Schönheit, die bleibt

Psychologin Olha und ein Team aus Maskenbildnerinnen und Stylistinnen organisierten einen "Tag der Schönheit" für fünf junge Frauen, die schwere Kriegsverletzungen im Ukrainekrieg erlitten haben. 

Die Wände sind blassrosa gestrichen, im Licht der Nachmittagssonne glänzt das Haar der fünf Mädchen zwischen 13 und 16 Jahren. Sie betrachten sich im Spiegel. Es ist ein ganz besonderer Tag, den Olha Yudina und ihre Kolleg:innen für die Teenager vorbereitet haben – ein "Tag der Schönheit". Was auf den ersten Blick nach einem einfachen Verwöhntag aussieht, ist für die Teilnehmerinnen, alle von schweren Kriegsverletzungen gezeichnet, weit mehr: Es ist ein Tag, der Hoffnung schenkt. Ein Tag, der Narben nicht einfach verdeckt, sondern sie in etwas Neues verwandelt.

Schönheit gewinnt eine andere Bedeutung

"Wir wollten, dass die Mädchen, die ein Trauma erlebt haben, in den Spiegel schauen und sich diese Worte sagen: Ich bin schön", sagt Olha Yudina, Leiterin des Kinderrehabilitationsprojekts der SOS-Kinderdörfer. In der Ukraine, wo der Alltag von Unsicherheit und Verlust geprägt ist, gewinnt Schönheit eine neue Bedeutung. 

"Wir wollten zeigen, dass Schönheit aus Selbstvertrauen und Selbstachtung wächst.""

Olha Yudina, Psychologin bei den SOS-Kinderdörfern in der Ukraine

Und tatsächlich: Die Mädchen wählen Outfits aus, probieren Farben, lassen sich von professionellen Stylistinnen beraten. Geduldig kreieren Friseurinnen und Visagistinnen Frisuren, zaubern Rot auf die Lippen und ein Lächeln ins Gesicht. Überall stehen Blumen, Essensduft und ein sanftes Murmeln erfüllen den Raum. Zwei Psychologinnen begleiten die Mädchen und ihre Mütter, hören zu, reden, halten Hände. Später, beim Fotoshooting, blitzen Kameras. Die Mädchen strahlen. Fast scheint es, als würde der Krieg für einen Moment aus ihren Gesichtern verschwinden.

 

Wie ihre Augen leuchten!

Lyudmila, die Maskenbildnerin, beschreibt diesen Moment: "Ich liebe es, ihre Gefühle zu sehen, wenn sie sich nach dem Prozess im Spiegel betrachten. Wie ihre Augen leuchten, wie sie sich freuen. Sie verändern sich."
Hier geht es nicht nur um das Äußere, sondern auch um den Versuch, innere Wunden zu heilen. "Wir haben über Emotionen gesprochen, über Angst, Verwirrung, Krieg", erzählt Psychologin Kateryna Golcberg. So können die Mädchen das Erlebte verarbeiten und neue Stärke finden.

"Ich habe mich ehrlich gesagt einfach nicht wiedererkannt. Ich habe mich noch nie so schön gesehen. Ich habe mich gesehen und war total beeindruckt!"

Alyna*, Teilnehmerin am "Tag der Schönheit", Ukraine

In solchen Momenten entsteht das, was Olha Yudina für entscheidend hält: Selbstachtung – nicht Mitleid. "Die Mädchen verstehen, dass sie wichtig sind, dass sie schön sind."

Schönheit ist nichts Oberflächliches

Die Maskenbildnerinnen und Stylistinnen sind selbst beeindruckt von der Erfahrung. "Oh mein Gott! Wow, bin das ich?", ruft eine der Teilnehmerinnen. "Das Schönste ist, dass es Menschen gibt, die solche Tage möglich machen", sagt Maskenbildnerin Lyudmilla.

Am Ende bleibt ein Gefühl: Schönheit ist nichts Oberflächliches. Sie entsteht, wenn die jungen Frauen nach Jahren voller Angst und Schmerzen in den Spiegel schauen – und plötzlich sagen können: Ich bin schön.

 

*Namen wurden geändert

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