arm. Oft hatten wir nicht genug zu essen", erzählt sie.

Eine Kuh verändert das Leben

Dorothée wird in die Familienhilfe der SOS-Kinderdörfer aufgenommen. Und schon nach kurzer Zeit sind erste Veränderungen sichtbar - und hörbar: im Innenhof der Familie muht eine Kuh.

Dorothée auf ihrem Feld. Foto: Anton Sahler

Das Tier frisst frisches Futtergras und hat schon ein Kälbchen bekommen. Die Familie hat den Tieren einen Holzstall gebaut. Ein Mitarbeiter der SOS-Kinderdörfer hat ihnen erklärt, was bei der Pflege zu beachten ist. Dorothée und ihre Söhne kümmern sich um die Tiere, denn sie sind der wertvollste Besitz der Familie. Die Kuh ermöglicht der Familie wirtschaftlichen Aufschwung: Täglich gibt das Tier rund neun Liter Milch, vier Liter trinken die Kinder und fünf Liter verkauft Dorothée auf dem Markt.

Die Einnahmen aus dem Milchverkauf (täglich ca. 1,50 Euro) investiert sie in ihren Gemüsehandel, den sie parallel ausbaut. Sie mietet ein Feld und kauft Saatgut, um Bohnen und Maniok zu pflanzen.

Die Hütte von Dorothées Familie ist karg. Für die Mutter ist es wichtig, dass alle Kinder eine Ausbildung machen können. Foto: Anton Sahler

Damit kann Dorothée ihre Familie versorgen. Mittlerweile besuchen alle Kinder die Schule und sind krankenversichert. Ihre beiden ältesten Söhne haben mit Hilfe der SOS-Kinderdörfer eine Schweißer-Ausbildung begonnen. Ihre Situation hat sich verbessert, aber es ist noch ein weiter Weg für die Familie. Alle müssen mit anpacken.

Hilfe aus der Spargruppe

Dorothée nutzt die verschiedenen Unterstützungsangebote der SOS-Kinderdörfer in Kigali. Besonders die "Spargruppe" hilft ihr: Die Idee ist, dass eine Gruppe von zehn bis 15 Familien gemeinsam Geld spart. Die Teilnehmer:innen treffen sich wöchentlich und zahlen einen festgelegten Beitrag in die Gruppenkasse ein. Jede Woche kann sich ein anderes Mitglied einen größeren Betrag als Kredit auszahlen lassen, um wichtige Anschaffungen zu tätigen, etwa Futter für die Tiere oder dringende Reparaturen am Dach. Die Spargruppe hilft Dorothée nicht nur wirtschaftlich, sondern ist für sie auch ein wichtiger Ort, um Menschen mit ähnlichen Problemen zu treffen und sich auszutauschen.

Rückschlag durch Corona

Aber dann kommt Corona. Und vieles, was sich die Familien erarbeitet hatten, geht wieder verloren. In Afrika werden ähnliche Maßnahme ergriffen wie in Europa – Lockdown und Isolation – mit enormen wirtschaftlichen Folgen. 80 Prozent der Menschen hier arbeiten im informellen Sektor, das heißt, sie verdienen ihr Geld als Tagelöhner. Reserven haben sie keine. Ist der Lockdown schon in Europa eine große Herausforderung, so wirken sich die Maßnahmen in Afrika für viele Menschen, die in Armut leben, noch wesentlich drastischer aus. So gut wie niemand kann im Homeoffice arbeiten, kaum jemand bekommt ein festes Gehalt. Wo die Schulen geschlossen sind, fällt für viele Kinder die einzige warme Mahlzeit des Tages weg. Es sind extrem schwierige Bedingungen für die Menschen. Zusätzlich nehmen durch Ausgangssperren, Stress und Ängste auch die Spannungen in den Haushalten zu.

Unsere Mitarbeiter:innen vor Ort intensivieren ihre Hilfe und passen sie den Gegebenheiten an. Sie halten mit Dorothée und allen anderen Familien, die wir unterstützen, weiter Kontakt.

Hoffnung in der Krise

Dorothée erzählt, dass sie ihrer Kuh das Überleben der Familie verdankt. Dank der Milch sind ihre Kinder versorgt, den Überschuss kaufen die Nachbarn ab. Und Dorothée baut sich weitere wirtschaftliche Standbeine auf: Sie stellt traditionelles Hirsebier her und verkauft es. Die Schließung von Schulen uns Ausbildungsstätten stellt die Familie vor weitere Herausforderungen. Aber dennoch ist Dorothée ist zuversichtlich. Sie hat gelernt, wie sie ihren Kindern ein besseres Leben geben kann und wird weiter dafür kämpfen.

 

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